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Lupe Endlich kitzelte mal jemand etwas heraus

Viele Talkshows sind inzwischen zum Gähnen langweilig. Doch manchmal treten wirklich interessante Leute auf, findet Graf Nayhauß . Zum Beispiel gerade erst bei Beckmann.

In Deutschland gibt es zur Zeit mehr als 20 Fernseh-Talkshows. Angefangen von Johannes Kerner über Maybrit Illner und Herman & Tietjen bis Riverboat. Friedrich Nowottny, ehemaliger WDR-Intendant, der kürzlich Sandra Maischberger während ihrer Babypause vertrat: «Zwischen den Talkshow-Redaktionen wird auf Hauen und Stechen um die Gäste gekämpft.»

Viele Talkshows sind inzwischen zum Gähnen langweilig. Umso erfreulicher, wenn plötzlich in einer Sendung interessante Leute auftreten, die wirklich etwa zu sagen haben und zudem noch lustig sind. So geschehen in dieser Woche bei Reinhold Beckmann im Ersten.

Angie zieht sich an
Es begann mit dem wirklich komischen Kabarettisten aus dem «Scheibenwischer», Mathias Richling. Köstlich wie der prominente Politiker nachäffte. Ohne Rücksicht. Zum Beispiel Bundespräsident Köhler - leicht schwäbelnd, wie Stoiber mit dem Kopf wackelnd, dazu Bonmots am laufenden Band. Etwa wenn er Horst Köhler über das Gnadengesuch des ehemaligen RAF-Terroristen sagen lässt: «Er will zurück in eine Gesellschaft, die er hasst. Will er sich bestrafen?» Und: «Ich hätte auch anderen Gnade gewähren sollen - George Bush.» Und zum Schluss: «Ich bitte um Gnade für mich.»

Köstlich ein eingeblendeter Sketch mit Darstellern als Angela Merkel und Vizekanzler Müntefering. Dazu «Angie»: «Wir ziehen uns an, aber wir ziehen uns nicht aus.»

Und schließlich ein alter TV-Streifen mit Mathias Richling als Konrad Adenauer, dem ersten Kanzler der Bundesrepublik, der 91 wurde und ein Ansinnen mit der Begründung abschlägt: «Ich bin keine 80 mehr.» Und in Anspielung auf einen Standardsatz Adenauers, «Die Lage war noch nie so ernst», nunmehr: «Darf ich Ihnen eine Lage spendieren?»

Schönebergers Mäulchen
Schließlich kitzelt Beckmann aus Richling heraus, wie Politiker auf solcherart Satire reagieren. «Johannes Rau war sehr pikiert. Ulla Schmidt dagegen beschwerte sich: ‚Wann machste mich nach?'»

Auch die beiden anderen Gäste bei Beckmann waren zuhörenswert. Die Schauspielerin und Moderatorin Barbara Schöneberger gab mit weit aufgerissenem Mäulchen eine Kostprobe ihrer noch gewöhnungsbedürftigen Gesangskunst nebst eines Einspielers mit ihrem Auftritt im «Quatsch Comedy Club». In diesen Tagen wird sie mit einem 16-köpfigen Orchester auf Deutschland-Tour gehen. Beckmann: «Da müssen wir alle hinpilgern!»

Dann trat der Arzt und Autor («Das Ärztehasserbuch») Dr. Werner Bartens auf. Sein Thema: «Was läuft falsch in deutschen Krankenhäusern und Ärzten?» Erschreckend die Beispiele aus berufenem Mund. Zum Beispiel die rotzfreche Antwort eines Stationsarztes auf die Frage einer verängstigten Patientin: «Herr Doktor, muss ich sterben?» «Sterben müssen wir alle.»

«Schwerkranken-Tourismus»
Oder dass unter gewissen Ärzten gesetzlich Versicherte «AOK-Schweine» genannt werden - weil sie nicht die besten Behandlungen bekommen.

Dr. Bartens enthüllt den «Schwerkranken-Tourismus» - gemeint Patienten die, mitunter per Hubschrauber, auf Suche nach einer Aufnahme von Krankenhaus zu Krankenhaus transportiert werden und lebensrettende Zeit verschwendet wird.

Schließlich gibt der Arzt nützliche Empfehlungen. Etwa wenn ein nicht erwarteter Eingriff oder eine außergewöhnliche Behandlung empfohlen wird. Dann sollte man den Doktor frage: «Würden Sie das auch an sich selbst machen lassen? An einem Familienmitglied?»

Fazit: Diesmal eine Talkshow, die wirklich interessant war, bei der zudem das Zuschauen wieder richtig Spaß machte.