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Cyndi Lauper im Interview: 

«Ich habe versucht, andere Frauen zu küssen»

23. Aug 2008 12:01
Cyndi Lauper
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Gerade steht Cyndi Laupers neues Album in den Läden. Grund genug für Julia Wilczok, mit der Achtziger-Ikone über elektronische Musik, Menschenrechte und ein Coming Out der etwas anderen Art zu sprechen.

Bereits Anfang August ist Cyndi Laupers neue Platte «Bring Ya To The Brink» veröffentlicht worden, doch die mittlerweile 55 Jahre alte Dancefloor-Queen der achtziger Jahre hetzt immer noch von Termin zu Termin. Seit ihrem ersten großen Hit «Girls Just Want to Have Fun» ist ein Vierteljahrhundert vergangen, doch Lauper wirkt quirlig wie eh und je. Die Sängerin stand Netzeitung am Telefon Rede und Antwort.

Netzeitung.de: Guten Morgen, Cyndi! Wo sind Sie denn gerade?

Cyndi Lauper: Hi. Ich stecke in einem Taxi in New York.

Netzeitung.de: Sind Sie schon lange auf den Beinen?

Lauper: In der Tat. Es ist hier neun Uhr morgens und ich habe allerhand zu tun.

Netzeitung.de: Kein Wunder, Ihr neues Album ist ja auch gerade erschienen. Erzählen Sie doch mal.

Lauper: Das Album ist für mich eine Art Schnappschuss unserer modernen Zeit. Es soll wiedergeben, wie es war in den Jahren 2007/2008 zu leben. Außerdem soll es innovativ klingen und eine Art Jukebox sein.

Netzeitung.de: Haben Sie darum mit Stars der europäischen Elektro-Szene zusammengearbeitet? Digital Dog oder Basement Jaxx, um zwei zu nennen.

Lauper: Ja, genau. Ich habe mit all diesen tollen Leuten zusammen gearbeitet, weil ich eine vielfältige, facettenreiche Platte abliefern wollte. Außerdem liebe ich die Energie von elektronischer Musik und Pop-Musik ja sowieso. Ich wollte zu meinen Anfängen zurück, aber es sollte auch ein bisschen anders klingen als früher.

Netzeitung.de: Neben der Musik engagieren Sie sich schon lange für Homosexuellengruppen und haben die True Colors-Konzertreihe ins Leben gerufen, deren Erlös an verschiedene soziale Projekte geht. Spiegelt sich dieses Engagement auch in Ihrer künstlerischen Arbeit wider?

Lauper: Eher indirekt. Ich wollte Songs schreiben, die den Menschen Mut machen. Ich schreibe zum Beispiel über Leute, die am Boden sind, aber immer wieder aufstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie hetero-, homosexuell oder was auch immer sind. Die Botschaft ist: Steh einfach auf, alles wird wieder gut!

Netzeitung.de: Sie gelten seit langem als Vorzeige-Feministin.

Lauper: Ich selbst sehe mich aber eher als Kämpferin für Menschenrechte allgemein. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass ich Musikerin bin und keine Politikerin, das würde ich auch nie sein wollen. Es geht mir einfach darum, etwas gegen Diskriminierung und Rassismus in jeglicher Form zu tun. Zu meiner True Colors-Tour können alle kommen, sie soll die unterschiedlichsten Menschen zusammen bringen. Sie soll Kraft geben und informieren, damit die Leute sich selbst helfen können. Ich habe da eine Theorie: Apathie kommt von Hoffnungslosigkeit, die wiederum aus Hilflosigkeit resultiert. Zeigst du den Leuten also, dass sie sich selbst helfen können, sind sie nicht länger hilflos, also auch nicht mehr hoffnungslos und somit dann auch nicht mehr teilnahmslos.

Netzeitung.de: Als Teenager sollen Sie mal versucht haben, selbst lesbisch zu werden. Wie kam es dazu?

Lauper: Als ich jünger war, hatten plötzlich alle meine Freunde ihr Coming Out. Meine Schwester ist lesbisch, meine besten Freunde zu der Zeit waren alle homosexuell, also wollte ich das auch sein! Ich habe alles gemacht, was sie auch gemacht haben, mal versucht, andere Frauen zu küssen, aber es hat einfach nicht geklappt. Schließlich musste ich mich als Hetero outen (lacht)!

Netzeitung.de: Sie haben mehrfach darauf hingewiesen, dass der Mann, der am 11. September den Angriff auf das Weiße Haus verhindert hat, schwul war. Das wusste ich vorher auch nicht...

Lauper: Niemand weiß das! Es wird immer unter den Teppich gekehrt, aber ich finde solche Dinge wichtig.

Netzeitung.de: Waren Sie eigentlich schon immer so selbstbewusst?

Lauper: Als ich mein erstes Album «She’s So Unusual» aufgenommen habe, war ich alles andere als selbstbewusst. Im Gegenteil, ich war unsicher, besorgt und aufgeregt, aber das hat sich zum Glück mit den Jahren gelegt (lacht).

Mit Cyndi Lauper sprach Julia Wilczok.

Cyndi Lauper - «Into The Nightlife»:

 
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