Filmfestspiele Cannes werden eröffnet:
Eine kräftige Dosis Glamour, bitte!
Nun aber, vierzig Jahre später, werden sie beim Festival, das am heutigen Mittwoch mit Fernando Meirelles Bestseller-Adaption «Blindness» mit Julianne Moore in seiner 61. Ausgabe startet, in der Reihe «Cannes Classics» einen zweiten Auftritt bekommen wenn natürlich auch ohne nachträgliche Preisvergabe. Die Chance auf die Goldene Palme bleibt den 22 aktuellen Wettbewerbsbeiträgen vorbehalten, unter denen die Jury mit Sean Penn als Präsident und weiteren Mitgliedern wie Natalie Portman oder Alexandra Maria Lara am 25. Mai die Auszeichnungen verteilen werden.
Mal bietet der Wettbewerb dabei politische Brisanz wie in Matteo Garrones Verfilmung von «Gomorrah», dem Sachbuch-Bestseller von Roberto Saviano. Mal rollt Ari Folman den ersten Libanonkrieg der 80er Jahre als Animationsfilm auf. Oder es wird das harte Schicksal chinesischer Fabrikarbeiter in Jia Zhangkes «24 City» thematisiert.
Allerdings feiert der Film seine Premiere erst am undankbaren letzten Wettbewerbstag. Wird «The Palermo Shooting» damit vielleicht zum Ende hin versteckt? Oder beschert er dem Festival zum Schluss noch einmal einen letzten Höhepunkt? Ein weiterer deutscher Filmemacher wurde nur in die Nebenreihe «Un Certain Regard» eingeladen. Andreas Dresen («Sommer vorm Balkon») erzählt in «Wolke 9» von der frischen Liebe einer Mittsechzigerin.
Außer Konkurrenz dürfen die Amerikaner aber einmal mehr dem Festival eine großzügige Glamourinjektion verpassen. Woody Allen setzt mit «Vicky Cristina Barcelona» seine Euro-Dreh-Tour fort, die ihn nach drei London-Abstechern nun für eine leichte Liebeskomödie mit Scarlett Johansson, Javier Bardem und Penelope Cruz nach Spanien geführt hat. Und die Tiere-machen-Martial-Arts-Animation «Kung Fu Panda» bringt prominente Synchronsprecher wie Jack Black und Dustin Hoffman an die Côte dAzur.
Vor allem aber die Weltpremiere von Steven Spielbergs «Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels» wird die Croisette sicherlich in den Ausnahmezustand versetzen. Lange wurde im Vorfeld spekuliert, ob das Festival mit dem Vielleicht-viel-zu-alt-Indy Harrison Ford oder mit dem nun letztlich doch nicht auf die Cannes-Publicity-Plattform gehievten «Sex and the City»-Film starrummelig eröffnet werden würde. Letztlich aber entschied sich Festival-Chef Frémaux für Meirelles «Blindness». Zur Einstimmung also ein deprimierendes Drama über eine Epidemie, bei der die Bewohner einer ganzen Stadt erblinden? Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Film nicht als Stimmungsbarometer für die nächsten zehn Wettbewerbstage herausstellt.

