Fleet Foxes-Konzert im Berliner Huxleys: 

netzeitung.deVerfangen in Rauschebärten

 Herausgeber: netzeitung.de

Eine handvoll haariger Barden: Die Fleet-Foxes "ersangen" sich Berlin. (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eine handvoll haariger Barden: Die Fleet-Foxes "ersangen" sich Berlin.
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Fleet Foxes aus Seattle sangen wie glühende Götterfunken, sprachen über Heroin, Aspirin und Imperialismus und beglückten ihr Publikum zudem noch mit fliegenden Gummi-Schlangen. Von Silke Janovsky. Mit Video

Sie sehen ein bisschen so aus, als würden sie nach Hippie-Duftöl riechen. Das mag an den rauschenden Vollbärten liegen, den Woodstock-Frisuren, an den ausgebeulten Jeans oder den Strickjacken, die sie tragen. Aber die fünf Barden singen, als wären sie nicht von dieser Welt, dem Menschlichen, dem Banalen, dem Alltäglichen irgendwie enthoben.

Die Fleet Foxes aus Seattle beendeten Montagabend in Huxleys Neuer Welt ihre Europatournee. Das Konzert musste wegen der großen Nachfrage aus dem Columbia-Club in den etwas größeren kreuzberger Konzertsaal verlegt werden. Doch auch hier war es drängend voll. Zum zweiten Mal in diesem Jahr bespielte die Band Berlin. Bereits im Juni verzückten sie rund hundert Zuhörer mit ihren eindringlichen Harmoniegesängen im Café Zapata. Den anwesenden Feuilletonisten standen damals die Tränen in den Augen.

Ob eine solche Wirkung in einem weniger intimen Setting gelingen kann? Kein Problem. Der zu erwartende Zauber setzt unmittelbar mit den ersten Tönen ein: Mehrstimmiger Harmonie-Gesang schwillt zu „Sun it rises“ derart an, als wolle er Erleuchtung garantieren. Und als Lead-Sänger Robin Pecknold zum ersten Mal seine Stimme ohne die anderen erhebt, jubelt das Publikum kurz auf – bevor es in einer Art hypnotischer Verzückung versinkt.

Begleitet werden die barock anmutenden Gesänge von alten Martin-Gitarren, Banjos und Synthesizern. Drummer Josh Tillmann schüttelt nicht nur die Tamburins, er hebt sie empor und schwenkt sie so elegant, als seien es seine verlängerten Arme. Zu dem elegischen Stück „Heard Them Stirring“ streicht Gitarrist Skyler Skjelset seine E-Gitarre mit einem Geigenbogen. Es klingt wie ein leises Murren, eine Abwechslung zu den feinen Melodien, die er sonst den Abend über spielt.

Erfindungen und Erfahrungen
„Do you want some gummi-snakes?“, fragt Bassist Christian Wargo zwischen zwei Stücken. Er greift in eine große Plastikschüssel eines bekannten Süßwaren-Herstellers und schleudert etliche der Gummi-Schlangen ins Publikum. Gute Erfindung, lobt der Schlagzeuger schmatzend, ein Deutscher habe ja auch das Heroin erfunden. Und Aspirin, ergänzt der Sänger. Das ist wenigstens etwas, antwortet der Schlagzeuger, wir haben nur die Rückkehr des Imperialismus erfunden. So habe jeder seines. Das Publikum lacht, und weiß ein wenig mehr darüber wie junge Männer mit Vollbärten über manche Dinge denken.

Die Fleet Foxes spielten groß auf mit ihrer Mischung aus Country, Rock, Folk und dem was sie selbst „baroque harmonic pop jams“ nennen. Die Stücke waren lebendiger, erdiger und generell etwas schneller als auf dem Debüt-Album des Quintetts. Manche im durchweg angenehmen Publikum fühlten sich sicher an Simon and Garfunkel, die Beach Boys oder Crosby, Stills, Nash & Young erinnert. Mit ihrer sonderbar altertümlichen Musik brachten die Fleet Foxes einen sehr hübschen, altmodischen Reflex in Huxleys Neue Welt nach Kreuzberg. Lange nach dem fünfstimmigen Abgesang von «Blue Ridge Mountain» fühlte man sich immer noch verfangen im Rausch der Bärte.

Das Video auf Youtube