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Warum Wolfgang Schäuble Angst macht

26. Jul 2007 09:43
Wolfgang Schäuble
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Jedes Mal wenn er Wolfgang Schäuble im Rollstuhl sieht, breche ihm das Herz, schreibt Graf Nayhauß. Der Grund: Ein Schlüsselerlebnis zwei Jahre vor dem Attentat, das ihn 1990 zum Krüppel machte.

Ich besuchte ihn im Winterurlaub. Damals waren Politiker noch nicht so zickig wie heute, wenn sich Journalisten für ihre Ferien interessieren. Der Wien-Zürich-Express brachte mich nach Langen am österreichischen Arlberg. Mit dem Taxi über eine verschneite Passstraße nach Lech. Eine Kabinenseilbahn mit Eisblumen an den Scheiben hievte mich zu nächtlicher Stunde auf 1700 Meter Höhe. Dort in der «Sonnenburg», einem Vier-Sterne-Hotel, urlaubte er mit seiner hübschen Frau Ingeborg und den Kindern Christine, Hans-Jörg, Juliane, Anna.

Er trug zur grauen Flanellhose einen blaugrünen Pullover von Giorgio Armani. «Für meine Pullover ist meine Frau zuständig. Anzüge kaufe ich selber.»

Am nächsten Morgen gingen wir zu zweit Skilaufen. Diesmal trug er einen modischen Skianzug von Bogner, glitt auf «Atomic»-Brettern dahin. Es war bibberkalt. Die Pudelmütze verfremdete sein Gesicht mit der vor Kälte geröteten Nase. Dann setzte auch noch die Sicht versperrendes Schneetreiben ein. Schäuble: «Macht nichts. Fahren Sie hinter mir, ich bring uns sicher runter.»

Beneidenswert elegant wie ein Skilehrer im schmalspurigen Parallelschwung, lotste er uns zum Hotel. «Wenn Sie Nerven haben, können Sie ja mit uns Mittag essen.»

Anna, mit drei Jahren die Jüngste, kreuzte auf. «Ich will Pipi, Dudu und Handschuh.» Der «Dudu», der Schnuller, lag dekorativ neben dem Herrn Minister, damals Helmut Kohls Kanzleramtschef. Der Handschuh war unauffindbar, die Toilettenarie über nahm Frau Schäuble. Bei Tisch redeten wir über Kohl. Schäuble augenzwinkernd: «Ein Kanzler sagt natürlich immer die Wahrheit.» Wir sprachen über Gesetzesvorhaben - fast dieselben wie heute. Er: «Wir müssen die Krankenkosten in den Griff kriegen.»

Irgendwann schauten Annas hübsche blauen Kulleraugen den Papi bittend an: «Wo ist Christine? Ich langweile mich so.» Als sei es das Selbstverständlichste der Welt, ein Journalistengespräch zu unterbrechen, um einem Kind die Langweile zu nehmen, stand er auf, die Schwester zu suchen.

Warum nun überkommt mich jedes Mal die Erinnerung an jenen Besuch in den Bergen, wenn ich heutzutage Schäuble treffe?

Erstens empfinde ich es vom Schicksal höchst ungerecht, ausgerechnet einen so sportlichen Mann in den Rollstuhl verbannt zu haben. Zweitens denke ich an den fürsorglichen Familienvater Schäuble, der heute als Bundesinnenminister mit unerbittlicher Härte vorbeugende Maßnahmen gegen mutmaßliche Terroristen fordert - gezielte Todesschüsse auf Terroristen (Schäuble: «target killing»), Internierung von Tatverdächtigen, Internet- und Handyverbot, verdeckte Online-Durchsuchung von Computern - wie passt das zusammen?

SPD-Fraktionschef Peter Struck: «Vorschläge eines Amokläufers.» Heribert Prantl in der «Süddeutschen Zeitung»: «Wolfgang Schäuble macht Angst.»

Als seine Frau, inzwischen Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, letztes Jahr von «Bunte» zur «wichtigsten Frau des Jahres» erkoren wurde, saß ich anschließend mit ihrem Mann beim Italiener «Il punto» am Brandenburger Tor zusammen, sagte: «Wir sollten uns wieder einmal in Ruhe unterhalten.»

Er: «Kommen Sie doch einfach vorbei.»

Abgemacht. Das habe ich mir fest für die Zeit nach meinem dreiwöchigen Sommerurlaub, den ich nächste Woche beginne, vorgenommen. Ich will wissen, was in ihm vorgeht.

 
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