netzeitung.de«Ich würde Bohlen nie als Asi bezeichnen»

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'In Deutschland werden Talente nicht gefördert' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'In Deutschland werden Talente nicht gefördert'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sein Ausstieg bei «DSDS» brachte seiner Band Empty Trash den großen Durchbruch. Julia Wilczok sprach mit Max Buskohl und Gitarrist Stefan Kull über gläserne Popstars, Bohlen, Jugend, Rebellion und Sex.

Wer weiß, ob Empty Trash ohne Max Buskohls Teilnahme bei «Deutschland sucht den Superstar» so bekannt wäre, wie die Band es mittlerweile ist. Wahrscheinlich nicht, denn erst nach seinem Ausstieg aus der Castingshow avancierte Buskohl zum Medienliebling, Empty Trash bekamen einen Plattenvertrag, und die Fangemeinde der fünf Berliner wuchs rasant.

Er wolle lieber sein eigenes Ding machen und mit seiner Band spielen, als die Songs anderer zu singen, begründete der 18-Jährige damals seinen Ausstieg. Das tat er dann auch, mit Erfolg: Ende November veröffentlichten Empty Trash ihr Debütalbum «Confession», das von The Hives-Produzent Pelle Gunnarfeldt abgemischt wurde. Die Deutschlandtour startet am kommenden Wochenende.

Zum Interview, das übrigens auf einem plüschigen Hausboot auf der Spree stattfindet, erscheint Buskohl zusammen mit Leadgitarrist Stefan Kull.

Netzeitung.de: Nach Max' Ausstieg bei «DSDS» wart ihr ja erstmal gesperrt...

Max Buskohl: Genau, für drei Monate. Der Exklusiv-Vertrag ist im August zu Ende gegangen. Interviews durfte ich geben, aber ich musste vorher fragen, ob ich die machen darf.

Netzeitung.de: Als ihr gehört habt, dass Max bei «DSDS» mitmacht, was hat der Rest der Band da gedacht?

Stefan Kull: Wir waren schon überrascht, weil niemand erwartet hätte, dass ein Typ wie Max zu einer Castingshow geht. Weil es was ganz anderes war, als das, was wir sonst gemacht haben. Mit uns schreibt er seine Texte immer selbst, und auf einmal war er in einer Show drin, wo er die Lieder anderer gesungen hat. Das war schon komisch. Aber nachdem wir ihn dort das erste Mal gesehen haben, hat das schon Spaß gemacht, und wir haben ihn unterstützt.

Netzeitung.de: Hast du die Show regelmäßig geschaut?

Kull: Das erste Mal war es richtig schwer, das zu gucken. Ich hatte das davor nie wirklich gesehen. Es ist schon komisch, wenn du den Sänger deiner Band im Fernsehen siehst, und du bist nur einer von Tausenden, die das gucken. Jetzt habe ich die Frage vergessen... ich rede immer so viel. [lacht]

Netzeitung.de: Habt ihr denn nicht vielleicht auch gedacht, «das ist unsere große Chance»?

Kull: Das war nicht der primäre Gedanke. Aber wir haben ja gesehen, dass er immer weiter und weiter kommt in der Show. Das haben wir einfach nicht erwartet. Max wurde immer populärer, und die Views auf unserer Bandhomepage sind überdurchschnittlich angestiegen. Da haben wir erst realisiert, was da ins Rollen kommt. Zuerst dachten wir nur, das ist so ein Max-Projekt. Aber als dann die positive Resonanz auf die Band kam, haben wir uns schon sehr gefreut, dass vielleicht in Zukunft ein paar Leute mehr zu unseren Konzerten kommen.

Netzeitung.de: Die Teilnahme bei «DSDS» ist aus einer Wette entstanden, richtig? Konntest du auch Positives daraus ziehen?

Buskohl: Ich würde nie über Castingshows lästern, weil ich da wirklich viel gelernt habe. Ich hatte da zum ersten Mal Gesangsunterricht, ich hab mich musikalisch weiterentwickeln können und zum ersten Mal Songs von anderen Bands gecovert. Ich konnte meinen eigenen Stil entwickeln. Das ist das Wichtigste, sonst ist man nur ein Imitator.

Netzeitung.de: Was war das Schlimmste, das Dieter Bohlen mal zu dir gesagt hat?

