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Til Schweiger im Gespräch: 

«Denen in Hollywood fällt auch nix mehr ein»

26. Sep 2008 13:37
Til Schweiger: 'I hate Nazis'
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Til Schweiger spielt die Hauptrolle in Uwe Bolls neuer Computerspiel-Verfilmung «Far Cry». Im Interview mit Netzeitung spricht der Schauspieler und Regisseur über Ego-Shooter, Tabus und die Ideenarmut in der Traumfabrik.

Wirklich selten sieht man Til Schweiger in Actionfilmen. In «Far Cry», der jüngsten Videospiel-Adaption des deutschen Hollywood-Regisseurs Uwe Boll, schlüpft er in die Rolle des Ex-Elitesoldaten Jack Carver, der gegen eine Gruppe genmanipulierter Söldner und einen srupellosen Arzt (gespielt von Udo Kier) antreten muss. Da kommt die Frage auf, was Schweiger dazu bewegt hat Action-Trash à la Boll statt Comedy wie bei «Keinohrhasen» zu machen. Zur Beantwortung dieser und anderer Fragen lud der Filmverleih zum Gespräch mit dem Schauspieler und Regisseur ins «Hotel de Rome» in Berlin-Mitte.

Haben Sie den Ego-Shooter «Far Cry» zur Vorbereitung mal selber gespielt?

Til Schweiger: Zur Vorbereitung nicht, denn mein Charakter ist einer, den es im Film gar nicht gibt. Ich habe es während der Dreharbeiten mal gespielt, aber nicht lange durchgehalten. Ich war viel zu schlecht.

Hat es Ihnen was ausgemacht, dass das Computerspiel in Deutschland indiziert wurde?

Schweiger: Das wusste ich gar nicht.

Musste im Film entschärft werden, weil es sonst zu brutal geworden wäre?

Schweiger: Vielleicht habe ich ja eine entschärfte Version gespielt. Das Spiel kam mir gar nicht so brutal vor. Aber ich kenne mich auch nicht gut damit aus, weil ich kein Gamer bin.

Spielen Ihre Kinder?

Schweiger: Meine Kinder schon, ja.

Haben Sie da ein Auge drauf?

Schweiger: Meine Frau hat ein Auge darauf. Ich habe meinen Sohn auch schon erwischt beim Ego-Shooter-Spielen. Du kannst das einem Dreizehnjährigen ja nicht komplett verbieten. Auf dem Schulhof oder sonst wo, damit kommt er überall in Berührung.

Sie wissen schon, dass das exzessive Spielen von Ego-Shootern Konsequenzen haben kann?

Schweiger: Die Geschichte hat gezeigt, das es Menschen gab, auf die Computerspielen schlechte Auswirkungen hatte. Man weiß ja auch von einigen Amokläufern, dass sie sich intensiv mit solchen Spielen beschäftigt haben. Die wären vielleicht aber auch ohne Amok gelaufen. Allerdings gibt es auch Millionen von Menschen, die Ego-Shooter spielen und dabei völlig normal bleiben.

Und wie ist das bei brutalen Filmen?

Schweiger: Da gab es mal einen Fall bei einem Scorsese-Film... [denkt nach] «Taxi Driver». Generell glaube ich nicht, dass ein Actionfilm wie «Far Cry» eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Dann schon eher Folter-Filme wie «Hostel» oder «Saw».

Was hat Sie daran gereizt, in einem Film von Uwe Boll mitzuspielen?

Schweiger: Ich hatte Lust drauf. Ich habe ihn vorher getroffen und mochte ihn sofort. Bis dato hatte ich nur einen Film von ihm gesehen, nämlich «Postal», den ich streckenweise überragend und streckenweise etwas over the top fand. Ich wusste natürlich um seinen Ruf – viele Freunde haben zu mir gesagt, «Uwe Boll, wie kannst du das machen? Bist du wahnsinnig?». Wenn ich sie dann gefragt habe, ob sie überhaupt schon mal einen Film von ihm gesehen haben, haben die immer den Kopf geschüttelt. Schlecht machen können ihn alle, aber keiner hat einen Film gesehen!

Bei «Keinohrhasen» haben Sie selbst Regie geführt. Konnten Sie und Uwe Boll sich bei «Far Cry» ergänzen?

Schweiger: Ich habe schon die eine oder andere Idee beigesteuert, aber es war auch schön, sich einfach in die Hände eines anderen zu geben, statt der Doppelbelastung Regie/Schauspiel ausgesetzt zu sein. Es war auch mal schön, keine Verantwortung zu haben.

Uwe Boll sagt, dass er Tabus komplett ablehnt. Welche Dinge möchten Sie im Film nicht zeigen?

