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Als Schäuble einfach weiter laberte

24. Sep 2007 10:30
Anne Will
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Hoch her ging es bei der zweiten «Anne Will». Die Teilnehmer fetzten sich, wie Graf Nayhauß befriedigt feststellt. Es ging ja auch um ein heikles Thema: Den Abschuss von Flugzeugen.

Nun also Anne Will am Sonntag zum zweiten Mal. Das Thema nicht schlecht gewählt: «Deutschland vor dem Anschlag? Das Kalkül mit der Angst.» Ängstliche Gemüter werden nach dieser Sendung - der ehemalige israelische Botschafter und Talkgast Avi Primor: «Wir sind im Kriegszustand» - den Kartoffelkeller vorsorglich zum Luftschutzkeller umbauen.

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Lebhaft ging es jedenfalls diesmal bei der Christiansen-Nachfolgerin zu. Vor allem, als über die von Verteidigungsminister Franz Josef Jung ausgelöste Debatte diskutiert wurde, ob ein von Terroristen entführtes Linienflugzeug mit Ziel auf ein Atomkraftwerk oder gefülltes Fußballstadion vorher abgeschossen werden soll? Die Teilnehmer fetzten sich.

«Sie reden unter Niveau»

Der Bundesinnenminister zischte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, an: «Sie reden unter Niveau» Nur wurde leider manchmal so durcheinander gequatscht, dass der Zuschauer daheim kein Wort verstand. Dann passierte der Moderatorin gleich anfangs eine unverzeihliche Unterlassung. Zunächst fragte sie bravourös den nach Aufzeichnung der Sendung ein Flugzeug nach Washington besteigenden Wolfgang Schäuble: Falls seine Maschine von Terroristen entführt werden würde, «wären Sie dann mit einem Abschuss einverstanden?» Ich hielt die Luft an. So gespannt war ich auf die Antwort.

Und was sagte Schäuble? Dass er natürlich damit einverstanden sei? Er, der Hardliner in Merkels Mannschaft, der die Forderung seines Kabinettskollegen Jung unterstützt! Weit gefehlt! Schäuble seufzte einmal tief, ließ quälend lang Sekunden verstreichen, um schließlich zu entgegnen: «Wissen Sie, diese theoretischen Diskussion sind immer richtig schwierig.»

«Ja oder nein?»

Dann laberte er weiter, blieb Anne Will eine klare Antwort schuldig. Und sie versäumte es, Schäuble die Pistole auf die Brust zu setzen: «Einverstanden mit Abschuss - ja oder nein?» Sie versuchte es später immerhin noch mal, eine Antwort zu erhalten, doch der Polit-Profi wich gekonnt aus.

Neben Schäuble saß der FDP-Politiker Gerhart Baum, von 1978-1982 selbst Bundesinnenminister, also zu Zeiten des Terrors der Rote Armee Fraktion (RAF). Sein Standpunkt: «Wir haben keine Möglichkeit, Menschenleben gegen Menschenleben aufzurechnen.» Gemeint: Flugzeugpassagiere mit Abschuss zu opfern, damit eine größere Zahl von Menschen vor einem Anschlag gerettet werden kann. Er erhält den ersten Applaus im Studio.

Baum, der bereits durch eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht das so genannte «Luftsicherheitsgesetz» - noch unter Rot-Grün auf den Weg gebracht - kippte, drohte jetzt: «Ich würde sofort wieder nach Karlsruhe gehen!» Ihm pflichtete die Künast bei. Und: «Jung müsste zurücktreten, weil ihm die Bundeswehr nicht mehr folgt!»

«Den Befehl nicht ausführen»

Vorher hatte nämlich Anne Will den «Gast auf dem Sofa» befragt - diesmal Thomas Wassmann, vormals 2. Mann in einem Kampfjet der Bundeswehr, jetzt Bundesvorsitzender des Verbands der Besatzungen strahlgetriebener Kampfflugzeuge der Deutschen Bundeswehr (VBSK) mit etwa 800 Mitgliedern. Er: «Ich empfehle, wenn dieser Befehl, ein entführtes Flugzeug abzuschießen, kommen sollte, ihn nicht auszuführen.»

Gegen Ende der Sendung wurde ein Geheimnis gelüftet, das mir eine Gänsehaut einjagte. Bereits in 250 Fällen waren über dem Bundesgebiet Flugzeuge vom vorgeschriebenen Kurs abgekommen, so dass Abfangjäger der Luftwaffe aufsteigen mussten. Hinterher stellten sich die Kursabweichungen als harmlos heraus. Aber wehe, einer der Piloten hätte die Nerven verloren, oder in seiner Beflissenheit gar der Verteidigungsminister.

 
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