Cyndi Lauper im Interview:
«Ich habe versucht, andere Frauen zu küssen»
Netzeitung.de: Guten Morgen, Cyndi! Wo sind Sie denn gerade?
Cyndi Lauper: Hi. Ich stecke in einem Taxi in New York.
Netzeitung.de: Sind Sie schon lange auf den Beinen?
Lauper: In der Tat. Es ist hier neun Uhr morgens und ich habe allerhand zu tun.
Netzeitung.de: Kein Wunder, Ihr neues Album ist ja auch gerade erschienen. Erzählen Sie doch mal.
Netzeitung.de: Haben Sie darum mit Stars der europäischen Elektro-Szene zusammengearbeitet? Digital Dog oder Basement Jaxx, um zwei zu nennen.
Lauper: Ja, genau. Ich habe mit all diesen tollen Leuten zusammen gearbeitet, weil ich eine vielfältige, facettenreiche Platte abliefern wollte. Außerdem liebe ich die Energie von elektronischer Musik und Pop-Musik ja sowieso. Ich wollte zu meinen Anfängen zurück, aber es sollte auch ein bisschen anders klingen als früher.
Netzeitung.de: Neben der Musik engagieren Sie sich schon lange für Homosexuellengruppen und haben die True Colors-Konzertreihe ins Leben gerufen, deren Erlös an verschiedene soziale Projekte geht. Spiegelt sich dieses Engagement auch in Ihrer künstlerischen Arbeit wider?
Lauper: Eher indirekt. Ich wollte Songs schreiben, die den Menschen Mut machen. Ich schreibe zum Beispiel über Leute, die am Boden sind, aber immer wieder aufstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie hetero-, homosexuell oder was auch immer sind. Die Botschaft ist: Steh einfach auf, alles wird wieder gut!
Netzeitung.de: Sie gelten seit langem als Vorzeige-Feministin.
Lauper: Ich selbst sehe mich aber eher als Kämpferin für Menschenrechte allgemein. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass ich Musikerin bin und keine Politikerin, das würde ich auch nie sein wollen. Es geht mir einfach darum, etwas gegen Diskriminierung und Rassismus in jeglicher Form zu tun. Zu meiner True Colors-Tour können alle kommen, sie soll die unterschiedlichsten Menschen zusammen bringen. Sie soll Kraft geben und informieren, damit die Leute sich selbst helfen können. Ich habe da eine Theorie: Apathie kommt von Hoffnungslosigkeit, die wiederum aus Hilflosigkeit resultiert. Zeigst du den Leuten also, dass sie sich selbst helfen können, sind sie nicht länger hilflos, also auch nicht mehr hoffnungslos und somit dann auch nicht mehr teilnahmslos.
Netzeitung.de: Als Teenager sollen Sie mal versucht haben, selbst lesbisch zu werden. Wie kam es dazu?
Netzeitung.de: Sie haben mehrfach darauf hingewiesen, dass der Mann, der am 11. September den Angriff auf das Weiße Haus verhindert hat, schwul war. Das wusste ich vorher auch nicht...
Lauper: Niemand weiß das! Es wird immer unter den Teppich gekehrt, aber ich finde solche Dinge wichtig.
Netzeitung.de: Waren Sie eigentlich schon immer so selbstbewusst?
Lauper: Als ich mein erstes Album «Shes So Unusual» aufgenommen habe, war ich alles andere als selbstbewusst. Im Gegenteil, ich war unsicher, besorgt und aufgeregt, aber das hat sich zum Glück mit den Jahren gelegt (lacht).
Mit Cyndi Lauper sprach Julia Wilczok.
Cyndi Lauper - «Into The Nightlife»:

