Sportfreunde Stiller: «Scholl muss rein!»
16.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Netzeitung: Wer soll denn spielen in der deutschen Mannschaft?
Florian Weber: Mit dem Lehmann, das war richtig. Nach sportlichen Gesichtspunkten gehört der ins Tor.
Peter Brugger: Im großen und ganzen sind schon die richtigen Spieler dabei. Andere hat der Klinsmann nunmal nicht.
Rüdiger Linhof: Scholl muss rein. Immer so für die letzte halbe Stunde.
Florian Weber: Lehmann und Kahn war das kleinste Problem, die sind beide stark. Der Sturm ist auch okay. Die Abwehr macht uns Sorgen.
Florian Weber: Aber vergleich mal Kohler und Buchwald mit Friedrich oder Huth.
Peter Brugger: Benny Lauth sollte nachnominiert werden.
Rüdiger Linhof: Vergiss es, Neuville kommt mit, auch wenn ich den nicht mag.
Florian Weber: Aber vergleich mal Kohler und Buchwald mit Friedrich oder Huth.
Peter Brugger: Benny Lauth sollte nachnominiert werden.
Rüdiger Linhof: Vergiss es, Neuville kommt mit, auch wenn ich den nicht mag.
Weber: Auf Italien halte ich keine großen Stücke. Okay, Argentinien, Brasilien, die üblichen so.
Brugger: Die deutsche Mannschaft kann sich nur selbst besiegen.
Weber: Rüde, wie schätzt du Tschechien ein?
Linhof: Stark.
Brugger: Du, Rüde, ich finde das echt so geil, dass du dabei bist bei diesem ganzen Schmarrn.
Linhof: Nedved finde ich toll. Der sieht aus wie ein junger Prinz.
Netzeitung: Dreht sich denn jetzt jedes Lied auf der neuen Platte um Fußball?
Linhof: Im weitesten Sinne. Die ersten zwei Lieder sind die klarsten im Sinne von Gewinnen und Verlieren. Ansonsten geht es um das Spiel an sich, um den perfekten Pass, das völlig Aufgehen im Spiel im Regen, eine Liebeserklärung an den Ball an sich. Manchmal geht es auch nur um die falsche Haartracht. Oder um mich: ich musste halt Tischtennis spielen.
Netzeitung: Wieso musste?
Weber: Rüdes Eltern hatten ihm verboten, den Proletariersport auszuüben. Neben uns war der ESV Laim, da waren immer so die Schlägertypen, die rohen Kerle, die frech waren zu den Eltern, Da haben wir dann Tischtennis gespielt. Aber auch nie im Verein.
Brugger: Ich habe damals das Tischtennis-Turnier gewonnen im Schullandheim. Damals durfte ich dann gegen den Mathelehrer antreten.
Netzeitung: Auf der letzten Platte waren ja auch Songs mit Fußball-Anklang wie «Ich Roque». Ist das nun die logische Konsequenz?
Brugger: Ach, «Ich Roque» oder «Lauth anhören» sind keine Fußball-Songs. Das sind eher Hommagen an Roque Santa Cruz und an Benny Lauth. Ich will nicht orakeln, aber seitdem Benny uns im Studio in Hamburg besucht hat, seitdem trifft er wieder.
Weber: Aber zurück zur Platte: Der rote Faden, der sich durch unsere Musik zieht, gipfelt nun in «You have to win Zweikampf». Zugleich ist der durchtrennt. Über Fußball machen wir so schnell nichts mehr, aber ich finde, dass wir uns sehr vielseitig dem Thema nähern.
Netzeitung: Seit wann war für Sie klar, dass Sie ein WM-Konzeptalbum machen wollen?
Weber: Seit sechs Jahren reden wir darüber, den ultimativen WM-Song aufzunehmen. Akut wurde das Anfang 2005, als so die Fragen kamen «Was ist denn jetzt?» Da hatten wir erst null Bock, aber im Herbst haben wir uns hingesetzt, und da kam uns dann eine Idee nach der anderen. Wir fingen an, uns richtig damit zu beschäftigen und kriegten voll Bock drauf.
Netzeitung: Ist so eine Platte einfacher zu machen?
Linhof: Wir hatten zumindest einen Anhaltspunkt, eine Richtschnur. Die Herangehensweise war einfacher, weil wir Orientierung hatten. Das war ja auch wirklich interessant, dieses Thema aus den unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. «Dem Fritz sein Wetter» ist zum Beispiel aus Sicht des Aktiven geschrieben: Fußball im Regen ist einfach geil, da kannst du viel mehr laufen. Selbst meine Freundin, die einen Ball höchstens fangen kann, fühlt sich bei «Fritz» beflügelt.
Netzeitung: Was ist denn der Unterschied zwischen einem regulären Sportfreunde-Album und diesem hier?
Weber: Eigentlich ist es auch wurscht. Entweder es wird gefallen oder es wird nicht gefallen. An «Zweikampf» sind wir halt lockerer rangegangen, wir standen nicht so unter Druck.
Netzeitung: Wie wer?
Weber: Wir sonst.
Linhof: Oder unsere Mannschaft.
Netzeitung: Haben Sie das zeitlich denn überhaupt hingekriegt? Die Zweitbands Bolzplatz Heroes und Tip Top sind ja auch noch ganz frisch.
Brugger: Es war schon happig. Es ist vieles so zwischen verschiedenen Türen und Angeln entstanden.
Netzeitung: In der Single «54, 74, 90, 2006» singen Sie, unser Team werde das Land aus der Depression führen. Glauben Sie das wirklich?
Linhof: Wir sind tatsächlich davon überzeugt, dass ein Ruck durchs Land geht, falls Deutschland da erfolgreich agiert.
Brugger: Was aber auch zu hinterfragen ist. Aber naja, wenn die Mannschaft zusammenrückt und sich mit dem üblichen Dusel da durchhangelt, dann kann die Stimmung schon zum Guten hin kippen. Allein, dass so viele Länder jetzt auf Deutschland schauen, bewegt schon viel.
Brugger: Also uns würde eine gelungene WM wahrscheinlich die Karriere retten. Wir setzen ja alles auf diese Karte.
Netzeitung: Wie weit kommen unsere Jungs denn wirklich?
Weber: Bei einem großen Turnier hat unsere Mannschaft drei Mal bewiesen, dass sie es kann. 1954 war ein Wunder, 1974 war auch glücklich, und wer hätte vor vier Jahren denn gedacht, dass Deutschland ins Finale kommt. Klar, wir haben nicht so gegen die Hammermannschaften gespielt, aber auch diese Mannschaften, gegen die wir dann gewonnen haben, die konnten sich gegen Teams wie England oder Italien durchsetzen.
Brugger: Wenn Mehmet Scholl noch nachnominiert wird, dann ist vieles möglich.
Netzeitung: Da machen Sie aber jetzt künstlich einen auf Optimismus.
Linhof: Scheiße, du hast uns durchschaut.
Brugger: Aber ich glaube wirklich, dass es gut läuft, wenn unsere die ersten beiden Spiele gewinnen.
Das Interview führte Steffen Rüth

