Polizei, so weit das Auge blickt
24.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bisher fanden genau 37 «Gipfel» statt. Über gut ein Dutzend berichtete ich vor Ort. Zum Beispiel in der italienischen Hafenstadt Genua vor sechs Jahren. Reinkommen war so schwer wie hinterher wieder rauszukommen. Absoluter Belagerungszustand. An der ersten Polizeisperre alles Mitgebrachte zur Kontrolle auf dem Straßenpflaster geöffnet und den Inhalt ausgebreitet: Koffer, Kleidersack, Laptop-Tasche, Fotoapparate.
Polizisten so zahlreich wie Tauben. Der Kollege von Sat1 geriet mit seinem Team zwischen Polizei und demonstrierende Chaoten, darunter Deutsche. «Kommt mit!», schrie einer der Vermummten, «wir machen für Euch was kaputt!» Eine italienische Polizistin briet mit ihrem Knüppel einer Pressefotografin eins über - von Frau zu Frau. Alice Schwarzer hätte ihre Freunde gehabt. Alles in allem ein Gipfel des Größenwahnsinns mit 4000 Medienvertretern. US-Präsident Bush kam mit 900 (!) Delegationsmitgliedern, der japanische Ministerpräsident Koizumi mit 600, der deutsche Kanzler, damals Gerhard Schröder, mit bescheidenen 60.
Vor drei Jahren beim Gipfeltreffen auf der Atlantikinsel Sea Island vor der Küste Georgias waren wir zwar «nur» etwas mehr als 2400 Journalisten, dafür standen uns 20.000 Sicherheitskräfte gegenüber. George Bush hatte für diesen Anlass sogar Einheiten der National Guards mobilisiert, Männer und Frauen aus ihren Zivilberufen zu den Fahnen gerufen. Für einen Termin auf Sea Island um 9 Uhr musste ich mich zum Sicherheits-Check um 3:45 Uhr nachts, ausgestattet mit zwei Sonderausweisen, im Pressezentrum einfinden.
Clinton: «Wirklich? Ich hab das schon als Fünfjähriger gespielt.»
Ich: «Siegfried oder den Drachen?»
Er lachte, verpasste mir einen freundschaftlichen Stupser. «Nein, die Schallplatten!»

