Cruise stellt «Operation Walküre» vor: 

netzeitung.de«Das Ende meiner Karriere? Hatte ich schon»

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Tom Cruise und Christian Berkel stellten den Film vor (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Tom Cruise und Christian Berkel stellten den Film vor
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Kontroverse? Welche Kontroverse? In Berlin startete Tom Cruise die deutsche Vermarktungsoffensive für «Operation Walküre». Kerstin Rottmann begegnete einem begnadeten Marketing-Profi, der alle Register zog - inklusive Katie Holmes.

«Operation Walküre» beginnt verspätet, läuft dann aber wie am Schnürchen. Erst fünf Minuten hinter dem Zeitplan ist es soweit, dann startet der Moderator im Berliner Hotel «De Rome» den Countdown für die Stars der Pressekonferenz zur Europapremiere von Bryan Singers Film «Das Stauffenberg Attentat».

Fast die ganze Front des Saales ist mit Mikrophonen und akkurat aufgestellten Wasserflaschen bestückt. 15 Mitarbeiter des Films stellen sich hier am Dienstagnachmittag den Fragen der Presse. Regisseur Bryan Singer ist da, die beiden Drehbuchautoren, Schauspieler wie Thomas Kretschmann, Carice van Houten (leider nicht da: Kenneth Branagh) und natürlich Tom Cruise. Jeder bekommt hier seine einzelne Vorstellung, jeder seinen Einzelapplaus, und natürlich betritt Megastar Cruise als letzter das Podium, aber ein kleines bisschen zu früh - der Moderator spricht noch, da sitzt der Hollywoodstar schon da. Braungebrannt ist er, durchtrainiert und natürlich von Beginn an beängstigend präsent.
Muffins für die Fans
Für den 46-Jährigen ist der 20. Januar 2009 schließlich ein wichtiger Tag. Die Deutschland- und gleichzeitige Europapremiere seines viel diskutierten Nazi-Dramas soll der Höhepunkt einer ausgedehnten Promotion-Tour für den Film sein. Sieben Premieren in den folgenden 14 Tagen hat Cruise noch vor sich, am heutigen Dienstag will er sich am Potsdamer Platz laut Filmfirma eine Stunde Zeit für's Autogrammeschreiben nehmen. Zudem, so verlautete es per Pressemitteilung, gibt es Muffins und Handwärmer für die Cruise-Fans, die am roten Teppich stehen und jubeln werden.

Die Marketing-Maschine läuft also, und das mit einer Präzision, die alle Kontroversen um den Film fast schon vergessen machen lässt. Dass mit Cruise ein bekennender Scientologe die Geschichte des 20. Juli 1944 verfilmte und dabei auch noch die Hauptrolle des Claus Graf Schenk von Stauffenberg übernahm, sorgte schon vor Drehbeginn für mächtig viel Aufregung in den deutschen Medien.

In den USA wiederum wurde der Film nach diversen Pannen am Set (unter anderem dem verpfuschten Dreh im Bendlerblock, der wiederholt wurde) und mehreren Startverschiebungen schon als Megaflop und Cruise als Anwärter auf den Anti-Oscar, die «goldene Himbeere» gehandelt. Zumindest Letztes ist noch nicht ausgestanden. Wohl aber die Befürchtung, dass «Operation Walküre» als finanzieller Flop endet. In den USA hat der Film schon am Startwochenende über 20 Millionen Dollar eingespielt, laut Boxofficemojo.com ist auch der so wichtige Breakeven mit den Produktionskosten in Höhe von 75 Millionen Dollar nahe.
«Größte Herausforderung der Karriere»
Nun gilt es also, noch das lukrative Europageschäft anzukurbeln, und das tut Vollprofi Cruise nach Kräften. Die Rundum-Frage des Moderators nach dem denkwürdigsten Moment bei den Dreharbeiten ergibt zunächst auch lustige Anekdoten (Antwort Eddie Izzard: «Der Besuch im örtlichen Burger King», Antwort Tom Hollander: «Die Arbeit in einer Stadt, bei der auf dem Bürgersteig Fahrrad gefahren wird»). Allein der in Schwarz gekleidete Cruise schwingt sich schon jetzt zu einer langen, staatstragenden Rede auf, die auch zur Ansprache bei der Verleihung bei diversen Medienpreisen geeignet wäre.

Der intensivste Moment sei der Dreh im Bendlerblock gewesen, die Arbeit an diesem wohl «herausforderndsten Film meiner Karriere» in der «wonderful City» sei eine wahre Freude gewesen. Überhaupt der Bendlerblock! Der historische Ort, an dem am 21. Juli 1944 die Verschwörer standrechtlich erschossen wurden und der heute Gedenkstätte ist, entpuppt sich als der wahre Star des Films. Hier habe er, so erklärte Drehbuchautor Christopher McQuarrie schon im Interview mit der Netzeitung, die Idee für den Film entwickelt, hier fühlten deutsche (Christian Berkel) wie britische Stars (Bill Nighy) nach eigenen Angaben die Größe der Aufgabe. Nicht von ungefähr: Vor Ort habe Cruise eine Ansprache gehalten, zudem sei vor dem Nachdreh der Hinrichtungsszene eine Schweigeminute gehalten worden, so die Kollegen eilfertig.
Klares Bekenntnis zur Unterhaltung
Immer wieder verweisen die Macher auf die größtmöglichste Authentizität und Akkuratesse (Cruise), die man bei dem Filmprojekt zu wahren suchte. Dennoch sei auch klar, dass er das Publikum «unterhalten» wolle und seine «Operation Walküre» ein Thriller und keine Filmbiografie sei. Ob er die Kontroversen in Deutschland um den Film mitbekommen habe?, will einer wissen. «Ja», sagt Cruise und lacht, «ich habe sie bemerkt». Die jedoch hätte ihn und das Team eher noch mehr zusammengeschweißt.

