netzeitung.deShakira: «Ich bin echt schüchtern»

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Shakira (Foto: Promo<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Shakira
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kaum eine Sängerin verbindet Sinnlichkeit und Unschuld so gekonnt wie Shakira. Mit der Netzeitung sprach sie über ihr neues Album, Liebe und Leidenschaft, Kolumbien und den Kampf gegen die Armut. Bilderschau: Sinnlich mit rockiger Musik: Shakira

Erst im Juni brachte die kolumbianische Sängerin ein spanischsprachiges Album auf den Markt, nun kommt sie mit der englischen Fortsetzung, «Oral Fixation Vol 2». Anfang November stellte Shakira ihre neue Single vor - und erklärte Netzeitungs-Mitarbeiter Steffen Rüth, warum sie es so eilig hat.

Netzeitung: Shakira, in «Your embrace» singen Sie Zeilen wie »I hope it is never too late to say I love you« (»Ich hoffe, es ist nie zu spät, dir zu sagen, dass ich dich liebe«). Hat Ihr Freund Antonio sich gefreut?

Shakira (kichert): Huh. Ja. Der Song ist eine persönliche Hymne. Eine Ode an die Liebe.

Netzeitung: Als Sie Ihr erstes englisches, 2002 erschienenes, Album »Laundry Service« geschrieben haben, waren Sie erst kurz mit Antonio de la Rua zusammen. Inzwischen sind es fünf Jahre. Wie hat das Ihre Liebeslieder verändert?

Shakira: Bei »Laundry Service« drehte sich viel um meine Begegnung mit der Liebe. Um dieses ungläubige Staunen, tatsächlich jemanden gefunden zu haben, der dich nicht belügt, der aufrichtig ist und dich wirklich liebt.

Netzeitung: Das Staunen ist vorbei? Und der Alltag eingekehrt?

Shakira: Ich staune und liebe ihn noch immer. »Your embrace« schreibt diese Geschichte praktisch weiter. Fünf Jahre sind eine lange Zeit.

Netzeitung: Sie sind noch nicht verheiratet?

Shakira: Nein, wir haben noch nicht geheiratet.

Netzeitung: Wie sieht denn die Planung aus?

Shakira: Nun ja, zunächst mal würde es helfen, wenn Antonio mich fragt.

Netzeitung: Oh.

Shakira: Aber er weiß halt auch, dass das im Moment nicht drin ist. Meine Idee von einer Hochzeit ist wahnsinnig kitschig. Ich will im weißen Kleid den Gang runterlaufen, überall Blumen, ganz viele Gäste. Das ist der Traum einer 50-jährigen, nicht einer 20-jährigen Frau.

Netzeitung: Und wie möchten Sie als 28-jährige Frau heiraten?

Shakira: Falls wir das machen, dann wird das ein gigantisches Riesenfest. Seine Familie, meine Familie, es wäre ein unglaubliches Spektakel. Antonios Vater Fernando ist der ehemalige Staatspräsident von Argentinien, man sagt, wir sind das am meisten von Paparazzi fotografierte Paar Südamerikas. Im Moment hätten wir beide keine Lust, uns den Stress einer solchen Megahochzeit anzutun.

Netzeitung: Aber zusammenbleiben wollen Sie schon?

Shakira: Oh, ja. Ich hoffe, ich werde alt mit dem Mann, den ich liebe. Mit Antonio. Dieser Traum hat sich überhaupt nicht verändert.

Netzeitung: Wie sieht es mit Kindern aus?

Shakira: Sofern kein Meteorid auf die Erde fällt, werde ich eines Tages Kinder haben. In ein paar Jahren.


Netzeitung: In einem anderen Lied, «Something» kommt die Zeile vor «Du bist der beste Küsser, den ich je erlebt habe». Wer ist gemeint?

Shakira: (lacht): Sie machen mich wahnsinnig. Auch Antonio natürlich. Ich muss hier ständig meine Liebeslieder erklären. Mann. Jetzt bin ich wirklich ein bisschen verlegen. Ich kann viel besser Songs schreiben als darüber reden.

Netzeitung: War Ihr Freund denn sehr geschmeichelt?

Shakira: Das will ich hoffen. Er sollte es auf jeden Fall besser sein.

