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Contra: «Flug 93» - Katastrophen-Bla-Bla

31. Mai 2006 12:08
Besprechung vor der Toilette: Die Passagiere planen ihren Widerstand
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Keine Heldengeschichte und kein billiges Gefühlskino macht Regisseur Paul Greengrass aus dem 11. September. Aber leider gelingt es ihm auch nicht, Spannung aufzubauen.

Von Kai Kolwitz

Wenn es in Hollywood-Filmen am Anfang zu sehr menschelt, dann weiß man: Das wird kein gutes Ende nehmen. Aber bei «Flug 93» weiß man ja sowieso, dass die Maschine, die am Morgen des 11. September 2001 abhebt, einige Stunden später auf einem Feld zerschellen wird.

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Und trotzdem: Die Stewardessen tratschen über eine Kollegin, die etwas mit einem Piloten hat. Die Flugzeugführer erzählen sich im Cockpit von ihren Kindern – selbst der arabische Passagier, der, man ahnt es schon, später einer der Entführer sein wird, reißt sein Handy heraus und sagt irgendjemandem: «Ich liebe Dich, ich liebe Dich.»

Es droht also großes Gefühlskino, denkt man. Aber das hält Regisseur Paul Greengrass nicht durch in «Flug 93». Schon fast unspektakulär zeigt er das, was in der Maschine passiert sein soll, an diesem Tag, der die Welt verändert hat. Es wird viel geredet, an Bord, im Tower, bei der Flugsicherung und den Militärs, denen es bis zum Ende nicht gelingen wird, genug Maschinen in die Luft zu bekommen, um den eigenen Luftraum auch nur ansatzweise schützen zu können.

Informationen übers Bord-Telefon

Denn nur langsam sprechen sich die Ereignisse herum, überall herrscht Irritation und später Schock über Flugzeuge, die auf keine Anweisung mehr reagieren, über die Einschläge ins World Trade Center, von denen die Passagiere des Fluges 93 erst über das Bord-Telefon von ihren Angehörigen erfahren.

Ratloses Militär: Die Flugsicherung sucht Kampfjets
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Im Prinzip kann man Greengrass dafür dankbar sein, dass er das dramatische Geschehen und die (vermutlich) wehrhaften Passagiere nicht zu einer Hollywood-Heldengeschichte eingekocht hat. Aber leider gelingt es ihm auch nicht, Spannung aus anderen Aspekten des 11. September zu beziehen – etwa der Beklemmung der Passagiere, die ab einem gewissen Punkt des Geschehens natürlich wissen, welches Schicksal ihnen droht.

Die stärksten Szenen sind echt

Man kann auch die permanent eingesetzte Handkamera für authentisch und ein gutes Stilmittel halten – man kann aber auch feststellen, dass einem das penetrante Gewackel irgendwann auf die Nerven geht. Auch dass die Dramaturgie stark auf Sprache setzt, ist natürlich dem weitestgehenden Verzicht auf billige Effekte geschuldet – aber leider verdichtet sich das permanente «Hast Du das gesehen?», «Was bedeutet das?», «Was sollen wir tun?» irgendwann zu einem Hintergrundrauschen, zu einem permanenten – mit Verlaub – Gesabbel, das mehr Kopfschmerzen verursacht, als das es die Handlung großartig weiterbrächte.

Eigentlich hätte sich «Flug 93» so bis kurz vor Schluss auch gut als Hörspiel gemacht – wären da nicht exakt zwei Einstellungen, bei denen sich dem Zuschauer auch nach fünf Jahren immer noch der Magen zusammenkrampft und die auch nach dem hunderttausendsten Sehen nichts von ihrem Schrecken verloren haben.

Nur gehen die Bilder der beiden Einschläge ins World Trade Center nicht auf das Konto eines Regisseurs. Sondern auf das von CNN – und das islamistischer Terroristen.

 
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