netzeitung.deHeino Ferch: «Die Eitelkeit habe ich zu Hause gelassen »

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Heino Ferch, Moritz Bleibtreu in 'Vom Suchen und Finden der Liebe' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Heino Ferch, Moritz Bleibtreu in 'Vom Suchen und Finden der Liebe'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Helmut Dietls neuem Film zeigt sich Heino Ferch erstmals von seiner femininen Seite. Ein Gespräch über falsche Brüste, schlechte Komödien, Harald Schmidt, Anke Engelke und den Preis der großen Liebe.

Zuschreibungen wie «der deutsche Bruce Willis» hasst Heino Ferch. Dennoch hat sich der mittlerweile 41-Jährige in seiner Schauspielkarriere ein besonders markant-männliches Image erworben. Zuletzt war der Sohn eines Kapitäns etwa in Bernd Eichingers «Der Untergang» als Albert Speer zu sehen.

Auch in zahlreichen anderen, zumeist historisch geprägten Film- und Fernsehdramen trat der gebürtige Bremerhavener auf. So etwa in den Vilsmaier-Filmen «Comedian Harmonists», «Marlene», der internationalen Produktion «Napoleon» oder in dem TV-Film «Das Wunder von Lengende».

In Helmut Dietls «Vom Suchen und Finden der Liebe» spielt Ferch seit langem wieder mal eine komödiantische Rolle. Doch damit nicht genug: Er gibt den Götterboten Hermes, ein Zwitterwesen, irgendwo zwischen Mann und Frau, das der männlichen Hauptfigur, Mimi Nachtigall (Moritz Bleibtreu), nachstellt - ohne Erfolg.

Die erste Frage...

Heino Ferch: ...ist fast schon klar: Wie ist es mit Brüsten?

Waren Sie denn schockiert beim ersten Blick in den Spiegel?

Ferch: Nein. Schlimm war es, den fertigen Film ein halbes Jahr nach Dreh-Ende zu sehen, und zu sehen, wie die Kleene so daher kommt. Meine private Eitelkeit musste da zu Hause bleiben. Da kommt halt nicht Linda Evangelista. Sondern, naja, ne Trutsche.

Haben Sie sich gezielt für die Rolle beworben?

Ferch: Ja und Nein. Helmut Dietl gab mir das Drehbuch mit der Bemerkung, dass die Rolle von Mimi [Moritz Bleibtreu, d. Red.] und Theo [Uwe Ochsenknecht] schon vergeben sind. Und als die Rolle des Hermes auftauchte, war meine Begeisterung groß. Sowas gibt es ja sonst nur in der Oper oder im Zeichentrick, nicht im Film. Ich hab ihn gleich angerufen und gesagt: 'Du Helmut, ich will den Hermes spielen'. Und dann hat er nur gesagt: 'Naja, da bist Du nicht der Einzige.'

Wie ging es dann weiter?

Ferch: Wir haben Probeaufnahmen gemacht und mich provisorisch ausstaffiert. Und dann ging's los zum fröhlichen Jagen.

Gab es Vorgaben?

Ferch: Ja, das Drehbuch war recht genau: blonde Haare, goldener Mantel, fliegend über der Ägäis. Dennoch hatte die Maskenbildnerin noch viel zu tun. Die künstlichen Brüste waren noch das einfachste. Sie stammen übrigens von einem Vorbild aus dem «Playboy»... [laut Helmut Dietl von der Schauspielerin Mariella Ahrens, d. Red.]

Wieviele von den Kollegen wollten anfassen?

Ferch: Alle. Aber keiner durfte.

Aha?

Ferch: Das war doch alles geschminkt, eine weiche Silikon-Mischung, sehr empfindlich. Die Maskenbildner haben da sehr aufgepasst. Aber diese Faszination, auch von den Frauen, die war schon unglaublich. [lacht]

Bewegt man sich da anders?

