04. Dez 2007 08:06
CDU-Chefin Merkel trug ihre Rede in 74 Minuten vor, gearbeitet hat ihr Stab daran drei Wochen.
hat den Weg des Manuskripts rückverfolgt.
Auf Seite sechs wurden die gewagten Sticheleien gegen überhöhte Managergehälter und gegen Gerhard Schröder festgeschrieben – nämlich dass der Chef eines japanischen Autounternehmens ungefähr das Zwanzigfache eines Arbeiters verdiene, was wiederum in etwa das Doppelte der Bezüge eines deutschen Bundeskanzlers ausmache, «wenn er nicht gerade in der Schweiz für die russische Gaswirtschaft tätig ist». Hoppla! So aggressiv-spöttisch erlebte man «Angie» bisher nicht.Was hat sie da geritten?
Ein langjähriger Zuarbeiter: «Sie hatte einfach die Nase voll von Schröders Sticheleien der letzten Zeit - dessen Kritik am Empfang des Dalai Lama durch Merkel und ihrem harten Ton gegenüber Putin. Überhaupt störte sie Schröders aufgeblasenes Verhalten, nicht zuletzt in der Nacht der letzten Bundestagswahl.»
Jedenfalls, Niedersachsens Ministerpräsident und CDU-Präsidiumsmitglied Christian Wulff befand: «Eine großartige Rede!»
Wie entsteht eigentlich eine derartige Rede? Verfasst Merkel sie allein? Hat sie einen Ghostwriter? Nein, so ein Werk ist immer Teamarbeit. Auch schon bei ihren Vorgängern Schröder, Kohl und Schmidt.Wie bereits eingangs vermerkt, bekam vor drei Wochen in der CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, der Arbeitsbereich «Strategische Planung und Kommunikation», kurz «SP» genannt, unter seinem Leiter Joachim Koschnicke Auftrag, einen ersten Entwurf zu erstellen. Dafür wurden von Experten für bestimmte Sachgebiete sowohl in der CDU-Zentrale als auch im Kanzleramt beziehungsweise von Ministerien «Versatzstücke» angefordert und unter Mithilfe der Leiterin des Kanzlerbüros, Beate Baumann, die erste Vorlage für die Kanzlerin erstellt. Dann legte diese selbst Hand an, redigierte mit grünem Stift: Strich Sätze aus, fügte andere hinzu, machte Vermerke an den Rand («hier bitte ausführlicher»), setzte Fragezeichen, holte selbst telefonisch Auskünfte ein.
So wanderte die erste Vorlage zurück an den Planungsstab im Adenauer-Haus. Nach einiger Zeit kam der zweite Entwurf für die Kanzlerin beziehungsweise Parteivorsitzende. Das wiederholte sich noch ein zwei Mal. Bis, wie gesagt, in die letzte Nacht vor dem großen Auftritt.