31.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Erscheint erst nur im Traum: Löwe Aslan
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Vor drei Jahren ließ «Der König von Narnia» die Kinokassen klingeln. Maike Schultz hat einige Verbesserungen bei der Verfilmung des zweiten Romans der «Chroniken von Narnia» bemerkt - und wurde trotzdem nicht überzeugt. In den Sommermonaten herrscht normalerweise Flaute in den deutschen Kinos, in diesem Sommer allerdings folgt ein Blockbuster auf den anderen. Kurz vor «Batman - The Dark Knight» und nach der mit Spannung erwarteten «Akte X»-Verfilmung sowie der Kino-Adaption des Kult-Musicals «Mamma Mia» startet nun also das neue Fantasy-Abenteuer der «Chroniken von Narnia». Der erste Teil mit dem Titel «Der König von Narnia» spielte 2005 weltweit rund 745 Millionen Dollar ein. Obwohl er damit zu einer der erfolgreichsten Walt Disney-Produktionen wurde, fiel er bei den Kritikern durch. Zu große Unterschiede zur Buch-Vorlage von Clive S. Lewis und schlechte (da sichtbar künstliche) Spezialeffekte, hieß es damals. Düsterer und politisch korrekter
In den Sommermonaten herrscht normalerweise Flaute in den deutschen Kinos, in diesem Sommer allerdings folgt ein Blockbuster auf den anderen. Kurz vor «Batman - The Dark Knight» und nach der mit Spannung erwarteten «Akte X»-Verfilmung sowie der Kino-Adaption des Kult-Musicals «Mamma Mia» startet nun also das neue Fantasy-Abenteuer der «Chroniken von Narnia». Der erste Teil mit dem Titel «Der König von Narnia» spielte 2005 weltweit rund 745 Millionen Dollar ein. Obwohl er damit zu einer der erfolgreichsten Walt Disney-Produktionen wurde, fiel er bei den Kritikern durch. Zu große Unterschiede zur Buch-Vorlage von Clive S. Lewis und schlechte (da sichtbar künstliche) Spezialeffekte, hieß es damals.
Düsterer und politisch korrekterIn «Prinz Kaspian von Narnia» wollte Regisseur Andrew Adamson alles besser machen. Das fängt schon damit an, dass bei den Narnianern erstmals Zentauren-Frauen, -Kinder und ein 80-jähriger Faun zu sehen sind. Außerdem beginnt die zweite Verfilmung eines Romans der Besteller-Reihe (1950-56) so düster wie die Fortsetzungen von «Herr der Ringe». Mit der Leinwandversion von Tolkiens Trilogie musste sich Adamson stets vergleichen lassen, zumal die beiden Autoren eng befreundet waren. Nun scheint sich auch Adamson ein Beispiel daran genommen zu haben: Schon die ersten Szenen in Narnia machen deutlich, dass dort das Böse in Menschengestalt herrscht.
Vom U-Bahnhof an den TraumstrandAn den mächtigen Löwen Aslan erinnert nur noch ein Altar-ähnliches Denkmal. Kaspians Onkel Miraz (Sergio Castellito, «Bella Martha») und sein Volk der Telmarer haben die zauberhaften Gestalten wie sprechende Tiere so gut wie ausgerottet. Die wenigen, die noch da sind, verstecken sich in den Tiefen des Waldes, während sich auch zwischen den Herrschern selbst die Intrigen häufen. Denn Miraz wünscht sich anstelle von Kaspian (Ben Barnes, «Der Sternenwanderer») den eigenen Sohn als Thronfolger.
Auf der Flucht vor seinen Schergen bläst der Prinz in ein magisches Horn, das die vier Geschwister Peter (William Moseley), Susan (Anna Popplewell), Edmund (Skandar Keynes) und Lucy (Georgie Henley) mitten aus einem englischen U-Bahnhof nach Narnia befördert. Vor nur einem Jahr hatten sie dort als Könige regiert und zurück im Weltkriegs-London unter dem tristen Schulalltag gelitten. Wieder in der Parallelwelt angekommen müssen sie jedoch feststellen, dass in Narnia-Zeit inzwischen 1300 Jahre vergangen sind.
