17. Sep 2007 08:57
Anne Wills erste ARD-Talkrunde bot nicht viel Neues: Das Studio hatte die Ausstrahlung einer Hotellobby und die Moderatorin blieb mehr eine Antwort schuldig, berichtet
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Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für Sabine Christiansens Nachfolgerin Anne Will, die Sonntagabend ihre erste ARD-Talkrunde zu bestehen hatte.Geschminkt ist sie perfekt - kein Fältchen, keine Augenringe, das lange dunkle Haar umschmeichelt das schöne Gesicht. Wenn nur die zwölfköpfige Redaktion so perfekt wie die «Maske» ihr zugearbeitet hätte! Als sie ihrem prominentesten Gast, SPD-Chef Kurt Beck, vorhält, er, der beharrlich gesetzliche Mindestlöhne fordert, sei noch vor einem Jahr dagegen gewesen, kontert dieser: «Stimmt nicht! Weiß nicht, wer hat Ihnen das gesagt?» Da kommt die schöne Anne plötzlich ins Schwimmen, ihr Lächeln wirkt plötzlich verlegen. Die Antwort bleibt sie schuldig.
Das Studio ist neu und gewöhnungsbedürftig, liegt nicht wie bei der Christiansen im Zentrum Berlins, wo das Leben pulsiert, sondern am Rande der Stadt, in Adlershof, mit einem Team am Sendetag von fast 100 Leuten! Was für ein Aufwand! Den Gebührenzahler wird's freuen! Der weitläufige Raum ist in goldgelbem Ton gehalten, hat die Ausstrahlung einer Upperclass-Hotellobby.Thema der Sendung: «Rendite statt Respekt - Wenn Arbeit ihren Wert verliert.» Außer den schon genannten Politikern diskutieren mit die Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, eine Gottesvertreterin mit Scheidungshintergrund und leicht geschminkten Lippen sowie Telekom-Chef Rene Obermann. Die Kirchenfrau spricht für die Underdogs: «Die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist da. Das macht die Menschen krank.» Sie bekommt den meisten Applaus.
Der Telekom-Boss vertritt nach Anne Wills Konzept den Rausschmeißer in der Arbeitswelt. Er hat in seinem Konzern 50.000 Arbeitnehmer in sogenannte Service-Gesellschaften ausgegliedert, wo sie weniger verdienen aber länger arbeiten müssen. Obermann zieht sich die Jacke des Bösewichts nicht an: «Bitte lasst uns immer vor Augen halten, wo wir (in Deutschland) vor zwei Jahren standen» - statt bei fünf Millionen Arbeitslosen demnächst bei nur 3,5 Millionen.
Auch dabei eine Kerstin Weser, die täglich 65 Kilometer Anfahrt zu Arbeit in einem Call Center bei fünf Euro Stundenlohn hat. Und ein Psychotherapeut, der Menschen mit Burn-out-Syndrom behandelt. «Nicht nur Manager. Es gibt auch immer mehr Lehrer, die ausgebrannt sind.» Soll heißen: Unser gesellschaftliches System ist schuld.
Es wird viel Richtiges gesagt, jedoch nichts Neues. Die Meinung der Zuschauer ist später im Internet nachzulesen:
«Chance verpasst, also weiterhin viel Spaß beim Einlullen!»
«Schalte jetzt ab. Ist das die neue Dekadenzshow im Ersten?»
«Der Auftakt ist Euch gelungen.... Weiter so!»
«Leider ist es wie immer: Die Politiker streiten sich, lassen sich gegenseitig nicht ausreden.»
«Dachte, jetzt kommt mal was Neues von Anne Will, aber es ist nur der Abklatsch von Christiansen.»
Das gilt zumindest für die Beinhaltung der Anne Will, die einen grauen Hosenanzug trägt. Mal rechtes Bein angewinkelt über das linke, mal linkes über das rechte, dann wieder umgekehrt und so weiter und so fort. Stoff für Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner!