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Fliegende Fäuste zum Endspurt

25. Mai 2007 13:51

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Foto: AP
Das Filmfest in Cannes geht mit Glamour-Injektionen wie «Ocean’s 13» in die letzte Runde. Dabei musste Sascha Rettig erleben, dass an der Côte d'Azur zur Zeit das Recht des Stärkeren regiert.
Die Sitten sind rau und mit blauen Augen ist zu rechnen, denn manchmal gilt beim Festival in Cannes offenbar nur das Faustrecht des Stärkeren. Als beispielsweise die Gäste der Party zu Fatih Akins «Auf der anderen Seite», die in einer Villa in den Hügeln der Stadt gefeiert wurde, nachts wieder nach Hause wollten, wurde schon mal zugeschlagen, weil es zu wenige Busplätze gab.

Ein ebenso umkämpftes Terrain sind die legendären Stufen am Palais des Festivals et des Congrès, wo kürzlich im Gerangel um die Fotos von Brangelina auch diverse Fäuste flogen. Vorgestern wurden deshalb die sonst nur aufgeklebten Nummern für die Plätze der Fotografen mit Plastikschildchen festgedübelt, damit die paar Zentimeter Spielraum auch genauestens gezeichnet sind.

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Schließlich sollte am Abend mit der «Ocean’s 13»-Premiere noch ein letzter Starsturm über Cannes niedergehen: George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Don Cheadle, Andy Garcia und Ellen Barkin liefen über den roten Teppich – unter tosendem Beifall tausender Zuschauer auf den Straßen, Geländern und Bäumen.

Ungelenker Racheplan

Steven Soderbergh nebst Ellen Barkin
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Foto: AP
«Ich habe mir gedacht, dass es Spaß machen würde, nach Las Vegas für ein neues Abenteuer zurückzukehren», sagte Regisseur Steven Soderbergh, flankiert von dem unfassbar gut gelaunten Starensemble am Nachmittag zuvor. «Dabei wurde der Film vor allem vom Wunsch motiviert, dass wir alle noch einmal zusammenarbeiten wollten.» Das Ergebnis selbst ist dann allerdings nicht der Rede wert: Über eine Stunde lang muss man darin mit ansehen, wie ungelenk der Racheplan am Betreiber eines neuen Las-Vegas-Luxushotels ausgeheckt wird.

Allerdings hat das kaum Tempo und wenig Smartness. Auch das Staunen über die Ausgeklügeltheit bleibt diesmal aus. Stattdessen bekommt man viele erschreckend öde Einfälle, verpackt in satt luxuriösen Oberflächen aus der Spielerstadt – und die Gewissheit, dass vor allem Clooney und Pitt in schicken Designeranzügen immer noch verdammt gut aussehen.

Die Existenz der tristen Wirklichkeit

Hollywoods A-Riege zu Gast in Cannes: Brad Pitt und Angelina Jolie
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Foto: AP
«Ocean’s 13» war allerdings die letzte Glamour-Injektion eines Festivals der Superlative, mit dessen Staraufkommen man ein ganzes Dutzend anderer A-Festivals hätte versorgen können. Auch die Qualität der gezeigten Filme war überdurchschnittlich, so dass eigentlich sehenswerte Werke wie Wong Kar Wais amerikanisches Roadmovie «My Blueberry Nights» oder Gus Van Sants minimalistisch atmosphärische Meditation «Paranoid Park» um die Mordschuld eines Skater-Boys in der starken Konkurrenz schon fast zu milden Enttäuschungen wurden.

Ansonsten gab es vor allem Trauriges und Tragisches, gescheiterte Beziehungen, Tod und eine ganze Reihe anderer Widrigkeiten, die die Existenz in der tristen Wirklichkeit bereithalten kann. Das änderte sich auch in den letzten Tagen der Palmenkonkurrenz nicht. So war der Sonnenschein im deprimierenden Drama «Secret Sunshine» aus Südkorea so geheim, dass er nicht zu sehen war. Und auch über James Grays altmodischem Polizeidrama «We own the Night» hing mit finsterem Pathos permanent eine große dunkle Wolke. Explizit politisch wurde es fast nur außerhalb des Wettbewerbs mit Michael Moores sarkastisch manipulativer Abrechnung mit dem US-Gesundheitssystem «Sicko» oder der Leonardo Di Caprios Öko-Aufrüttel-Doku «The 11th Hour».

Witz und Warmherzigkeit

Zu lachen gab es im Wettbewerb selten etwas – so wie in Marjane Satrapis «Persepolis», der so wirkte, als sei damit ihr eigener Comic kunstvoll auf die Leinwand geflossen. In reduzierten, manchmal sogar nur schemenhaften Schwarzweißanimationen erzählt sie mit viel frechem Witz und Warmherzigkeit die jüngere Geschichte des «Schurkenstaates» Iran aus der Perspektive eines kleinen Mädchens. Dass es in «Persepolis» auch darum ging, über den eigenen Schmerz hinweg zu vergeben und trotz aller Schicksalsschläge nicht auf Rache zu sinnen, hat Satrapis Film mit Fatih Akins «Auf der anderen Seite» gemeinsam.

Fatih Akin
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Der wurde von manchen mit viel Applaus gefeiert, von anderen hingegen so eingeschätzt, dass Akin gerade nach dem wuchtigen Berlinale-Sieger «Gegen die Wand» unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. In den Augen der internationalen Presse gehört Akins Werk trotz einiger Schwächen zu den Favoriten. Regisseur Ken Loach, der im vergangenen Jahr für «The Wind that Shakes the Barley» die Goldene Palme mit nach England nahm, riet dem möglichen Gewinner, ein paar Brocken Französisch für die Dankesrede zu lernen.

Wer sich daran halten sollte? Ob Akin, Julian Schnabel oder doch wieder die Coen-Brüder? Ob ein Überraschungssieger oder doch der doppelte Palmengewinner Emir Kusturica, dessen «Promise me this» heute noch mit viel Unza-Unza-Blasmusik über die Festivalbesucher herfallen wird? Das entscheidet sich am Sonntagabend in der Abschlussgala des Festivals, das sich trotz seines 60. Geburtstages in bester Form zeigte.



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