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Erwin Wagenhofers «Let's Make Money»: 

Der Film zur Finanzkrise

10. Okt 2008 15:14
Die Weltbank im Visier: Ausschnitt aus dem Film von Erwin Wagenhofer
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Die Gier, das Geld und wir alle: Der Dokumentarfilm «Let's make Money» ist schon lange vor dem Kinostart Gesprächsthema. Kerstin Rottmann gibt einen Vorgeschmack auf einen lohnenden Film-Besuch bei Spekulanten, «kleinen Sparern» und Steueroasen. Mit Video.

Normalerweise haben es Dokumentarfilmer ein bisschen schwer. Ihr Markt ist eine Nische, auch wenn sich zunehmend mehr Kino-Zuschauer für die realitätsnahen Streifen interessieren. Anders bei dem neuen Film des österreichischen Regisseurs Erwin Wagenhofer. Der ist so brandaktuell, dass die erste Fassung den Journalisten noch im Rohschnitt vorgeführt wurde. Dennoch platzte das kleine Berliner Kino fast aus den Nähten. Der Interviewtag mit dem Macher von «We feed the World» - einer viel beachteten Doku, die sich der Massenproduktion und -verschwendung von Lebensmitteln widmete - war bis zum Platzen voll. Selbst das ZDF-«Heute Journal» berichtete am Donnerstag über einen Film, der erst Ende Oktober überhaupt in die Kinos kommt.

Zu Besuch bei den Verlierern

Kein Wunder - denn «Let's make Money» ist nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort - Finanzkrise! - sondern schafft auch das Kunststück, all jene Fragen, die viele Menschen derzeit bewegen, zu adressieren und zu illustrieren. Eine Reise rund um die Welt also, auf den Spuren jener mysteriösen Geldvermehrung, die nun offenbar abrupt zum Stillstand gekommen ist. Zu Wort kommen etwa Spekulanten wie Mark Mobius, ein mächtiger US-Finanzmanager, der den Fonds der «Templeton Emerging Markets» kontrolliert. «Die beste Zeit, um zu investieren, ist, wenn Blut auf den Straßen ist», so seine These.

Anders ein deutscher Private-Equity-Manager, der schon bei den Dreharbeiten einen Zusammenbruch erahnt, angesichts der immer größer werdenden «Gier», die die Finanzmärkte treibe. Besucht werden aber auch jene obskuren Orte, an denen sich das Kapital sammelt - Steueroasen wie in Jersey, oder die endlosen Reihen leerstehender Ferienimmobilien an der spanischen Küste, die stille Zeuge einer gewaltigen, nun ebenfalls geplatzten Immobilienblase sind.

Wagenhofer widmete sich in seinem plakativen, aber durchaus sehenswerten Film auch den Verlierern dieser Finanztransaktionen und weltwirtschaftlichen Zusammenhängen (Globalisierung!). Baumwollbauern in Burkina Faso etwa, oder den Armen in Indien, die allen Wachstumsraten der dortigen Wirtschaft zum Trotz keine Verbesserung ihrer Lage erleben. Nicht zuletzt aber thematisiert Wagenhofer auch die Verantwortung des kleinen Sparers, der, ob nun für via Pensionsfonds oder auch für seine ganz normalen Sparkonten das Geld auf seiner Bank «arbeiten» lässt. «Doch Geld kann nicht arbeiten: arbeiten können nur Menschen, Tiere oder Maschinen», so Wagenhofers ebenso einfaches wie unangenehmes Fazit, passend für unangenehme Zeiten.

Der Trailer zum Film bei Youtube:

 
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