Tom Gerhardt: «Siegfried ist kein Proll»
Seitdem ist der 47-Jährige, der einst Germanistik studierte, aus der deutschen Comedyszene nicht mehr wegzudenken. Als Hausmeister Krause treibt er bei Sat.1 schon in der 6. Staffel sein Unwesen.
Auch in den Kinofilmen «Voll normaaal» und «Ballerman 6» gab er den deutschen Proll. Die Netzeitung sprach mit Tom Gerhardt, der die Hauptrolle in seinem neuen Film «Siegfried» spielt und auch das Drehbuch geschrieben hat, und Regisseur Sven Unterwaldt («Sieben Zwerge Männer allein im Wald») über die Idee zum Film, den Dreh in der Slowakei und furzende Schweine.
Netzeitung: Wie kam Ihnen die Idee zu «Siegfried»?
Netzeitung: Orientiert sich der Film «Siegfried» eher an die Nibelungensaga oder an der Oper Wagners?
Gerhardt: Wir erzählen die Wahrheit über die Geschehnisse um Siegfried. Und es ist auch eine Art Abrechung mit der langweiligen Abhandlung der Saga in der Schule und in der Uni. Der Ursprungstext ist ja in Mittelhochdeutsch geschrieben und über weite Stecken ist der Text einfach langweilig. Seitenlang wird über die tollen Gewänder und den prachtvollen Hof geschrieben. Der Film ist also auch eine späte Rache an meine Schul- und Unizeit. Durch «Siegfried» wird die deutsche Pisa-Studie beflügelt werden.
Sven Unterwaldt: Genau, der Film sollte in der Schule gezeigt werden, bevor das Buch gelesen wird. Quasi als Einführung zum Stoff.
Gerhardt: Ich musste diesen Charakter erst entwickeln, bekam nur langsam ein Gefühl für diese mir neue Figur, wie sie sich bewegt und welche Grimassen sie macht. Siegfried ist ein bisschen wie Obelix. Er hat Bärenkräfte und ist herzensgut. Er bleibt immer freundlich. Die Kernbotschaft des Filmes ist, dass das unendlich Böse nur besiegt werden kann, wenn Du unendlich freundlich bist.
Unterwald: «Siegfried» ist ein Film über Liebe und Freundschaft. Siegfried verliebt sich in Kriemhild und sie lehnt in ab. Aber er bleibt nett und am Ende trifft er seine wahre Liebe. Siegfried ist ein Familienfilm, deshalb wird er am Ende des Films auch nicht von Hagen von Tronje mit einem Speer getötet. Der Drache wird auch nicht sterben. Es wird ein Happy End geben.
Netzeitung: Ist Siegfried denn ein Proll?
Netzeitung: Wie würden Sie einen Proll denn definieren?
Tom Gerhardt: ...ein Proll ist unflätig, direkt, kann nett sein, setzt sich durch, macht Dinge klar und hat kein verfeinertes Leben. Der Kluge denkt nach und der Dumme stürmt die Burg. Bei Siegfried liegt die Dummheit in den Genen. Aber «Siegfried» ist keineswegs ein Proll-Film.
Netzeitung: Und was macht plötzlich ein rosarotes Haus-Schwein in der guten, alten Nibelungen-Saga?
Netzeitung: Wie waren die Dreharbeiten in der Slowakei und wie war es, mit einem Schwein zu drehen?
Unterwaldt: Wir drehten zwei Monate in der Nähe von Bratislava. Die Burg auf der wir drehten, ist auch schon der Drehort im Film «Dragonheart» gewesen. Wie hatten viel Sonne und eine Menge Spaß. Insgesamt hatten wir 17 Schweine, die extra für uns gezüchtet worden sind, und der Schweinetrainer aus «Ein Schweinchen namens Babe» hat für uns gearbeitet. Zudem hatten wir drei «animal tronics», das sind die Special-Effekt-Schweine bei den Nahaufnahmen.
Netzeitung: Wieviel habe Sie denn für die Special Effekts ausgegeben?
Unterwaldt: Wir hatten ein Budget von acht Millionen Euro, das macht «Siegfried» zu einer der teuersten deutschen Produktionen überhaupt.
Netzeitung: Wird es einen zweiten Teil von Siegfried geben?
Netzeitung: Welche Sprache benutzten Sie am Set? Mittelhochdeutsch oder Kölsch?
Gerhardt: Obwohl alle Schauspieler außer dem Zwerg Alberich Rheinländer waren, haben wir alle Hochdeutsch am Set gesprochen. Im Mittelalter sprachen die bestimmt auch nicht Mittelhochdeutsch wie im Buch, sondern ihren Akzent. Vielleicht war das ja so eine Art rheinischer Akzent, denn Worms liegt ja auch am Rhein. Kölsch hat so eine tolle Melodie in der Sprache.
Netzeitung: Können Sie uns noch eine Anekdote über die Dreharbeiten erzählen?
Gerhardt: Eines schönen Tages ging ich mit der Perücke, die ich als Siegfried trage, durch Bratislava. Diese blonden verwuschelten Haare mit der Nackenrolle fielen eigentlich weniger im Stadtbild auf, als ich dachte. Aber die Sicherheitsleute von einem Einkaufszentrum wollten mich dann doch nicht rein lassen.
Netzeitung: In Ihren Filmen tauchen oft Türsteher auf, hatten sie in ihrem Leben oft Probleme mit Türstehern?
Gerhardt: Ich hatte mit Türstehern nie Probleme. Aber Hagen von Tronje ist in «Siegfried» so was wie ein Türsteher. Er kann als Vorfahre des ersten Türstehers gesehen werden: der erste Assi.
Unterwaldt: Hagen war klasse. Er ist unsympathisch und dunkel, mit der Augenklappe sieht er echt böse aus.
Netzeitung: Geht es in dem Film nicht auch um typisch deutsche Tugenden?
Gerhardt: Die deutschen Tugenden verwässern. Wir sind gemütlich geworden und die deutsche Pünktlichkeit ist nur noch im Ausland ein Klischee, dass den Deutschen aufgesetzt wird. Die deutsche Jugend hat aber leider keine Kohle mehr, deshalb muss sie zurück zur Tugend. Der Film «Siegfried» soll läutern. Krempel dir die Ärmel hoch und kämpfe gegen das Böse.
Mit Tom Gerhardt und Sven Unterwaldt sprach Claus Wunn.