Buskohl: In der Show selbst gab es eigentlich keine Kritikpunkte, die Dieter Bohlen erwähnt hat. Bei den ersten drei Shows fand er mich ganz gut, und dann kam irgendwann ein Interview von mir, das so zusammen geschnitten wurde, als hätte ich gesagt, dass Dieter Bohlen asi ist. Danach hat sich seine Meinung über mich geändert. [lacht] Daraufhin hat er gesagt, dass er sowieso kein Fan von Elvis [Presley] ist, und da war er mir sofort unsympathisch.

Netzeitung.de: Wenn du ihm jetzt über den Weg laufen würdest, wie würdest du reagieren?

Buskohl: Ganz neutral. Vor Monaten habe ich mit ihm kurz geredet, weil Mark Medlock mich dazu überredet hat, ans Telefon zu gehen, und da habe ich einfach nur gesagt, «Tach, wie geht's?». Das war ganz okay. Ich kannte ihn ja nie persönlich, und ich würde ihn auch nie als Asi bezeichnen, dazu hätte ich gar nicht das Recht.

Netzeitung.de: Ist Dieter Bohlen wirklich so schlimm, wie das im Fernsehen rüberkommt? Oder muss dazu die Kamera an sein?

Buskohl: Er kam immer nur zur Show. Nicht so wie Anja Lukaseder oder Heinz Henn [«DSDS»-Jury-Mitglieder], die auch bei den Proben dabei waren, was ja viel cooler war, weil die uns auch Tipps geben konnten.

Das Härteste, was ich mal erlebt habe war, dass Dieter Bohlen auf der Bühne stand und mir ein Kompliment gemacht hat, aber im selben Moment einen anderen gedisst hat. Ich glaube, es waren die Enz-Brüder [die Kandidaten Jonathan und Thomas Enz], die er da in den Dreck gezogen hat. Sowas ist ganz schön eklig. Du wirst quasi als Werkzeug benutzt, um andere zu kränken.

Netzeitung.de: Könntet ihr euch vorstellen, mal auf der anderen Seite zu sitzen – als Jury?

Buskohl: Ich fänd's ganz lustig.

Kull: Ach nee, das wäre überhaupt nichts für mich! Wenn es zum Beispiel um den Gesang ginge, wäre ich einfach der Falsche, darüber zu urteilen.

Netzeitung.de: Aber die Leute, die zum Teil in diesen Jurys sitzen, sind auch nicht immer die Kompetentesten.

Kull: Gut, aber die haben sich dafür entschieden. Es ist einfach schwierig, darüber zu urteilen, ob jemand Talent hat oder nicht, denn ein Talent kann ja auch noch ausgebaut werden, sich entwickeln. Man bekommt da nur eine Momentaufnahme mit.

Buskohl: Mein Vater ist jetzt bei «TV Total» in der Jury, und das ist ganz cool. Hauptsache, die Jury urteilt fair. Wie zum Beispiel bei «American Idol» oder «Pop Idol», da sind die Urteile gerechtfertigt. Dafür kommen die Sieger da aber auch meistens ganz groß raus. Die werden anerkannt als Musiker, das ist hier nicht so. Die Talente werden in Deutschland einfach nicht so gefördert - wie bei einer Francisca Urio. Es [«DSDS»] ist keine Musiksendung mehr, sondern reines Entertainment. In Amerika gibt ein Stevie Wonder den Teilnehmern Tipps, in Deutschland würde nie etwa ein Herbert Grönemeyer in so eine Show gehen, bei der Dieter Bohlen in der Jury sitzt. Ich weiß nicht, wie Bohlen es geschafft hat, sich so einen Namen zu machen.

Netzeitung.de: Du warst mit deiner Familie in der Sendung «We are Family». Ist Dir so was nicht zu intim, wenn Millionen Zuschauer dein Schlafzimmer sehen? Es sei denn, alles war Fake.

Buskohl: Das war nicht der Fall, obwohl man uns dazu geraten hat, ein anderes Apartment zu nehmen. Ich habe sogar mal gehört, dass die das bei «MTV Cribs» machen. [lacht] Das war schon komisch. Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht machen würde. Man muss sich da selbst treu bleiben. Eine Szene, in der mein Vater und ich Fischen gehen, würde ich zum Beispiel nicht machen.

Netzeitung.de: Wenn man vom gläsernen Popstar ausgeht, wo liegen da die Grenzen? Wie viel gibt man preis? Passiert es nicht schnell, dass man zu viel erzählt?

Buskohl: Doch manchmal. [lacht] Da muss man aber drüber stehen.

Netzeitung.de: Nervt es nicht, ständig auf der Straße erkannt zu werden?

