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DVD über Afrikareise des US-Demokraten: 

Barack Obamas unsentimentale Heimkehr

10. Okt 2008 13:29, ergänzt 17:04
Dies Bild stammt nicht aus dem Film, zeigt aber Obamas typische Zuhör-Pose
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«Obama goes to Africa» zeigt, wie der US-Politiker mit Hilfe eines Auftragsfilmemachers schon früh gegen den Verdacht seiner außenpolitischen Unzulänglichkeit ankämpfte. Boris Hermann hat den Film gesehen.

Heute wundert sich niemand mehr, wenn Barack Obama die Massen verzückt. Wenn er sein Obama-Lächeln lächelt und es ihm die Menge mit kollektiver Ekstase dankt. Im Moment würde dieser Mann wahrscheinlich jede Wahl der Welt gewinnen, selbst für die CDU in Berlin.

Im August 2006 war Barack Obama außerhalb des US-Bundesstaates Illinois dagegen noch weitgehend unbekannt. Auf seiner damaligen Afrika-Reise staunte er selbst nicht schlecht, wie viele Kenianer seine Rede an der Universität von Nairobi sehen wollten. «Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Menschen für mich interessieren», sagte er in eine Kamera. Es klang durchaus aufrichtig.

Unter dem Titel «Senator Obama goes to Africa» gibt es jetzt eine DVD, die jene denkwürdige Reise Obamas dokumentiert. Wenn man im Fall von Nairobi noch einen gewissen Heimvorteil unterstellen muss - Obamas Vater stammt aus der Stadt Kisumu im Westen Kenias - so ist es doch überraschend, dass der Besuch des Senators aus Illinois auch in Südafrika und im Tschad zu Ausnahmezuständen führte. Die heimische Politik verdrängte er ohnehin aus den Schlagzeilen.

Er hört lange zu

«Senator Obama goes to Africa» ist der selbst erzählte Reisebericht eines bescheidenen Popstars, der sich nicht als Staatsmann inszeniert, sondern als aufmerksamer Besucher. Wohin auch immer ihn die Kamera und seine Fans begleiten - vor die Haustür seines Vaters und seiner Halbschwester in Kisumu, in die ehemalige Gefängniszelle von Nelson Mandela auf Robben Island, in ein Flüchtlingszelt in Darfur - Obama hält keine langen Reden. Er hört lange zu. Und damit das auch jeder merkt, wiederholt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit: «Ich bin nicht gekommen, um zu reden. Ich bin gekommen, um zuzuhören.»

Es sind einfache Botschaften, die Barack Obama dem Kontinent seiner Vorfahren mitgebracht hat: «Ihr seid alle meine Brüder. Ihr seid alle meine Schwestern.» Aber genau das ist es ja, was die Wirkungsgeschichte dieses Mannes so erstaunlich macht: wie er mit einfachen Sätzen, die häufig die Grenzen zur Naivität überschreiten, die ganze Welt in Aufregung versetzt.

Marketingabteilung auf Hochtouren

Der 60-minütige Dokumentarfilm zeigt vieles nicht. Er wird vage, wenn es gerade konkret zu werden droht, er bleibt unpersönlich, wenn er Intimität vortäuscht. Sehr gut zeigt der Film allerdings, dass die Marketingabteilung des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama schon auf Hochtouren lief, als es noch nicht einmal einen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama gab. Offiziell hieß es im Sommer 2006 noch, der Senator fühle sich sehr wohl in Illinois.

Die nun auf Deutsch vorliegende DVD belegt, wie Obama mit Hilfe des erfahrenen Auftragsfilmemachers Bob Hercules schon zu dieser Zeit gegen die stärkste Waffe seiner späteren Kontrahenten Hillary Clinton und John McCain ankämpfte - gegen den Verdacht seiner außenpolitischen Unzulänglichkeit.

Natürlich verlangt die Logik derartiger Auftragskommunikation, dass sich in den Straßen Afrikas vorwiegend Menschen finden, die angeblich immer darauf gewartet haben, dass ein Amerikaner nach Afrika kommt und sich einem öffentlichen Aids-Test unterzieht, den Wert der Schulbildung herausstellt und die Korruption geißelt. Aus künstlerischer Sicht hätte es dem Film dennoch gut getan, wenn auch die eine oder andere Stimme zu Wort gekommen wäre, die derartige Wahlkampfinszenierungen kritisch betrachtet. Danach haben die Filmemacher offenbar gar nicht gesucht.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».

 
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