Chaos bei Christiansen
Die nächste Überraschung: Unter Christiansens Diskussionsteilnehmern Gabriele Pauli, die Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin, die politisch nicht mehr ernst zu nehmen ist, seit sie für ein Magazin in verführerischer Pose mit schwarzer Maske und Latexhandschuhen posierte. Dabei ging es in der Sendung um Wirtschaftsthemen, um den Aufschwung. «Ist alles nur ein Strohfeuer?», hatte Christiansen anmoderiert.
Auch dabei die Ikone der DDR-Kommunisten, Sahra Wagenknecht, gewandet rot wie deren Fahne. Außerdem eingangs per Einspieler Finanzminister Peer Steinbrück, der die von Angela Merkel und Co. beschlossene Unternehmenssteuer-Senkung im Befehlston kommentierte: «Es sind keine Unternehmensgeschenke!»
Christiansen bescheinigte der «Gabi»: «Sie haben Knut verdrängt!» Aber das war auch nur so dahergeplappert. Denn für die Quote war Knut allemal wichtiger als die Landrätin, die übrigens einen weißen Hosenanzug trug, als wolle sie mit Johannes Heesters «Bel Ami» im Duett singen.
Der Eisbärendoktor: «Das kleine weiße Knäuel mit dunklen Knopfaugen regt bei uns Beschützerinstinkte aus.» Christiansen ließ nicht locker: «Ein Phänomen besonderer Art! 500 bis 600 Journalisten reisen an, Kinder schreien, als ob 'Tokio Hotel' käme.»
Es war Peter Hahne, der das Wirtschaftsthema zurück auf die Gesprächsliste brachte. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck habe ihm bescheinigt, «ohne preußische Tugenden wie Fleiß ginge es nicht».
Die Wagenknecht, nach dem Slalom von der SED über die PDS jetzt bei der Linkspartei: «Nur die Reichen werden durch die Reformpolitik gemästet». «Das ist doch Quatsch, was sie sagen,» funkte der SPD-Mann Stiegler, dessen Markenzeichen ein roter Pulli ist, dazwischen. «Mindestlöhne müssen wir machen!»
Der Unternehmensberater verteidigt die Millionenbezüge von Manager mit dem schiefen Argument: «Wenn wir Topmanager in Deutschland halten wollen, müssen sie auch hinreichend bezahlt werden.» Dass für jeden Abwanderer erfahrungsgemäß kompetente Nachrücker in den Startlöchern hocken, verschwieg er.
Christiansens Beitrag zum Thema überhöhter Managerbezüge: «Da wurde der Löffel wieder in die Suppe gehalten.»
Der Landrat: «Erste Korrektur: Mein Kreis liegt in Mecklenburg-Vorpommern.» Und: «Wir ziehen uns gemeinsam an den Haaren aus dem Sumpf.»
Es wurde noch viel geredet. Der SPD-Mann Stiegler sprach die Linke Wagenknecht mit «Gnädige Frau» an. Schließlich machte Sabine Christiansen mit Blick in die Kamera die Absage: «Grüßen Sie Knut von uns allen! Bis nächsten Sonntag!»
Merke: Nächsten Sonntag ist Ostern, und die Talkshow fällt aus.
