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Erst schießen, dann fragen

20. Sep 2007 10:01
Minister Jung verabschiedet Piloten nach Afghanistan. Bundeswehr-Tornados könnten auch in Deutschland zum Einsatz kommen
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Dämlich sei die Ankündigung des Verteidigungsministers, im Terrorfall gekaperte Flugzeuge abschießen zu lassen, meint Graf Nayhauß. Jung soll nicht herumphilosophieren, sondern dann handeln, wenn es nötig ist.

Verteidigungsminister Jung hat eine völlig überflüssige Debatte losgetreten - mit seiner im Magazin «Focus» getroffenen Äußerung für den Fall eines gekaperten Passagierflugzeugs durch Terroristen: «Wenn es kein anderes Mittel gibt, würde ich den Abschussbefehl geben (...)». Gemeint, um Schlimmeres zu verhindern, etwa die Ansteuerung eines Hochhauses oder vollbesetzten Fußballstadions in mörderischer Absicht.

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Die mehrstündige Bundestagsdebatte am Mittwoch zu diesem Thema war die Stunde der Paragrafenreiter. Jeder, der noch im Zweiten Weltkrieg im Einsatz war, weiß, dass es Situationen gibt, die nicht durch Vorschriften geregelt sind - etwa wenn man irrtümlich unter Beschuss durch die eigene Truppe geriet; heute «friendly fire» genannt. Durfte man, wenn alle Versuche fehlschlugen, sich erkennen zu geben, zurückschießen? Man tat es einfach.

Durfte man, nachts auf Posten in vorderster Linie, schießen, wenn sich schemenhaft Gestalten näherten und auf Anruf 'Halt, wer da? Parole?' nicht reagierten? - Gemeint auf ein für 24 Stunden vereinbartes Kennwort, vielleicht weil sie es vergessen hatten oder einer anderen, deutschen Einheit angehörten und von einem Spähtruppunternehmen zurückkamen. Oder war es der Feind? Damals kursierte unter Landsern die makabere Faustregel: Erst schießen, dann fragen: «Wer da?»

Hätte doch in der bizarren Parlamentsdebatte wenigstens einer den Verteidigungsminister gefragt, ob er auch den Abschussbefehl erteilen würde, wenn die Kanzlerin an Bord wäre? Ein anderer hätte Angela Merkel fragen sollen, ob sie eine grundsätzliche, schriftliche Weisung hinterlegt hat, dass im Fall ihrer Entführung auf Forderungen der Kidnapper nicht einzugehen sei. Dass mithin der Staat auch in diesem Fall nicht erpressbar ist. Das hätte interessiert.

Nur zur Erinnerung: Eine solche Anweisung hatte der SPD-Kanzler Helmut Schmidt (1974 - 82) während des Terrors durch die RAF hinterlegt. Für sich und seine Frau Loki. Zwei furchtlose, verantwortungsvolle Menschen.

Jungs Ankündigung eines Schießbefehls ist - abgesehen vom moralischen Aspekt - schlicht dämlich. So etwas posaunt man nicht vorher philosophierend raus, sondern handelt in Selbstverantwortung, wenn die Situation gegeben ist. Getreu der angelsächsischen Weisheit: «We cross that bridge when we come to it.»

 
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