Agent der Schleichwerbung: 

netzeitung.deDie Marke heißt Bond

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Natürlich fährt James Bond markenbewusst Aston Martin (Foto: Sony<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Natürlich fährt James Bond markenbewusst Aston Martin
Foto: Sony
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Er trägt Omega-Uhren, fährt immer eine namhafte Automarke und ist seit mittlerweile 22 Filmen der Agent mit der Lizenz zum Schleichwerben. Auch «Ein Quantum Trost» ist wieder ein erfolgreiches Beispiel von Product-Placement.

Sie kennen sich noch nicht lange, aber sie reden schon über Marken. Als sich Daniel Craig und Eva Green als James Bond und Vesper Lynd im letzten 007-Film «Casino Royale» das erste Mal begegneten, charakterisierten sie sich gegenseitig auch über ihre Accessoires.

Der MI6 suche doch «ehemalige SAS-Typen mit schlichtem Lächeln und teuren Uhren», meint Lynd und fragt dann: «Rolex?» Woraufhin Bond mit dem Hauch eines Lächelns, aber ohne mit der Wimper zu zucken antwortet: «Omega». Er hätte auch hinzufügen können: «Aber erst seit 14 Jahren. Früher habe ich Seiko, Breitling und auch Rolex getragen, aber seit 'Golden Eye' bin ich zu Omega gewechselt.»
Was Bond anzieht,trägt und fährt, ist Teil der Figur
Und seine Uhr, so könnte die Unterhaltung weitergehen, sei nicht der einzige Markenartikel, auf den er Wert lege: Auch bei Handys, Laptops, Wodka und Autos schwöre er auf «seine Marken». «Und diese Exklusivität stört niemanden?», fragt Vesper ungläubig. «Nein», antwortet Bond auf seine unnachahmlich coole Art. «Schließlich bin ich selbst längst eine Marke.»

Die mittlerweile 22 James-Bond-Filme, denen ab 6. November mit «Ein Quantum Trost» ein 23. hinzugefügt wird, gelten weltweit als das erfolgreichste Beispiel von Product-Placement in der Filmwirtschaft überhaupt - vor allem deshalb, weil sich das Publikum an den doch manchmal ziemlich dreisten Produktplatzierungen kaum zu stören scheint. Im Gegenteil. Was Bond anzieht, trinkt und fährt ist genauso Teil der Figur wie die Frauen und das musikalische Thema.
Schleichwerbung schon in den 30ern
Schleichwerbung im Film hat eine lange Tradition, auch wenn sie nicht immer so dominant war wie heute. In den Anfangstagen des Kinos waren es eher die
Produzenten, die auf die Firmen zukamen. Dabei ging es noch nicht so sehr um bezahlte, in Filme eingebaute Werbung, als vielmehr um einen Austausch von Gefälligkeiten und Aufmerksamkeit: Warner Bros. brauchte für die Gangsterfilme der 30er Jahre gut aussehende Autos, die Firma Buick stellte sie dem Studio gerne kostenlos aufs Gelände. Coca-Cola bewirtete Besetzung und Crew in Drehpausen mit so viel Erfrischungsgetränken wie gewünscht, wenn die Stars sich im Gegenzug auch im Film mal eine braune Brause gönnten.
Umsatz von Bonbons nach «E.T.» gesteigert
Zum festen Standbein im Filmgeschäft wurde Product-Placement erst Ende der 60er Jahre. In den 70ern etablierten sich dann die ersten Agenturen, die Kundenfirmen die Platzierung ihrer Produkte in einer bestimmten Anzahl von Filmen garantierten. Berühmtestes Beispiel für den Erfolg der Methode bleibt bis heute Steven Spielbergs 1982 gedrehter «E.T. Der Außerirdische». Dort lockt der Junge Elliott seinen zukünftigen Freund vom anderen Stern mit einer Spur aus den Schokobonbons «Reece's Pieces» auf seine Terrasse. Der Umsatz stieg nach Kinostart des Films kräftig an, einigen Quellen zufolge um bis zu siebzig Prozent.

In Hollywood kommt heute kaum ein Film ohne Product-Placement aus. Bei den immer größer werdenden Budgets für Produktion und Marketing ist die «trojanische» Form der Werbung eines der wichtigsten Finanzierungsstandbeine geworden. Beim vorletzten Bond-Film «Stirb an einen anderen Tag» bezahlten die 20 Marketingpartner insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar für eine Platzierung. (Alexander Gajic, epd)