Erst witzig, dann blutig und pubertärGemeinsam mit Kaspian und den Fabelwesen ziehen die Pevensies gegen die Telmarer in den Kampf. Ähnlich wie in «Herr der Ringe» zählt zu ihren Verbündeten auch ein störrischer Zwerg, der sich vom Feind zum Freund wandelt. Was mit viel Witz und Tempo beginnt - etwa einer großartigen Szene, in der mit Hilfe von Maus Riepischiep und Dachs Trüffeljäger die Burg erobert wird - artet jedoch bald in eine martialische Schlacht aus, die bis zuletzt die Handlung bestimmt.
Inhaltlich bleibt am Ende nur wenig übrig. Das zentrale Motiv von «Prinz Kaspian von Narnia» ist neben dem Krieg zwischen Narnianern und Telmarern - das Problem des Erwachsenwerdens. Bis auf Lucy leiden alle Hauptfiguren an mangelndem Vertrauen in die Fantasie. Stattdessen sind sie mit der ersten Verliebtheit oder männlichen Autoritätskonflikten beschäftigt. Diese Entwicklung der Charaktere ist nur konsequent, selbst «Harry Potter» musste in seinem letzten Kino-Abenteuer knutschen. Nur: Wen interessieren diese pubertären Eitelkeiten wirklich?
Ein klares ZielgruppenproblemKinder ab 12, wie die FSK es vorsieht, wohl eher nicht. Für junge Zuschauer ist der Film wegen der brutalen Kämpfe ohnehin nur bedingt zu empfehlen, zumal diese eine fragwürdige Moral vermitteln. Aslan wird angebetet wie ein Gott, und wie die Kreuzritter ziehen die Narnianer «Für Aslan!» in eine Art Heiligen Krieg. Die christliche Symbolik ist auch bei den sintflutartigen Wassermassen im Showdown unübersehbar. Adamson hat also ein klares Zielgruppenproblem - auch ältere Teenager werden die kitschigen und religiösen Elemente wahrscheinlich albern finden.
Dass die 144 Filmminuten trotz der Drehbuch-Schwächen wie im Flug vergehen, liegt vor allem an den aufwändig produzierten Action-Szenen. Es gibt durchaus spannende und visuell brilliante Momente, wie die Rückkehr von Aslan und der weißen Hexe (gruselig: Tilda Swinton). Die im letzten Teil bemängelte Computerverfremdung ist hier kaum noch erkennbar.
Ein Genuss fürs Auge sind auch die grandiosen Landschaftsaufnahmen, etwa wenn man Kaspian von oben mit wehender Mähne durch einen Fluss reiten sieht. Regisseur Adamson besuchte auf der Suche nach Drehorten fünf Kontinente und entschied sich für Neuseeland, Tschechien, Slowenien und Polen. Besonders die Traumstrände der Südinsel Neuseelands machen Narnia zur Projektionsfläche für Fernweh.
Schauspieler wollen aufhörenBleibt die Frage, ob sich diese Elemente noch weitere fünf Mal als Qualitätsgarant erweisen können. Denn Disney plant, alle sieben «Narnia»-Bände zu verfilmen. Ein ähnlicher Erfolg wie den bisher fünf Kinoversionen von Harry Potter dürfte dieser Fantasy-Serie kaum vergönnt sein sogar manche Schauspieler haben jetzt schon genug. «Ich will nicht denselben Charakter sieben Mal spielen», sagte Susan-Darstellerin Anna Popplewell bei der Vorstellung des zweiten Teils. Nach dem Ausstieg will sich die 18-jährige Britin wieder stärker um ihr Studium der englischen Literatur in Oxford kümmern. Auch ihr Kollege William Moseley hofft in Zukunft auf erwachsenere Rollen: «Ich habe das Gefühl, dass ich die Rolle als Peter ausgereizt habe.» Er sei jetzt «bereit für neue Herausforderungen», sagte der 21-Jährige.
Mal sehen wie Regisseur Andrew Adamson diese meistern wird. Jüngere Schauspieler braucht er sowieso: Chronologisch spielt der zweite Roman erst nach den später erschienenen Werken «Das Wunder von Narnia» und «Der Ritt nach Narnia».
Video: Trailer zu «Prinz Kaspian von Narnia»