«Für den Rest meines Lebens werde ich keiner Jury mehr angehören wollen», lautete das Fazit des genervten deutschen Regisseurs Wim Wenders nach dem Gerangel in der Jury. Dabei trafen die Juroren von Venedig alles in allem eine durchaus gute Wahl. Dafür steht zum einen, dass der frische, stilistisch glänzende russische Streifen «Papiersoldat» von Alexej German Jr. den Silbernen Löwen für die beste Regie und den Kamera-Preis bekam. Und auch das eindringliche Äthiopien-Epos «Teza» von Haile Gerima, in ebenso schönen wie brutalen Bildern aus dem zerrissenen afrikanischen Land schwelgend, räumte mit Fug und Recht zweimal ab, den Spezialpreis der Jury und den Drehbuchpreis. «Teza» war eine von drei deutschen Koproduktionen im Wettbewerb.
In den Turbulenzen ging fast unter, dass das Preisgremium um Wenders den deutschen Regisseur Werner Schroeter mit einem Spezial- Löwen für sein Gesamtwerk bedachte. Schroeter (63) hatte (als Koproduktion) das pathetische Bürgerkriegsmelodram «Nuit de Chien» im Wettbewerb, das zurückhaltend aufgenommen wurde. Keine Chancen hatte «Jerichow» von Christian Petzold, der erste deutsche Film im Wettbewerb seit 2004.
Absehbar war, dass der japanische Altmeister Hayao Miyazaki, dessen Animationsfilm «Ponyo on the Cliff by the Sea» Kritiker wie Publikum verzauberte, bei der Preisverleihung leer ausgehen würde - Miyazaki hatte bereits vor drei Jahren am Lido einen Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk empfangen. Dominique Blanc zog die Jury als beste Darstellerin in dem französischen «L'Autre» den glänzenden Leistungen von Anne Hathaway, Kim Basinger und auch Charlize Theron vor. Unberücksichtigt blieben preisverdächtige Streifen wie Kathryn Bigelows «Hurt Locker», Jonathan Demmes «Rachel Getting Married» oder auch «The Burning Plain» des Mexikaners Guillermo Arriaga. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)