First Steps Awards in Berlin: 

netzeitung.deSozialkritisch bis zur Schmerzgrenze

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August Diehl und Nadja Uhl (re.) bestimmen die Sieger mit (Foto: Yvonne Mohr / First Steps<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe August Diehl und Nadja Uhl (re.) bestimmen die Sieger mit
Foto: Yvonne Mohr / First Steps
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wer im Film-Business mitspielen will, braucht starke Nerven - und natürlich Talent. Der Nachwuchspreis «First Steps» soll beides fördern. Maike Schultz stellt einige Filmemacher von morgen vor.

Sechs lange Monate dauert es noch, bis der Potsdamer Platz zur Berlinale wieder in Glanz und Glamour erstrahlt. Ein bisschen «Roter Teppich»-Gefühl gibt es schon am kommenden Dienstag. Bei den neunten First Steps Awards werden die deutschen Filmemacher von morgen gekürt – und dazu schaut traditionell auch jede Menge Prominenz vorbei.

Unter anderem Iris Berben, Jeannette Biedermann und Hannah Herzsprung werden als Gala-Gäste erwartet. Nach Nora Tschirner, Jessica Schwarz und Sarah Kuttner führt dieses Jahr Bernd Eichingers Tochter Nina durch den Abend im Theater am Potsdamer Platz. «Ich freue mich wahnsinnig, nicht nur, weil ich die Förderung junger Talente unglaublich wichtig finde, sondern auch, weil ich persönlich einfach total neugierig bin auf die Filme und die Leute dahinter», sagte die MTV-Moderatorin.
72.000 Euro Preisgelder
Der mit insgesamt 72.000 Euro dotierte Nachwuchspreis First Steps entstand im Jahr 2000 als private Initiative der Filmbranche und Wirtschaft und wird seitdem jährlich an Abschlussfilme von Studierenden an Filmhochschulen in deutschsprachigen Ländern verliehen. 2008 wurden insgesamt 164 Filme eingereicht.

Nominiert sind je fünf Spielfilme in drei verschiedenen Länge-Kategorien: Kurz, Mittellang und Abendfüllend. In der Jury sitzen unter anderem die Schauspieler August Diehl und Nadja Uhl. «Wir haben diesmal einen sehr souveränen, reifen Jahrgang mit großen moralisch-philosophischen Fragestellungen», sagte First Steps-Programmleiterin Andrea Hohnen bei der Präsentation der Nominierungen in Berlin. «Besonders die Filme mit der typischen Uni-Länge bis zu 60 Minuten sind dabei Vorreiter».
Den Oscar hat er schon
Zu den potenziellen Preisträgern dieser Sektion zählt Reto Caffis «Auf der Strecke» (Kölner Kunsthochschule für Medien), der im Mai bereits mit dem begehrten Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde. Der halbstündige Film dreht sich um einen Kaufhausdetektiv, der heimlich in eine Verkäuferin verliebt ist. Als ein vermeintlicher Nebenbuhler vor seinen Augen in der S-Bahn verprügelt wird, greift er nicht ein – mit fatalen Folgen.

Auch bei den Langfilmen haben Geschichten über Tabuthemen Chancen auf einen Award (25.000 Euro). In «Das Fremde in mir» von Emily Atef aus Berlin geht es um post-natale Depression, in «Nacht vor Augen» um das Trauma einen heimgekehrten Afghanistan-Soldaten. Hohnen schwärmte von der «spürbaren Lust an handwerklicher Raffinesse» und beschrieb die gesamte Spielfilm-Auswahl als «intellektuelles Vergnügen auf hohem Niveau».

Erfolg ohne Publikum
In der Dokumentarfilm-Sektion wurden deshalb sogar ausnahmsweise sechs Filme nominiert, darunter auch die Berlinale-Beiträge «Drifter» über die neuen Kinder vom Bahnhof Zoo und Teddy Award-Gewinner «Football Under Cover» über ein Freundschaftsspiel zwischen Berlin und Teheran.

Eine ungewöhnliche iranische Frau porträtiert auch Niko Apels «Sonbol» (Filmakademie Ludwigsburg), der die Geschichte einer unverheirateten Autorallye-Fahrerin erzählt. Neben den traditionellen Preis-Kategorien gibt es noch den Commercial Award (10.000 Euro), der an einen herausragenden Werbespot verliehen wird.

So löblich die Nachwuchsförderung auch ist, einen Schönheitsfehler hat die Veranstaltung dennoch: Der breiten Öffentlichkeit bleiben viele Filmschätze verwehrt. Immerhin zeigt das Berliner Kino Babylon Mitte am 28. August zwei First Steps-nominierte Filme im Rahmen der Reihe «Neuer Deutscher Film».

Die Wahl fiel neben dem Kurzfilm «Robin» allerdings auf den Star-Besetzten Spielfilm «Novemberkind» (mit Anna Maria Mühe, Ulrich Matthes und Juliane Köhler) – und der läuft im Herbst ohnehin im Kino an. Der Spielfilm-Preisträger aus dem letzten Jahr, Tom Zenkers «Der blinde Fleck», wurde kürzlich im Nachtprogramm des ZDF versendet. Der Psycho-Krimi lief im Rahmen der Reihe «Gefühlsecht».