Ferch: Schlimmer waren die zwölf Zentimeter hohen Plateauschuhe. Oder die angeklebten Fingernägel. Damit sollte Zeit beim Schminken gespart werden. Für einen Auftritt mit nackten Brüsten war ich vorher sieben Stunden in Arbeit, sonst standen sechs Stunden in der Maske an. Eine Ewigkeit. Aber nach zwei Nächten hatte ich die Nägel wieder abgefetzt. Das ist echt der Hammer...

...was Frauen alles für die Schönheit tun, oder?

Ferch: Genau.

Haben Sie sich im Bezug auf die griechische Mythologie vorbereitet?

Ferch: «Orpheus und Eurydike» waren mir gut bekannt, die Mythologie weniger. Wichtiger war für mich aber der Roman «Middlesex» von Jeffrey Eugenides, in dem es auch um Zweigeschlechtlichkeit geht. Und mit Marlene Dietrich, Marianne Hoppe und Frau Knef habe ich mich beschäftigt. Große Diven eben. Unser Hermes ist ja eine kleine Zicke, aber auch eine tragische Figur.

Glauben Sie an die große Liebe?

Ferch: Ja, natürlich. Die Definition ist halt schwierig und wohl für jeden anders. Vielleicht kann man sowas, so wie es in dem Film dargestellt wird, auch nur rückblickend sagen.

Vielleicht ist es bei Mimi und Venus ja gar nicht die große Liebe?

Ferch: Doch, ich glaube schon. Nehmen Sie die Szene, in der sich beide nach 40 Jahren wiedersehen und beide von der großen Liebe sprechen. Sie ist groß, weil sie tief ist und soviel Stress mit sich bringt. Liebe hat eben auch mit Auseinandersetzung und mit Vergänglichkeit zu tun.

Es ist Ihre erste komödiantische Rolle seit langen. Wollten Sie weg von Ihrem Macho-Image?

Ferch: Naja, mit Vivian Naefe habe ich ja schon einmal eine klassische Screwball-Comedy gedreht, die leider ziemlich unterging. Aber gut, ja, Komödie ist bei mir selten. Ich kann dazu nur sagen: Gebt mir gute Bücher, und ich komme. Es gibt eine Menge 'Kömodchen', die ich nicht mag. Da interessiert mich das Drama, das historische Drama doch mehr.

Hat Sie deshalb die Arbeit mit Dietl gereizt, der seine Komödie mit Tiefgang verbindet?

Ferch: Ja klar. Ich fand' es ganz wunderbar, mal mit jemandem zu arbeiten, der so genau weiß, was er will. Dietl ist der Großmeister der deutschen Komödie. Und er hat sich diesmal viel getraut. Aber es ist toll geschrieben. Und Dietl war mit so einer Leidenschaft dabei, dass er in Griechenland fast verrückt geworden ist. Erstmals seit Jahren hat er nicht im Studio gedreht. Da haben wir oft stundenlang auf das Vorbeiziehen einer einzigen Wolke gewartet, weil sie ihm nicht passte. Gerade ich habe da wirklich gelitten. Immer wenn ich den Hermes, diese Flugente, gespielt habe, musste ich stark ausgeleuchtet werden, damit das Gold schimmert. Es war wahnsinnig heiß. Und nach wenigen Stunden waren die Brüste schon wieder kaputt.

Und wie war die Zusammenarbeit mit Harald Schmidt und Anke Engelke?

Ferch: Super. Viel Zeit hatten wir allerdings nicht zusammen. Anke Engelke etwa musste in der Ägäis sofort alles abdrehen, um sich wieder ihrer Late Show zu widmen. Aber beide sind wirklich witzige Typen. Besonders Anke war am Set eigentlich so wie in ihren Shows. Unheimlich witzig und komödiantisch. Zu meinen Brüsten ist ihr allerdings auch nicht mehr eingefallen als den anderen Kollegen.

Ihr nächstes Projekt?

Ferch: Deutsche Geschichte. Wieder mal. Mehr will und kann ich noch nicht verraten. Außer, dass Stars wie Ulrich Tukur, Michael Gwisdek und Nicolette Krebitz mit dabei sein werden.

Mit Heino Ferch sprach Kerstin Rottmann