netzeitung.deMerkel hatte von Schröder die Nase voll

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Attacken auf Schröder und die SPD: Merkel in Hannover (Foto: dpa/Kay Nietfeld<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Attacken auf Schröder und die SPD: Merkel in Hannover
Foto: dpa/Kay Nietfeld
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

CDU-Chefin Merkel trug ihre Rede in 74 Minuten vor, gearbeitet hat ihr Stab daran drei Wochen. Graf Nayhauß hat den Weg des Manuskripts rückverfolgt.

Fast acht Minuten währte der Schlussapplaus für Angela Merkels Parteitagsrede in Hannover. Genau sieben Minuten und 50 Sekunden. Ausgedruckt war die Ansprache elf Seiten lang. Gearbeitet haben die Kanzlerin und zahlreiche Mitarbeiter daran drei Wochen! Noch am Abend vor dem Parteitag saß man im Radisson SAS Hotel über dem Text bis tief in die Nacht.

Auf Seite sechs wurden die gewagten Sticheleien gegen überhöhte Managergehälter und gegen Gerhard Schröder festgeschrieben – nämlich dass der Chef eines japanischen Autounternehmens ungefähr das Zwanzigfache eines Arbeiters verdiene, was wiederum in etwa das Doppelte der Bezüge eines deutschen Bundeskanzlers ausmache, «wenn er nicht gerade in der Schweiz für die russische Gaswirtschaft tätig ist». Hoppla! So aggressiv-spöttisch erlebte man «Angie» bisher nicht.

Was hat sie da geritten?

Ein langjähriger Zuarbeiter: «Sie hatte einfach die Nase voll von Schröders Sticheleien der letzten Zeit - dessen Kritik am Empfang des Dalai Lama durch Merkel und ihrem harten Ton gegenüber Putin. Überhaupt störte sie Schröders aufgeblasenes Verhalten, nicht zuletzt in der Nacht der letzten Bundestagswahl.»

Jedenfalls, Niedersachsens Ministerpräsident und CDU-Präsidiumsmitglied Christian Wulff befand: «Eine großartige Rede!»

Wie entsteht eigentlich eine derartige Rede? Verfasst Merkel sie allein? Hat sie einen Ghostwriter? Nein, so ein Werk ist immer Teamarbeit. Auch schon bei ihren Vorgängern Schröder, Kohl und Schmidt.

Wie bereits eingangs vermerkt, bekam vor drei Wochen in der CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, der Arbeitsbereich «Strategische Planung und Kommunikation», kurz «SP» genannt, unter seinem Leiter Joachim Koschnicke Auftrag, einen ersten Entwurf zu erstellen. Dafür wurden von Experten für bestimmte Sachgebiete sowohl in der CDU-Zentrale als auch im Kanzleramt beziehungsweise von Ministerien «Versatzstücke» angefordert und unter Mithilfe der Leiterin des Kanzlerbüros, Beate Baumann, die erste Vorlage für die Kanzlerin erstellt. Dann legte diese selbst Hand an, redigierte mit grünem Stift: Strich Sätze aus, fügte andere hinzu, machte Vermerke an den Rand («hier bitte ausführlicher»), setzte Fragezeichen, holte selbst telefonisch Auskünfte ein.

So wanderte die erste Vorlage zurück an den Planungsstab im Adenauer-Haus. Nach einiger Zeit kam der zweite Entwurf für die Kanzlerin beziehungsweise Parteivorsitzende. Das wiederholte sich noch ein zwei Mal. Bis, wie gesagt, in die letzte Nacht vor dem großen Auftritt.

Einen Punkt unter das Gesagte
Damit eine Rede bei rund 1000 Parteitagsdelegierten und der anwesenden Presse gut ankommt, ist letztendlich entscheidend, dass Merkel die Sachthemen «drauf» hat und eine gute Performance abgibt. Beides hat sie sich in den zwei Kanzlerjahren angeeignet.

Kein Thema, das sie nicht schon bei anderer Gelegenheit durchkaute und damit an Sicherheit gewann. Längst spricht sie locker, den Blick mal nach rechts, mal nach links ins Publikum gerichtet, mit den Händen die Worte unterstreichend, mal mit einladender Geste, mal Daumen und Zeigefinger zu einem Ring formend, als setze sie eine Punkt unter das eben Gesagte.

Da kommt es gar nicht so sehr auf den Inhalt an, da darf ruhig einmal etwas fehlen, nicht jedermanns Meinung treffen. Entscheidend ist der Gesamteindruck. Und der trug Angela Merkel in Hannover fast acht Minuten Applaus ein.