Netzeitung: Sie sind ja richtig schüchtern.

Shakira: Definitiv. Das glaubt nie jemand.

Netzeitung: Hätte ich auch nicht gedacht.

Shakira: Ich bin schon eine sehr selbstbewusste Person, jedenfalls, was meine Musik angeht. Da weiß ich immer, was ich will und kann meine Meinung auch offensiv, manchmal stur, vertreten. Mit Musik kenne ich mich aus, das kann ich gut. Aber was Liebe und Beziehung und diese Dinge angeht, da bin ich auch bloß ein Mädchen wie jedes andere auch. Manchmal unsicher, manchmal überglücklich, dass es da jemanden gibt, der mich liebt.

Netzeitung: In der Karriere weiß man, was passiert. In der Liebe nicht.

Shakira: Stimmt. Obwohl: Stimmt doch nicht. Auch in meiner Karriere hatte ich über die Jahre immer starke Zweifel an mir selbst. Ob ich es wirklich packe, ob ich erfolgreich bin, ob ich wirklich soviel Talent habe. Diese Zweifel sind aber wichtig, denn sie machen dich besser.

Netzeitung: Jetzt veröffentlichen Sie mit «Oral Fixation Vol.2» Ihr zweites Album innerhalb von fünf Monaten. War das wirklich so eine gute Idee? Sie hätten es ja auch entspannter haben können?

Shakira: Entspannter kann man es immer haben, aber es war mein Impuls, dem ich gefolgt bin. Ich hätte keine Lust, nun ein oder anderthalb Jahre mit der Veröffentlichung zu warten.

Netzeitung: Sie probieren auch auf der neuen Platte wieder viel aus, sogar Punkrock und Elektronik.

Shakira: Musik ist so ein wahnsinnig reichhaltiger Garten. Ich will einfach immer mitten rein springen und überall probieren, schmecken und riechen und tasten. Ich bin eine Arbeiterin im Dienste der Musik.

Netzeitung: Als vor vier Jahren «Laundry Service» erschien, hielten Sie viele noch für eine kolumbianische Ausgabe von Britney Spears. Hat Sie das gestört?

Shakira: Ja, etwas. Aber das war ja auch verständlich. So denkt man eben als Pophörer, denn so ist man es ja auch gewöhnt. Aber ich war immer schon ein bisschen zu ehrgeizig und ein bisschen zu bissig, um mich in Schablonen pressen zu lassen.

Netzeitung: In Ihren letzten Hit «La tortura» haben Sie bauchgetanzt, nun auf der neuen Single «Don’t bother» rocken Sie richtig im Video. Was macht denn mehr Spaß?

Shakira: Beides macht Spaß. Rocken und tanzen. Schon seitdem ich ein kleines Kind bin, liebe ich es zu tanzen. In meiner Heimatstadt, in Barranquilla, gibt es einen riesigen Kult rund ums Tanzen, der mich bestimmt auch künstlerisch beeinflusst hat. Andererseits: Als ich 15 war, verliebte ich mich in den Rock 'n' Roll. Ich entdeckte bei meinen Eltern die Platten von Led Zeppelin und von Black Sabbath und fand das alles einfach nur geil.

Netzeitung: Und was liegt Ihnen persönlich näher?

Shakira: Beides. Wirklich. Es ist nicht so, dass ich meinen Wickelrock ausziehe, die Lederjacke an und sage «So. Für zwei Monate ändere ich mein Image und auf meiner nächsten Single bin ich mal die Rockerbraut.»

Netzeitung: Diese Art Sängerin gibt es aber auch.

Shakira: Da bin ich mir sicher. Aber ich bin halt kein Marketingkonzept, sondern ich folge meiner Leidenschaft. Oder besser gesagt: meinen unterschiedlichen Leidenschaften. Ich bin ein Eine-Frau-Schmelztiegel, ein Cocktail aus Interessen.

Netzeitung: Wie kann ich mir den Tanzkult in Barranquilla vorstellen?

Shakira: Wir tanzen jedes Jahr drei Monate am Stück. Im Dezember fängt schon der Vorkarneval an, alle kommen auf der Straße zusammen und feiern, dazu spielen wir unsere Folkloremusik. Dann ist im Februar der eigentliche Karneval. Und anschließend sind die Leute immer noch in Stimmung. Ich bin also in einer sehr, sehr fröhlichen Stadt zur Welt gekommen.

