Kult um Alexander Marcus' «Electrolore»: 

netzeitung.de«1, 2, 3», gar nichts Peinliches dabei

 Herausgeber: netzeitung.de

Alexander Marcus geht mit "Papaya" baden. (Foto: NZ Screenshot/Youtube<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Alexander Marcus geht mit "Papaya" baden.
Foto: NZ Screenshot/Youtube
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Pinke Klamotten, Schmierfrisur und ein Musik-Mix aus Schlager und House: Mit dieser Kombination hat es Alexander Marcus zu Hunderttausenden Youtube-Zuschauern und einem Plattenvertrag gebracht. Mit Video .

Alexander Marcus sieht aus wie das verkörperte Klischee eines BWL-Studenten: Pinkfarbener Pulli mit V-Ausschnitt, nach hinten gegelte Haare, leichter Oberlippenbart und Zahnpasta-Lächeln. Kaum zu glauben, dass diesen Typen so viele Menschen gut finden - aber 750.000 Klicks auf Youtube, ein Plattendeal beim Scooter-Label Kontor und über 100 Fanclubs bei StudiVZ sprechen für sich.

Was nur macht Marcus so erfolgreich? An seiner Musik kann es kaum liegen. Denn das Song-Konzept des Sängers ist immer gleich nervig: Er mixt Minimal Techno-Beats mit schnulzigen Schlagertexten. «Electrolore» nennt der 31-Jährige diesen Stil, «ein Wortspiel aus Electro und Folklore, eine elektrisierende Mischung aus moderner Clubmusik und volkstümlichen Schlagern». «Electrolore» heißt auch sein Debütalbum, das seit Freitag in den Läden steht und die Hits «Papaya» und «Ciao Ciao Bella» enthält.
Peinlich, hysterisch, erfolgreich
Im Video zu «Papaya», seinem wohl bekanntesten Werk, taucht Marcus debil grinsend aus einem Baggersee auf und fischt nur mit pinker Hose und einem Netz voller Plastikfrüchte bekleidet eine Flaschenpost aus dem Wasser. «Komm mit mir nach Papaya, Coconut Banana», säuselt er mit digital verfremdeter Stimme. Anschließend sitzt er in einem steril eingerichteten Appartment, bekommt einen Lachkrampf und imitiert in weißen Mokassins Michael Jackson beim Moonwalk-Tanz.

Video: Alexander Marcus in «Papaya»

Das Erfolgsgeheimnis von Alexander Marcus ist denkbar einfach: Ihm scheint wirklich gar nichts peinlich zu sein. Im Video zu «Spiel, Satz und Sieg» bekommt der ehemalige Tennislehrer einen hysterischen Anfall in einem Berliner Café, in «Ciao Ciao Bella» fährt er im schwarzen Cabrio vor, um einen Wohnzimmerauftritt bei einer molligen, offensichtlich desinteressierten Dame abzuliefern. Immer dabei: Sein bester Freund «Globi», eine Welt-Kugel aus Plastik.
EM-Hymne im «Electrolore»-Stil
Hin und wieder leuchtet sogar eine wenig subtile Gesellschaftskritik in Marcus' Clips auf: In «Papaya» gibt es eine satirische Anspielung auf den Drogenkonsum in der Techno-Szene, «1,2,3» ist eine Parodie des neudeutschen Patriotismus. Dabei hat sein Text «Schwarz-rot-gold, das sind unsere Farben» durchaus Potenzial, die neue EM-Hymne zu werden.

Alexander Marcus polarisiert – wer seine Clips kennt, findet ihn entweder schrecklich oder genial. Zwischentöne gibt es kaum. Betritt der talentfreie Sänger mit der Schmalztolle irgendwo eine Großraumdisco, grölt das angetrunkene Publikum begeistert mit. Davon zeugen zahlreiche Youtube-Clips. In dem Video-Portal gibt es bereits den «Alexander Marcus Fan Dance» zu sehen.

Der Guildo Horn 2.0
Eines hat der «Electroloreking», so sein Youtube-Pseudonym, auf jeden Fall erreicht: Alle reden über ihn, ob Schulfreunde, «Spiegel», «Spex» oder MTV. Der Musiksender hat ihn sogar den neuen «King of Pop» getauft. «Alexander Marcus ist wohl sowas wie der Guildo Horn unserer Generation», sagte ein Zuschauer nach einem Konzert in Bochum. Bei Youtube schreibt Kommentator «6x6x6» verzückt: «Das ist so trashig, dass es schon wieder geil ist.»

Dass Marcus eine von vorne bis hinten durchgestylte Kunstfigur ist, zeigt schon der Name seiner Produktionsfirma, «Yuppie Productions». Das «offene Geheimnis» (BR), dass der Berliner House-Produzent Felix Rennefeld dahinter steckt, wird allerdings nicht offiziell kommentiert: Dem WDR-Sender «Einslive» sagte Marcus' Manager nach entsprechenden Fragen sogar den Gesprächstermin ab.
«Ich liebe meine Fans»
Der Star selbst versteht das «Theater» um seine Person gar nicht: «Viele sind voller Eifer damit beschäftigt, da irgendetwas aufzudecken. Als hätten sie Angst, die Electrolore und mich einfach so stehen zu lassen», sagte er der Berliner Zeitung in einem seiner raren Interviews. «Ich liebe meine Fans von ganzem Herzen» war dann aber auch das Persönlichste, das Marcus dort von sich preisgab.

Über den ambitionierten Tänzer ist nur wenig bekannt: Angeblich wuchs er bei seiner Großmutter auf dem Land auf, wo er seine Liebe zum Schlager entdeckte. Der Hang zum Electro wiederum sei ein Mitbringsel aus Miami, wo er ein Jahr lang lebte. Wer den smarten, aalglatten Musiker nun persönlich kennen lernen will, hat aber schlechte Karten: «Wichtige Information an alle!», steht auf seiner Homepage zu lesen. «Da entsprechende Anfragen fast stündlich eintreffen: Alexander Marcus tritt nicht auf Privatveranstaltungen wie Geburtstagen auf.» (nz)

Video: Alexander Marcus in «1,2,3»


Für das Web ediert von Maike Schultz