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DSDS-Finale: 

«Rock-König» gegen «Schnulzenkaiser»

15. Mai 2008 07:30
Thomas (li.) oder Fady: Wer wird neuer Superstar?
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Samstagabend wird Deutschland einen neuen Superstar haben. Im Finale der fünften Staffel tritt Thomas Godoj gegen Fady Maalouf an. Egal wer gewinnt - das Musikbusiness dürfte ihn wohl schnell wieder vergessen haben.

Tobias gegen Mike Leon, Mark gegen Martin und jetzt Thomas gegen Fady: Zum dritten Mal hintereinander machen zwei Männer unter sich den Sieger im RTL-Castingwettbewerb «Deutschland sucht den Superstar» («DSDS») aus. Thomas Godoj, der von den Fans als «Rock-König» gefeierte Sänger polnischer Abstammung, tritt an diesem Samstag gegen «Schnulzenkaiser» Fady Maalouf aus dem Libanon an.

RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger bezeichnet das Finale als «Circus Maximus». Der Kölner Privatsender ist mit dem Showverlauf bislang zufrieden: «DSDS» hat zwar leicht rückläufige Zuschauerzahlen in der laufenden Saison zu verbuchen, aber die wirtschaftliche Bilanz stimmt.

Weibliche Fans sorgen für Männer-Finale

Dass wiederum zwei Männer den Vorstoß ins Finale geschafft haben, dürfte daran liegen, dass mehr weibliche Anhänger kostenpflichtig in den Call-Zentren anrufen, um ihren Favoriten beim Weiterkommen zu unterstützen. Das Nachsehen hatte möglicherweise aus diesem Grund die junge «Soul-Diva» Linda Teodosiu (16), die im Halbfinale am vergangenen Samstag ausschied. «Ich hatte eine Sekunde darüber nachgedacht, ob wir nicht kurzfristig das Regelwerk ändern und wegen der hohen Qualität der drei Kandidaten alle ins Finale einziehen lassen», sagt Sänger. «Aber wahrscheinlich hätte ich dafür großen Ärger mit den Lizenzgebern bekommen.»

Ob aus dem Sieger dieser Woche wirklich ein «Superstar» wird, bleibt ohnehin fraglich, denn bislang sind die Gewinner der vier vergangenen Staffeln nur teilweise im Gedächtnis haften geblieben. Alexander Klaws singt inzwischen im Musical «Tanz der Vampire» mit. Auf ihn folgte Rockröhre Elli Erl. Die heute 28-Jährige bekam für ihr jüngstes Album «Moving On» gerade mal einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die sie noch als Show-Kandidatin genoss. Schnell ruhig wurde es auch um Tobias Regner, Gewinner der dritten Staffel und inzwischen ohne Plattenvertrag. Die Echo-Nominierung des Sängers («I Still Burn») ist die letzte «News» auf seiner Internetseite - das war vor einem Jahr.

Nur Mark Medlock und die No Angels erfolgreich

Vorjahressieger Mark Medlock gewann die begehrte Trophäe als «Newcomer» sogar. Er verkaufte über eine Millionen Platten und verdrängte gerade mit seiner Single «Summer Love» Madonna von Platz eins der Charts. Bleibt abzuwarten, wie sehr seine Fan-Gemeinde schrumpft, wenn Thomas Godoj oder Fady Malouf den Thron bestiegen haben.

Was für «DSDS» gilt, trifft auf andere Castingstars nicht weniger zu, ob Nu Pagadi, Bro'Sis, die Preluders, Overground oder Monrose. Lediglich die ersten ProSieben-«Popstars»-Gewinner No Angels konnten sich lange behaupten. Nach einer Pause traten sie ihr Comeback an und vertreten Deutschland nun beim Eurovision Song Contest in Belgrad.
Kritiker werfen den Sendern vor, dass sie ihre Stars verheizen und die vermeintliche «Superstar»-Suche nur eine musikalisch verpackte Seifenoper sei. «Die Show bietet eine fantastische Startrampe, um wirklich bekannt zu werden», sagt Thomas Sänger. «Aber der Titel «Deutschland sucht den Superstar» muss natürlich erklärt und erläutert werden. Der Sieger braucht - wie Medlock - eine Stimme und eine Story.»

Sicher ist: Er bekommt wie üblich einen Plattenvertrag mit der Firma Sony BMG. Ein «Produzentenkonsortium» und nicht Juror und Produzent Dieter Bohlen kümmert sich um seine Musik. Tourneen, Fernsehauftritte, ein Album, Videodrehs und Autogrammstunden warten bei der Vermarktungsschleife auf ihn. Die wirklichen Sieger stehen aber schon jetzt fest: TV-Sender RTL ist trotz leicht rückläufiger Marktanteile von 29,3 Prozent beim jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 Jahren mit den Quoten zufrieden. Zunehmend nutzen immer mehr Fans auch das Abruf-Angebot von RTL.now im Internet - insgesamt, teilt der Sender mit, habe es auf allen RTL-Plattformen 50 Millionen Abrufe gegeben. Auch hier wird an der Werbung verdient.

25 Millionen Anrufe pro Sendung

Exakte Zahlen sind schwer zu erfahren. Experten sprechen davon, dass bis zu 25 Millionen kostenpflichtige Anrufe pro Staffel getätigt würden, was immerhin einen Brutto-Umsatz von 12,5 Millionen Euro ausmachen würde. Die Showreihe selbst kostet den Sender, der diese Werte nicht bestätigt, nach Schätzungen rund zehn Millionen Euro. Neben RTL profitieren die Telefondienstleister, die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment, der Lizenzgeber Fremantle und letztlich der Erfinder der Sendung, Spice-Girls-Schöpfer Simon Fuller aus England, von der Show. Sie läuft mittlerweile in 35 Ländern, zumeist unter dem englischen Titel «Pop Idol» und brachte dort international erfolgreiche Künstlerinnen wie Kelly Clarkson hervor.

Am Samstag werden die Finalisten jeweils drei Titel singen, unter anderem einen, der eigens für sie geschrieben wurde und als Single veröffentlicht werden soll. Während die Solokarriere des Siegers dann ihren Lauf nimmt, wird RTL bereits an der nächsten Staffel seines Formats arbeiten. «Der Erfolg verpflichtet zur Fortsetzung», sagt Sänger. Ob das Casting zur sechsten Staffel jedoch wie bei der fünften bereits im Spätsommer beginnt, sei noch offen. Sicher sei jedoch, dass sich am Konzept einiges ändern werde, der Dokusoapanteil über die Kandidaten werde steigen. Höchstwahrscheinlich sitzt Dieter Bohlen auch beim nächsten Mal wieder in der Jury. (Carsten Rave und Dorit Koch/dpa)
 
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