netzeitung.deIndiens schönster Sixpack

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Shah Rukh Khan (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Shah Rukh Khan
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nicht nur in seiner Heimat Indien wird Shah Rukh Khan verehrt wie ein Gott. Sascha Rettig hat die Euphorie um den Bollywood-Star bei der Premiere seines neuen Films in Berlin miterlebt.

Träume hat Shah Rukh Khan keine mehr. «Ich habe mehr erreicht, als ich mir jemals erträumt hätte», sagt der in Indien gottgleich verehrte Überfilmstar, der anlässlich der Deutschlandpremiere seines neuen Blockbusters «Om Shanti Om» in der Berlinale-Special-Reihe nach Berlin kam. Beim Interview in einer Berliner Hotel Suite zündet er sich allerdings erstmal eine Zigarette an. Soviel Zeit muss sein, auch wenn sich durch das Planungschaos der Agentur alle Interviews wiederholt verschoben.

Dass er mit dem Rauchen ein schlechtes Vorbild abgibt? Das weiß er. Er warnt sogar im Fernsehen davor: «Ja, ich rauche und ich weiß, dass ich daran sterben werde.» Doch andererseits sei er ein Familienmensch, nehme keine Drogen, gehe nicht fremd und trinke auch keinen Alkohol, sagt der Mann, dessen Fans verschiedenste Abteilungen der Berlinale belagerten. «Da siegen die guten Eigenschaften ganz klar vier zu eins.»

Kein Wunder, denn auch wenn an seinen schauspielerischen Fähigkeiten vielleicht so manch einer Zweifel anmeldet, hat Khan Qualitäten für Milliarden – und für eine stetig wachsende Gemeinde deutscher Khanisten: Er tanzt in seinen epischen Melodramen wie «In guten wie in schweren Tagen» mit soviel Herzblut wie er sich auch die Augen vor lauter bebender Emotion ausheult. Viele Fans mögen ihn, weil sie ihn einfühlsam, charmant und leidenschaftlich finden. Dabei wirft die sympathische Verkörperung des aufstrebenden Indiens Blicke aus weichen braunen Augen, mit dem sich seine uferlose Fanschar mühelos um den Finger wickeln lässt und hat ein Sixpack, an dem man sich wohl ohne weiteres die Finger schneiden könnte.
In nur sieben Minuten wurde aus Hoffnung Frust
Die letzte Khan-Audienz hierzulande liegt bereits eine geraume Zeit zurück, weshalb die Hysterie unter den deutschen Fans offenbar einfach zu entfachen war. «1,3 Milliarden Menschen sind Fan von Shah Rukh Khan und 93 Prozent davon haben bei uns angerufen», witzelte Festival-Leiter Dieter Kosslick am Eröffnungsabend. Die Zahl von immerhin rund 20.000 Anfragen war da schon realistischer – und immer noch hoch genug um auf der offiziellen Berlinale-Website ein FAQ mit über einem Dutzend Fragen einzurichten. Das war zuvor noch für keinen Gaststar nötig. Nicht mal für George Clooney. Oder die Stones.

Die Ausverkaufszeit der «Om Shanti Om»-Vorführungen verzeichnete daher lässig einen Berlinale-Rekord: In nur sieben Minuten wurde aus Hoffnung für viele Fans Frust, denn so schnell waren alle Tickets vergriffen. Diejenigen, die es in den Premierensaal geschafft haben, sahen den Film, mit dem der leicht abgeebte Bollywood-Hype in Deutschland mit Khan als Galionsfigur wieder revitalisieren soll. Der Film selbst bietet schließlich alles, was sich das breite Publikum von einer guten Bollywood-Massala-Mischung erhofft und sogar noch einiges mehr.

Denn während «Om Shanti Om» mit vielen Gastauftritten und (Selbst-)Referenzen munter durch die Genres von der herzigen Romanze bis zum Bombastthriller turnt, umarmt Faran Khans zweite Regiearbeit nach «Main Hoon Na – Ich bin immer für dich da» die Bollywood-Traumfabrik der siebziger Jahre in einer Mischung aus liebevoller Satire und opulenter Liebeserklärung. Er feiert die Stars der Gegenwart mit einer beeindruckenden Cameo-Anhäufung von Amitabh Bachchan über Hrithik Roshan bis hin zur bezaubernden Kajol und erzählt darüber hinaus vom Großherauskommen und von den Superstarträumen, die Shah Rukh Khan allesamt verkörpert und dafür mit angemessenem Kreischen am Roten Teppich im Kino International empfangen wurde.

Einmal King Khans Aura berühren
Allerdings fiel das Fanbeben im Khan-Epizentrum doch etwas bescheidener aus, als man es Kosslicks Aussagen noch entnehmen konnte. Von den 20.000 wartete vielleicht jeder Zwanzigste, um nur einmal für Millisekunden King Khans Aura berühren zu dürfen. Im Vorbeigehen, mit einem Händedruck, einem Blick, einem Autogramm oder sogar einem gemeinsamen Foto, während der fanpflegende Inder in 40 Minuten die kreischende Menge abschreitet. Auch die geplante Aktion, 500 Ballons in indischen Landesfarben in den Berliner Nachthimmel steigen zu lassen, lief er eher kleckerweise ab. Schon bei der erstbesten Limousine ließen schließlich schon einige in lähmender Verzückung ihre Ballons los.

Manch einer begegnet der obsessiven Begeisterung allerdings mit Berliner Ernüchterung: «Wer issen ditte», fragte eine Frau, die zufällig am brodelnden Roten Teppich vorbei kam. «Na, dass ist Shah Rukh Khan, der größte Filmstar der Welt aus Bollywood, in Indien», antwortete eine ergriffene Endvierzigerin. «Ach so, der. Ja, aber die Filme von dem mag ich eh nicht mit dem janzen Jesinge und Jetanze.»