Vernichtende Kritik für «SaTC»: 

netzeitung.deKein Sinn fürs Seichte

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'Nimm es oder lass es', fordern Charlotte, Samantha und Miranda (v.l.n.r) (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Nimm es oder lass es', fordern Charlotte, Samantha und Miranda (v.l.n.r)
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Verstehen Sie Spaß? Deutschlands Filmkritiker offenbar nicht. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass der Kinoversion von «Sex and The City» in zahlreichen Feuilletons mangelnder Tiefgang vorgeworfen wird?

Mit verbissener Ernsthaftigkeit fallen Deutschlands Filmkritiker über «Sex and The City - Der Film» her. Neben all den spöttisch-kommentierend sowie pseudo-intellektuellen Beleuchtungen geht ihnen dabei eines völlig ab - der Sinn fürs Seichte und Spielerische. Da wird Tiefgang von einer Serie erwartet, deren Machern es niemals darum ging, aus intellektueller Sicht besonders anspruchsvoll zu sein.

«Hätte sie doch einen Schuh geheiratet!»
So schlägt «Faz»-Autorin Johanna Adorján etwa die Titel-Alternativen «Heiratet-er-mich-oder-nicht in Zeiten des zusammenbrechenden Immobilienmarkts» oder «Achtung! Sehr, sehr langweilig!» vor. Und schreibt weiter, bei «Sex and The City» handele es sich um «eine gut gemachte Serie darüber, wie sich homosexuelle Drehbuchschreiber Frauen vorstellen».

Auch Carmen Böker von der «Berliner Zeitung» hält die Leinwandversion von «Sex and The City» für gescheitert. Fazit: «145 Minuten, die sich zur hauchfeinen Nichtigkeit weiten wie ein halterloser Strumpf.»

«Zeit»-Kolumnist Diedrich Diederichsen schließt sich dieser Meinung an: «Hätte sie (Carrie Bradshaw) doch einen Schuh geheiratet! Menschen, die sich zu Objekten hingezogen fühlen und diese auch ehelichen, sind der letzte Schrei (Stichwort: Objektophilie). Aber zum letzten Schrei reicht es hier nicht. In mancher Hinsicht.»

Und Frederik Hanssen vom «Tagesspiegel» bemängelt: «Wenn aber die Handlung ganz auf die Paar-Konflikte fokussiert ist, geht die metropolitane Coolness flöten, für die man diese Serie lieben kann. Zumal auch die Dialoge im Vergleich mit der politisch wunderbar unkorrekten HBO-Serie durchgängig sehr brav bleiben.»

Postfeministische Lektion im 80er-Jahre-Look
Doch es gibt sie auch, die positiven Stimmen. «Taz»-Autorin Brigitte Werneburg etwa schreibt: «Im absurden 80er-Jahre-Look der Kleider aber steckt die postfeministische Lektion. Denn geheiratet wird nicht in Vivienne Westwoods grandiosem Hochzeitskleid. (...) Geheiratet wird im Secondhand-Kostümchen und in der City Hall - zu eigenen Bedingungen.»

Ulf Poschardt beschreibt die SaTC-Charaktere in der «Welt» als «Materialisten«, die Dinge nutzten, »als wären sie beseelt» und deutet Miss Bradshaws Kleiderschrank als «eine Art Tagebuch verlorener Träume und Hoffnungen».

«Süddeutsche»-Autorin Rebecca Casati fragt sich schließlich: «Ist 'Sex and the City' doch mehr als nur Schuhekaufen, Merchandising, Heiraten und ein klebriger Proseccoabend unter Freundinnen? Aber ja.» (nz)


Für das Web ediert von Julia Wilczok