Bolzverbot für Bundeswehr im Ausland!
12.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Wie steht es eigentlich um die Gesundheit unserer rund 9000 Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz? Was sind die häufigsten Erkrankungen? Verwundungen durch Feindeinwirkung? Stress durch Gefahr, Erkältungen, Durchfall, Geschlechtskrankheiten?
Aufschluss darüber gibt eine interessante Statistik des Verteidigungsministeriums. Die aktuellste gibt Aufschluss über die medizinischen Behandlungen vom 1. Januar 2006 bis Ende September und umfasst die wichtigsten fünf Einsatzgebiete: Afghanistan, Kongo, Kap Horn/Dschibuti, Kosovo, Bosnien-Herzegowina.
Bei den dort eingesetzten jeweils rund 7800 Soldaten fielen 36.479 Behandlungen an! Eine erstaunlich hohe Zahl, wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass der Auslandseinsatz für den Einzelnen jeweils vier Monate dauert, dass also im Zeitraum der Statistik mindestens die doppelte Zahl der Soldaten vor Ort war. Außerdem versichert ein Sprecher des Verteidigungsministeriums: «Das entspricht dem Krankenstand zu Haus in Deutschland.»
Das gilt übrigens auch für die Art der Erkrankungen, als da waren vor allem Erkältungen, Grippe, Kreislaufbeschwerden, Magen- Darmerkrankungen, Unfallverletzungen, Zahnschmerzen, Bissverletzungen, Insektenstiche und - Sportverletzungen!
Im Kosovo gab es die meisten Infektionen der Atemwege (1447). In Afghanistan war's der «Dünnpfiff» (1508 Fälle). In Afghanistan aber auch die meisten Verletzungen durch feindliche Waffeneinwirkung (21); im Kosovo erwischte es fünf Soldaten, in den drei anderen Einsatzgebieten, zum Beispiel im Kongo, gab es in besagten neun Monaten dieses Jahres keine Verwundungen. Besonders erfreulich: Während Amerikaner und Briten Hunderte von Gefallenen zu beklagen haben, gab es bei der Bundeswehr keinen einzigen Anschlag mit Toten.
Wer je beim «Barras» diente, weiß wie hoch die Verletzungsgefahr ist - besonders beim Umgang mit schwerem Gerät, zum Beispiel beim Verladen von gepanzerten Fahrzeugen! In den fünf genannten Einsatzgebieten waren es 1446 Fälle, die meisten im Kosovo (718).
Die Soldaten werden zwar vor den erhöhte Risiken beim Geschlechtsverkehr mit Einheimischen gewarnt, da aber der Verstand schwindet, wenn ..., werden in den Marketenderläden der Bundeswehr sicherheitshalber Kondome angeboten. Trotzdem gab es in der Berichtszeit 58 Fälle «venerischer Erkrankungen». Interessanterweise im Kongoeinsatz Null, im Kosovo 25. Ob sich jemand Aids einfing, wird der Betroffene erst in Jahren zu spüren bekommen, wenn sich die HIV-Symptome einstellen.
Stressbehandlungen waren in 56 Fällen erforderlich, wobei die Statistik keine Ursachen nennt - es kann die Härte des Einsatzes, aber auch eine SMS der Freundin sein mit der knappen Mitteilung: «Will nicht länger auf Dich warten, mache Schluss».
Suchtprobleme (Alkohol? Drogen?) gab es nur neun, die Mehrzahl im Kosovo, nicht in Afghanistan, wo das Opium lockt. Probleme mit dem Kreislauf waren bedeutend zahlreicher (440), wobei die meisten in Afghanistan auftraten, was mit der Höhe des Einsatzgebietes zusammenhängen kann.
Die Zahl der Sportverletzungen ist erstaunlich hoch (1393). Vielleicht sollte Verteidigungsminister Jung für die Dauer des Auslandseinsatzes das «Bolzen» verbieten.
Grundsätzlich gilt für alle Erkrankungen und Verletzungen: Wer nach zwölf Tagen nicht wieder einsatzfähig ist, wird nach Hause geflogen. Schwere Fälle sowieso.

