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61. Filmfestspiele in Cannes: 

Zwischen Frauenknast und «Kung Fu Panda»

16. Mai 2008 09:17
Dustin Hoffman, Angelina Jolie und Jack Black
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Zum Auftakt des Filmfests in Cannes dreht sich in den Wettbewerbsbeiträgen alles um menschliche Dramen. Die gute Laune lässt Sascha Rettig sich trotz der düsteren Themen nicht verderben - auch dank dreier Hollywoodstars.

Ganz unvermittelt kam Dustin Hoffmans Geständnis. «Sie wissen, dass es eine Zeit gab, da hätte Angelina Jolie zwischen mir und Brad Pitt entscheiden können», witzelte er plötzlich auf der Cannes-Pressekonferenz zur Tierchen-Martial-Arts-Animation «Kung Fu Panda». Während Jolie derweil auf dem Platz daneben strahlend ihren Bauch präsentierte, in dem nun auch offiziell Zwillinge stecken, hatten Hoffman und sein Kollege Jack Black zwar nicht die Glückwünsche, aber immerhin die Lacher auf ihrer Seite – egal, ob es um willkommene Fettleibigkeit ging oder den Kulturverfall, der nun auch die Filmkritiker erreicht habe. Sie lieferten so die bereits am zweiten Tag notwendigen Gute-Laune-Einlagen bei einem Festival, das in den wenigen bislang gelaufenen Filmen bereits konsequent zeigte, wie die irdische Existenz zur Hölle werden kann: Frauenknast, Massaker im Libanonkrieg oder der Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation.

Machtspiele, Unterdrückung und Ausbeutung

Letztere Situation beschreibt Fernando Meirelles‘ Cannes-Eröffnungsfilm «Blindness», zu dessen Premiere am Mittwochabend Julianne Moore, Gael Garcia Bernal und Danny Glover über den roten Teppich schritten. In der Verfilmung von José Saramagos Bestseller werden Menschen durch eine ansteckende Krankheit plötzlich blind. In Quarantäne abgeschottet und zusammengepfercht sitzt Moore darin als einzige Sehende unter Blinden und erlebt im Elend die Entstehung eines gesellschaftlichen Mikrokosmos‘, in dem es auch zu Machtspielen, Unterdrückung und gegenseitiger Ausbeutung kommt. Das Unglück der Hauptfiguren lässt dabei aber genauso kalt wie die meist sehr klinische Inszenierung, die einer möglichen rohen, erschütternden Schilderung entgegensteht. Meirelles Blick bleibt bei dieser Parabel über die Natur des Menschen an der sehr an der bildhaften Oberfläche, was keine Drastik und die unmenschlichen Umstände dieser Katastrophensituation spürbar werden lässt.

Wie «Blindness» ließ auch der argentinische Beitrag «Leonera» am Ende etwas Hoffnung zu. Doch bis dahin erlebt man die Mutter-Kind-Abteilung in einem südamerikanischen Frauenknast. Ob die 26jährige Julia zu recht darin sitzt, weil sie ihren Freund getötet und dessen Liebhaber verletzt haben soll, lässt der Film in der Schwebe. Stattdessen konzentriert er sich auf den Alltag im Knast, wie Kinder darin mit aufwachsen und wie Julia später um ihren Sohn kämpfen muss.

Kein Ausweg aus der Hölle auf Erden

Einen Ausweg oder eine Aussicht auf Flucht wie in «Leonora» ließ Ari Folman in der irdischen Hölle seines Wettbewerbsbeitrags «Waltz with Bashir» hingegen gar nicht erst nicht zu. Im ersten Libanonkrieg in den Achtzigern war Folman Soldat und ist nun seiner eigenen verlorenen Erinnerung an ein Massaker auf der Spur. Die Form, die der Regisseur dafür gewählt, ist ungewöhnlich: Folman selbst bezeichnet «Waltz with Bashir» als einen animierten Dokumentarfilm. «Erinnerung ist dynamisch», heißt es im Film. «Man füllt die Löcher einfach mit Dingen, die nicht passiert sind.» Während die zuvor gefilmten Gespräche nachgezeichnet wurden, hat er – weil es so gut wie kein Archivmaterial zu den Ereignissen gibt – die Erinnerungen mit surrealen Kriegsimpressionen mit finsterer Kraft visualisiert, in dem Jungsoldaten hilflos um sich schießen und sich getötete Zivilisten in Flüchtlingslagern stapeln.

Am völlig anderen Ende des Animationsspektrums bewegte sich hingegen der harmlose Dreamworks «Kung Fu Panda». Ein dicker, fauler und verfressener Tollpatsch-Panda, der die asiatischen Kampfkünste deutlich mehr liebt als die Arbeit im Nudel-Restaurant seines Vaters, soll der Auserwählte sein: der Drachen-Krieger, der sich dem Endkampf mit dem gefährlichen Schneeleoparden Tai Lung stellen muss. Der Weg dahin führt zwar über die banale Erkenntnis, dass man aus seinen Schwächen Stärken machen sollte. Für eine kurze Außer-Konkurrenz-Aufhellung war «Kung Fu Panda» aber dennoch gut geeignet. Die nächsten Leinwandverdunkelungen mit Kindesentführung, unheilbaren Krankheiten und dem brutalen System der neapolitanischen Mafia stehen schließlich schon auf dem Programm.
 
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