Netzeitung: Alles, was wir hier in Europa von Kolumbien mitbekommen, also die ständigen Morde, der seit vier Jahrzehnten andauernde Kampf zwischen Marxisten und Militärs und die Macht der Drogenkartelle, ist sehr negativ. Wie erklärst du dir den Kontrast zwischen deiner Schilderung und dem Leben auf der Straße von Barranquilla.

Shakira: Es gehört zusammen. Natürlich: Was in meinen Land passiert, ist eine andauernde Tragödie, die mal etwas besser, mal etwas schlimmer ist, aber einfach nicht verschwindet. Auf der anderen Seite stehen die Menschen mit ihrer Freude und ihrem Glück, am Leben zu sein. Alle Kolumbianer sind von Gewalt umgehen, aber diese Gewalt dringt eben nicht in ihre Herzen vor.

Netzeitung: Wenn die Leute so friedlich und freudig sind, warum ist dann seit 40 Jahren Krieg?

Shakira: Das ist schon paradox. Eine große Rolle an der ganzen Situation spielt natürlich die enorme soziale Ungerechtigkeit. Kolumbien ist ein Land, in dem nur einige wenige Familien eine gigantische Macht geerbt haben. Die Lücke zwischen arm und reich ist riesig. Viele Kids gehen gar nicht zur Schule, ihre Grundbedürfnisse sind kaum gedeckt.

Aber dennoch: Ich war in den ärmsten, abgelegensten Ecken meines Landes. Die Kinder können nicht lesen und nicht schreiben, aber sie spielen Fußball in den Straßen und sie lächeln. Diese Kinder haben Träume, trotz ihrer miesen Situation. Sie denken, dass sie es eines Tages schaffen, ihre Träume zu verwirklichen. Bloß: Damit das klappt, müssen sie gesundes Wasser, gesundes Essen und Schulbildung haben.

Netzeitung: Wie war das denn bei ihrem Traum? Sie kommen ja auch aus keiner Reicheleute-Familie, sondern aus einer mit acht Geschwistern. Sind Sie ein Vorbild? Zeigen Sie den Kindern, wie man aus der Armut herausfinden kann?

Shakira: Man muss fair sein: Ich bin in einem recht behüteten Umfeld groß geworden, ich konnte zur Schule gehen und hatte alles, was ich brauchte. Mein Vater hat immer hart gearbeitet, um eine Familie von insgesamt 12 Mitgliedern zu ernähren. Allerdings gibt es zwei Millionen Kinder in Kolumbien, die nicht zur Schule gehen. Und es gibt 11000 Kinder in Kolumbien, die Waffen tragen. Da setze ich an mit meiner Stiftung «Pies Descalzos» («Barfuss») und in meiner Rolle als Unicef-Botschafterin. Der wichtigste Schlüssel für Kolumbien und alle anderen Länder ist Bildung, Bildung, Bildung.

Netzeitung: Erzählen Sie doch noch mal über diesen Tanz in «La tortura»: Da bewegen Sie ja ausschließlich den Oberkörper.

Shakira: Ich habe doch schon alles geschüttelt im Laufe meiner Videos, allen voran meine Haare. Bloß meine Brust habe ich noch nie geschüttelt. Ich habe dann ein bisschen herumprobiert mit den Bewegungen, und dann ging es wirklich gut.

Netzeitung: Wird der Brusttanz ähnlich revolutionär wie der Moonwalk von Michael Jackson?

Shakira: Haha. Eher nicht. Tanzen ist wie jede andere Kunstform auch. Du musst suchen, ausprobieren und tun, was sich gut anfühlt. Zu meiner eigenen Musik auch noch eigene Tanzbewegungen zu kreieren, ist allerdings wirklich etwas, worauf ich sehr stolz bin.

Netzeitung: Fragen Sie Ihre Freundinnen, ob Sie ihnen das Tanzen beibringen?

Shakira: Ständig.

Netzeitung: Und?

Shakira: Ich bin zu teuer. Ich lasse mich beim Tanzunterricht pro Stunde bezahlen.

Mit Shakira sprach Steffen Rüth