netzeitung.deNun ist die Bundeswehr heftig unter Zeitdruck

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Junge Gewaltbereite in Kongo (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Junge Gewaltbereite in Kongo
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Für die in den Kongo entsendeten deutschen Soldaten müssen Verhaltensmaßregeln erstellt werden. Zum Beispiel, wie reagieren, wenn Kindersoldaten das Feuer eröffnen?

Von Mainhardt Graf von Nayhauß

Verteidigungsminister Jung bekommt diese Woche viel zu tun: Das Mandat des Bundestages zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr muss umgesetzt werden!

Das bedeutet: Die Vorauskommandos müssen in Marsch gesetzt werden. Und zwar nach Kinshasa, Gabun und Brazzaville, der Hauptstadt des Nachbarstaates, von wo aus der Nachschub organisiert werden soll. In Kinshasa wird das Vorauskommando unter anderem die Bevölkerung darüber aufklären, zu welchem Zweck deutsche Soldaten in den Kongo kommen: «Comme des amis» - als Freunde.

Vom Einsatzführungskommando in Potsdam müssen die Verlegungspläne ausgearbeitet werden: Was an Soldaten, Waffen und Gerät kommt nach Kinshasa, was nach Brazzaville? Erschwerend stellt sich heraus, dass das Feldhauptquartier in Kinshasa, das von einem französischen General befehligt werden soll, noch nicht «aktiviert» ist. Der Kommandeur hält sich in Marseille auf, ließ wissen, dass er vor dem 15.Juni nicht am Einsatzort sein wird. Die anderen Staaten haben sich damit abzufinden!

Hinzu kommt, dass man sich über die multinationale Besetzung dieses Feldhauptquartiers im Operationsgebiet noch nicht einig ist. Prestigedenken, verletzbare Eitelkeiten sind zu berücksichtigen. Jede Nation möchte einen möglichst hohen Stabsposten für sich reklamieren! Da die Bundesmarine über keine eigenen Transportschiffe für schweres Gerät und Nachschubgut verfügt, müssen bei privaten Reedern Container und Frachtkapazitäten gechartert werden. Die stehen bei den in Frage kommenden Reedereien nicht unbedingt zu den gewünschten Terminen zur Verfügung. Aber die Bundeswehr durfte vorher nicht tätig werden, solange der Bundestag das Mandat nicht erteilte!

Dieses Chartergeschäft für militärische Zwecke ist von der deutschen Führungsmacht («Leading Nation») multinational zu koordinieren, damit nicht von jedem Land auf eigene Faust Schiffe gechartert werden, was den Einsatz verteuern würde. Ein erstes Schiff, ein belgisches, ist bereits unterwegs.

Egal wie die Verlegung von Material über See erfolgt - es muss berücksichtigt werden, dass die Schiffe mehrere Wochen unterwegs sind!

Es müssen in den Häfen, wo Zwischenstopps erfolgen, Verträge über zu bunkernden Treibstoff, Lebensmittel und anderes mit Hafenagenten abgeschlossen werden! Das war schon nach der Tsunami-Katastrophe bei der Entsendung des Marineversorgers nach Asien notwendig. Damals wurden Hilfsgüter in einem indischen Hafen an Bord genommen.

Last but not least: Für die zum Einsatz kommenden deutschen Soldaten müssen die «Rules of Engagement» - die Verhaltensmaßregeln - erstellt werden. Zum Beispiel, wie reagieren, wenn Kindersoldaten das Feuer eröffnen? Der Befehl wird - auch wenn es in der deutschen Öffentlichkeit zu einem Aufschrei kommt - klipp und klar lauten: Zurückschießen!