18. Jan 2007 07:07
Wie sollten sich Politiker verhalten, deren amouröse Abenteuer aufgedeckt werden? So wie CSU-Vize Horst Seehofer jedenfalls nicht. Der sagt nichts zu seiner Liebes-Affäre. Zum Glück gibt es andere, die es besser machen.
Von Mainhardt Graf von NayhaußDas Erschreckende am aufgedeckten Liebesleben Horst Seehofers ist für mich nicht die moralische Seite. Sondern wie hilflos und verheerend falsch der CSU-Minister, der noch bis vor wenigen Tagen für höchste Ämter gehandelt wurde, reagiert: Nämlich gar nicht.
Durch seine Pressestelle lässt er mitteilen, er würde «auch in den nächsten Tage nichts sagen». Dämlicher geht's nimmer.
Wie man sich «mediengerecht» verhält, wenn man beim Seitensprung mit Folgen erwischt wird, bewies vor etlichen Jahren Willy Brandts Kanzleramtsminister Horst Ehmke (SPD). Ich schrieb damals, als ich ihm auf die Schliche kam, für das heute nicht mehr existierende Münchner Magazin «Jasmin» und bat Ehmke um ein Gespräch.
Die damalige Situation war für ihn viel heikler als heute für Seehofer. Ehmke, auch verheiratet und drei Kinder, hatte eine Freundin, ausgerechnet eine Tschechin namens Maria Hlavácová. Es herrschte der Kalte Krieg zwischen Ost und West. Die Russen waren in Prag einmarschiert, um einen Volksaufstand gegen das kommunistische Regime niederzuwalzen.
Als Kanzleramtsminister oblag Ehmke - wie heute Thomas de Maizière bei Angela Merkel - die Aufsicht über die deutschen Geheimdienste. Ausgerechnet in dieser heiklen Schlüsselposition leistete er sich ein Gschpusi mit einer schönen, jungen Emigrantin aus der damaligen Tschechoslowakei. Etwa mit einer Agentin?
Ehmke, mit meinem Wissen konfrontiert, schaltete schnell: «Ich bin dabei, meine familiären Verhältnisse zu ordnen. Meine beiden Töchter stehen gerade im Abitur. Wenn Sie jetzt nichts veröffentlichen, kriegen Sie nachher das erste Exklusiv-Interview mit Maria und mir.» Ich willigte ein, hielt mich wie er an unsere Absprache. So löst man elegant eine heikle Angelegenheit.
Die Scheidung ging über die Bühne, ich erhielt zum frühst möglichen Termin das versprochene Interview. Daraus entstand eine schön bebilderte Reportage: Die neue, gerade mal fünfundzwanzigjährige Frau Ehmke, in einem zu ihrem pechschwarzen Haar effektvoll kontrastierenden roten Top verführerisch hingehaucht auf einem Bootssteg am Starnbergersee. Das Aufmacherfoto über eine ganze Doppelseite hingeblättert.
Nach dieser Geschichte, die ein Lehrstück für «anständiges» und kluges Verhalten zwischen Journalisten und Politikern bei der Aufdeckung amouröser Abenteuer abgibt, entstand eine enge Freundschaft, die nun schon über 30 Jahre währt. Nicht nur zwischen ihm und mir, auch zwischen unseren Familien, bis zu unseren Töchtern. Ehmke ist der einzige Politiker, mit dem ich mich duze.
Seine Parteifreunde wollten partout nicht verstehen, dass er und seine Frau mit einem «Grafen» verkehrten. Der Grund ist das oben geschilderte Gentlemen's Agreement.
Am 5. Februar feiert er in Berlin seinen 80.Geburtstag mit einem Abendessen in einem schicken Restaurant. Zu den Geladenen zählen prominente Genossen, wie Finanzminister Peer Steinbrück und SPD-Fraktionschef Peter Struck.
Aber auch meine Frau und ich.