Überhaupt, die Frage nach dem Risiko. Habe es ihn, so fragte etwa «Vanity Fair»-Autor Alexander Graf von Schönburg, befriedigt, dass der schon totgesagte Film nun doch noch ein Erfolg sei? «Ich wusste, dass es klappt», antwortete Cruise selbstbewusst und ist in dem Moment ganz bei sich. «Ich gebe immer mein Bestes, antwortet der Mann, der mit seinem Filmen weltweit schon über zwei Milliarden Dollar eingespielt hat. Und ergänzt: »Ich mache seit 25 Jahren Filme, ich hatte immer Kontroversen«, so Cruise, der nach seinen überbordenden Äußerungen zu Scientology auch schon in der US-Presse schon fast abgeschrieben war. Offenbar verfrüht.

Testvorführung ohne Popcorn
»Das Ende meiner Karriere?«, ergänzt Cruise denn auch weiter, »das habe ich schon oft gehört«, und verweist auf Filme wie »Rain Man«, »Geboren am 4. Juli« oder »Magnolia«, mit denen ihn die Kritiker auch schon abgeschrieben hätten. Was er nicht sagt, aber ausstrahlt: Seht her, ich bin immer noch hier, und ich bin es, der die Kontrolle hat. Und das auch eine überaus amerikanische, hochprofessionelle Art und Weise.

Hier lässt der Mann mit dem breiten Lächeln noch eine Anekdote über einen romantischen See fallen, an dem er sich erholt habe. Dort kommt die Geschichte einer Testvorführung in den USA, wo der inkognito anwesende Cruise erst von der Popcorn-Abstinenz, dann vom Applaus des Publikums überrascht wurde (und, so ergänzt Bryan Singer stolz, »Applaus gibt es sonst nie bei solchen Aufführungen«). Dann noch der lässige Konter auf die zugegebenermaßen peinliche Frage einer TV-Journalistin, ob er denn nicht nur als Schauspieler, sondern auch privat bei Ehefrau Katie Holmes ein so »leidenschaftlicher Mann« sei: »Da müssen Sie sie selbst fragen. Und ja, Katie ist auch in Berlin«.

Chapeau, damit dürfte sich die Zahl der Kamerateams am Roten Teppich in Berlin noch einmal erhöhen. Bleibt noch zu klären, warum Singer und sein Team den «Deutschen einen solchen Gefallen getan» haben, fragte ein finnischer Journalist. Denn das, so hatte es Cruise schon vorher mehrmals betont, sei eine von ihm beobachtete Reaktionen in den USA und allen anderen Ländern auf den Film gewesen: Mit «Operation Walküre» dringe zum ersten Mal der deutsche Widerstand gegen Hitler ins Bewusstsein der Menschen. Die Antwort von Drehbuchautor Chris McQuarry fällt hingegen eher trocken aus: «Es gibt eine stereotype Wahrnehmung Deutschlands in den USA. Diese Stereotype wollte ich zerstören».
Gut gemacht, Deutschland!
Keine bösen, sondern gute Nazis in Uniform also auf der Leinwand. Für Hollywood-Verhältnisse eine Revolution, für den Rest Europas gottseidank längst Alltag.

Hier, vor allem natürlich in Großbritannien («Don't mention the War!») wird schließlich auch gern über die NS-Zeit und die Nazis gelacht. Seine intensivste Erinnerungen an die «Walküre»-Dreharbeiten in Berlin etwa sei Adolf Hitler, der bei der Essensausgabe ansteht und dem gerade die Nase schmilzt, so Schauspieler Tom Hollander, der natürlich auch Brite ist.

Gegen Ende bringt es der großartige britische Comedian Eddie Izzard, der in dem Film «endlich» auch schauspielern durfte (er spielt General Erich Fellgiebel) auf den Punkt: Er, der in seiner Stand-Up-Comedy gerne über den «massmurdering Fuckhead» Hitler witzele, wisse seit langem, dass Deutschland ein gutes Land sei. Den Mauerfall habe er miterlebt, und die «Hundertausende von Berlinern, die Barack Obama schon vor seiner Wahl feierten« seien toll gewesen, so Izzard unter beifälligem Gelächter seiner Kollegen. «Gut gemacht, Deutschland!» ruft er in den Saal und beendet damit die Pressekonferenz über das Film-Drama, das ganz zufällig an einen anderen historischen Tag präsentiert wird: der Amtseinführung von Barack Obama.