netzeitung.deDeutsche Panzer für Afghanistan

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Deutscher Panzer 'Leopard 2' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Deutscher Panzer 'Leopard 2'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Dass Deutschland keine Rüstungsgüter in Spannungsgebiete liefert, schert den kanadischen Nato-Partner wenig. Das Land hat deutsche Kampfpanzer bestellt - für den Einsatz am Hindukusch. Nun tüftelt Berlin, wie sie geliefert werden können.

Von Mainhardt Graf von Nayhauß

Im Verteidigungsministerium auf der Bonner Hardthöhe reibt man sich die Hände: Sechs Aufklärungs-Tornados wollte man für den Afghanistan-Einsatz bewilligt bekommen, acht bekam man gestern per Kabinettsbeschluss. Der Bundestag muss zwar noch diese Entscheidung absegnen, aber kaum jemand glaubt, dass das Parlament nicht nachziehen wird.

Die Luftwaffe kann die beiden Extramaschinen gut gebrauchen - nicht für Erkundungsflüge, sondern zum «Kannibalisieren», wie es im Militärjargon heißt: Zum Ausschlachten, um schnell Ersatzteile zu haben, wenn diese auf dem Feldflughafen im afghanischen Mazar-e-Sharif nicht vorhanden sind und erst über eine Luftbrücke aus Deutschland zeitraubend beschafft werden müssen.

Denn: Besagte Tornados sind bereits 25 Jahre alt und entsprechend reparaturanfällig.

Das Problem wäre also gelöst. Aber das nächste wartete schon. Es würde nicht überraschen, wenn die Bundeskanzlerin und das Kabinett davon noch keinen blassen Schimmer haben!

Der kanadische Nato-Partner und Verbündete im umkämpften Süden Afghanistans möchte von der Bundesrepublik 20 Panzer des neusten Typs, den Leopard 2/A6, beziehen. Die kanadischen Streitkräfte benutzen bereits die ältere Version, den «Leo 1». Aber für den Kampf gegen die Taliban hätten die Kanadier gern das neuste auf dem Markt.

Normalerweise wäre das ein gutes Geschäft für die deutsche Rüstungsindustrie, vor allem für den Münchner Konzern Krauss-Maffei, der den Leopard-Panzer baut. Der Leo 2 besitzt dank einer leistungsstärkeren Munition eine höhere Feuerkraft als der Leo 1, ist mit einer 120 Millimeter-Kanone ausgerüstete, kann Ziele bis zu vier Kilometer Entfernung bekämpfen. Er hat einen 1200 KW-Motor und bringt es damit auf eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometer, was für ein 60 Tonnen schweres Ungetüm beachtlich ist.

Das Problem ist nur: Bisher war es die Politik aller Bundesregierungen, keine Rüstungsgüter in Spannungsgebiete zu exportieren. Der Bundessicherheitsrat - ein streng geheim tagender Unterausschuss des Kabinetts - hat über jeden Ausfuhrantrag zu befinden. In ihm sitzen die Kanzlerin, die Minister für Verteidigung, des Äußeren, Inneren, der Wirtschaft und Finanzen sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr.

Allerdings, an einem Schlupfloch zur Umgehung der Exportrestriktion wird schon gebastelt. So ist zum Beispiel daran gedacht, dass die Kanadier die zwanzig Leo 2-Panzer nur leasen - was streng genommen kein Exportgeschäft wäre.

Not macht auch in diesem Fall erfinderisch.