Schweiger: Ich würde nie einen Nazi spielen. Wobei es ja auch Schauspieler gibt, die sagen, man muss auch Nazis spielen, um zu zeigen wie schlimm die waren. Tabu Nummer zwei ist für mich Gewalt gegen Kinder. Und dann wären da Folter-Movies wie «Saw» – da habe ich überhaupt keine Ambitionen, so was zu machen. Uwe [Boll] hat so einen Film gemacht, «Seed», den konnte ich nur zehn Minuten angucken. Der war so unfassbar brutal. Ein Tabu wäre für mich auch einen Film wie Jürgen Vogel zu machen [gemeint ist «Der freie Wille» von 2006]. Das Innenleben eines Vergewaltigers interessiert mich einfach nicht.

Warum würden Sie nie einen Nazi spielen?

Schweiger: [flüstert] Because I hate Nazis. Eine Rolle, die ich nicht mag, würde ich auch nicht spielen.

War das auch der Grund, damals bei «James Ryan» abzusagen?

Schweiger: Genau.

Wie sieht es mit Quentin Tarantinos neuem Film «Inglorious Bastards» aus?

Schweiger: Da spiele ich jemanden, der Nazis jagt. [lacht]

Sie haben große Erfolge mit Komödien gefeiert. Sehen Sie Ihre Zukunft jetzt nach «Far Cry» eher im Action-Bereich?

Schweiger: Das war mal ein Ausflug, aber ich habe ja vorher schon in diversen Actionfilmen mitgewirkt. Mein Herz gehört eher der romantischen Komödie.

Was glauben Sie, wie sich in Zukunft Videospiele zu Filmen verhalten werden? Früher wurden aus Filmen Spiele gemacht, jetzt ist es umgekehrt.

Schweiger: Denen in Hollywood fällt auch nicht mehr so viel ein, daher wird es wohl weiterhin Filme geben, die auf Videospielen basieren.

Erscheint ein Film mit einem Computerspiel als Grundlage Ihnen als Schauspieler nicht etwas einfältig?

Schweiger: Klar mag das stumpfsinnig sein, aber jetzt auf «Far Cry» bezogen, macht der Film ja auch Spaß. Es gibt wirklich witzige Szenen in dem Film. Es ist eben ein B-Movie, er kann nicht konkurrieren mit «Three Kings» oder so. Den Anspruch erhebt aber auch keiner.

Also lag Ihnen mehr daran mit Uwe Boll zu drehen, als speziell diesen Film zu machen?

Schweiger: Es ist einfach nicht gerechtfertigt, dass er immer so auf die Fresse gehauen kriegt. Wie der seinen Weg geht und seine Filme macht, das muss ihm erstmal einer nachmachen! Und die Filme spielen ihr Geld meist wieder ein. Er finanziert sie ja nicht über die Förderung, sondern aus der Privatwirtschaft. Und die einfachste Übung auf der Welt, um Geld zu verlieren ist, es in einen Film zu investieren. Das ist ein High-Risk-Unterfangen und er zieht das durch.

Ist Ihnen die Arbeit an einem Film wichtiger als das Resultat?

Schweiger in 'Tomb Raider: The Cradle of Life' (2003)
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Schweiger: Nein, der Idealfall ist natürlich, das man eine tolle Zeit hatte und am Ende auch einen toll Film gemacht hat. Aber ich habe auch Filme gemacht, «Tomb Raider II» mit Angelina Jolie, 140 Millionen Dollar und er ist kein bisschen besser als «Far Cry», obwohl die so ein Budget hatten. Oder «King Arthur», grauenvoll! Das Drehbuch hat David Franzoni geschrieben, der hat dafür einen Oscar bekommen. Ich frage mich bis heute, was daran so toll sein soll. Jedenfalls alles Hollywood-A-List-100-Millionen-Budget, aber das sind für mich schlechte Filme. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Es gibt auch tolle Filme, aber mich fragt keiner, ob ich darin mitspielen möchte.

Was wäre denn so ein Film, in dem Sie gerne mitgespielt hätten?

Schweiger: Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Wenn ich einen Film mit John Travolta sehe, denke ich ja nicht, «da wäre ich besser drin gewesen». Es gibt bestimmt Filme, in denen ich gerne mitgespielt hätte, aber ich sitze nicht da und sage, «Schade, warum hat mich keiner gefragt?». Ein Vorteil ist außerdem, dass ich meine eigenen Filme mache. Da hole ich mir meine ganze Glückseligkeit raus.

Wollen Sie in Zukunft mehr als Schauspieler oder Regisseur arbeiten?

Schweiger: Hauptsache ich mache Filme, die die Leute sehen wollen.

Sie haben mal gesagt, Sie haben eine Vorliebe für Filme, die Sie «stimulieren». Welcher Film hat Sie bisher am meisten stimuliert?

Schweiger: «Midnight Run» von Martin Brest mit Robert DeNiro. Das ist der perfekte Film. Ich habe ihn bestimmt schon 50 Mal geguckt.

Julia Wilczok traf Til Schweiger in Berlin.

«Far Cry» startet am 2. Oktober in deutschen Kinos.

Trailer zu «Far Cry»:

 
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