Buskohl: Man merkt einfach, wenn Leute einen erkennen. Sie schauen hin, schauen kurz weg, tuscheln mit ihrem Partner und sehen dann wieder hin. Da kriegt man schon mal Paranoia. Besonders in halligen Räumen, da hört man es überall von den Wänden: «Max, Max, Max». Ahhhh! [lacht] Eklig ist nur, wenn du hörst, dass sie die ganze Zeit sagen «Geh doch hin!». Bleibt man dann stehen oder geht man weiter? Keine Ahnung.

Netzeitung.de: Und wenn Du neue Leute kennen lernst? Die habe ja Vorbehalte.

Buskohl: Das Problem ist einfach, wenn Leute mich fragen, was ich in letzter Zeit erlebt habe, und wenn ich dann antworte, kommt es immer so rüber, als ob ich angebe mit dem, was ich tue. Und wenn ich nicht darüber rede, kaufen sie es mir auch nicht ab.

Netzeitung.de: Max, dein Vater ist selbst Musiker, aber wie gehen die Eltern von euch anderen mit eurem Erfolg um? Wollen die nicht, dass ihr «was Anständiges» macht?

Kull: Ich hatte sehr viel Stress, als es mit der Band richtig losging, weil ich gerade im letzten Schuljahr war. Ich hatte einfach komplett das Interesse an der Schule verloren. Die anderen hatten es auch nicht leicht.

Netzeitung.de: Apropos Eltern, bei «We are Family» gab es diese Auseinandersetzung zwischen Max und seinem Vater. Es ging darum, dass du in deinen Songs nicht politisch sein willst. Siehst du das immer noch so?

Buskohl: Der Streit war wirklich echt. Aber es war komisch, dass die Kamera dabei war, und wir aufgefordert wurden, uns noch ein bisschen weiter zu streiten.

Netzeitung.de: Du lenkst von der Politik ab.

Buskohl: Ich schreibe nicht darüber, weil ich erst 18 bin und es noch andere Themen gibt, die mich interessieren. Ich möchte kein Statement darüber abgeben, was ich für richtig halte. Mit einer Meinung kann man sich schnell zum Feind machen, und ich denke, dass eine Meinung auch erst akzeptiert wird, wenn man älter ist. Es werden mehr Leute darüber nachdenken, wenn sich Bruce Springsteen über irgendetwas beklagt, als wenn ich das tue.

Ansonsten bin ich ein Riesenfan von Glamrock-Texten. Die verkörpern einfach Spaß am Leben, Jugend, Rebellion und Sex. Ich glaube, mit 18 sollte man Spaß am Leben haben und keine depressiven Texte schreiben.

Netzeitung.de: Stefan Raab hat nach dem «DSDS»-Ausstieg diese «Freiheit für Max Buskohl»-Aktion gestartet. Da gab es eine Fotomontage im RAF-Stil... Findest ihr, Raab ist damit zu weit gegangen?

Buskohl: Erstmal fand ich's lustig, aber es war schon etwas zu extrem. Das wurde auch ganz schön von der «Bild»-Zeitung aufgebauscht. Aber letztendlich war es einfach ein Gag.

Kull: Schlimmer wäre es gewesen, wenn es jemand anderes als Stefan Raab gemacht hätte. Von ihm erwartet man so was.

Netzeitung.de: Nervt es euch eigentlich, dass Max immer im Mittelpunkt steht?

Kull: Das empfindet jeder von uns anders. Manche würden wohl auch gerne vorne stehen. Aber es muss in einer Band auch die geben, die sich eher im Hintergrund aufhalten. Max hat einfach diese Aura – er ist groß, hat lange Haare, sieht gut aus. Er hat einfach mehr Präsenz als zum Beispiel Julius. [Beide lachen] Es ist schon richtig, dass Max vorne steht.

Netzeitung.de: Wir haben noch gar nicht über das neue Album «Confession» gesprochen. Wie hört sich das an?

Buskohl: Es ist sehr vielfältig und gitarrenlastig. Von The Killers bis zu The Cure, da steckt alles drin. Wobei Moment, die liegen ja gar nicht so weit auseinander... [lacht] Lass mich lieber sagen, von The Killers bis Led Zeppelin. Und es gibt zwei Balladen.

Netzeitung.de: Zum Schluss noch eine Klischee-Frage: Wo seht ihr euch in 20 Jahren?

Buskohl: Hauptsache auf der Bühne.

Kull: Und mit 14 Töchtern in der ganzen Welt!

Mit Max Buskohl und Stefan Kull sprach Julia Wilczok.