netzeitung.deDeutsche Afrika-Pläne: Erst Kongo, dann Sudan

 Herausgeber: netzeitung.de

Bundeswehr (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bundeswehr
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Kongo-Einsatz der Bundeswehr hat noch nicht begonnen, da steht womöglich ein weiterer Einsatz an. Überlegt wird, Kampf-Soldaten in den Sudan zu schicken. Spötter meinen, dann hätten wir wieder ein «Afrika-Korps».

Von Mainhardt Graf von Nayhauß

Der gestrige Beschluss des Kabinetts, statt der ursprünglich für den Kongo-Einsatz vorgesehenen 500 Bundeswehrsoldaten bis zu 780 nach Afrika zu schicken, ist die Reaktion auf einen verzweifelten Hilferuf des EU-Außen- und Sicherheitsbeauftragten Javier Solana.

Auf einer Verteidigungsminister- Konferenz in Brüssel am vergangenen Montag hatte er noch einmal versucht, andere Entsenderstaaten zu einem höheren Beitrag zu überreden - ohne wirklichen Erfolg.

Die Türkei, deren angekündigter Beitrag bisher nur aus einem einzigen Transportflugzeug bestand - zusätzlich geknüpft an die Bedingung, dass die Maschine nach jedem Einsatz in die Türkei zurückkehren muss, willigte schließlich ein, das Flugzeug für die Gesamteinsatzdauer im Kongo zu belassen.

Portugal erklärte sich nach Solanas Drängen zur Entsendung von 25 «Spezialkräften» bereit - Rambos mit Gesichtsmasken für Kommandoaktionen.

Andere Nationen passten. Um die Verteidigungsminister- Konferenz nicht als gescheitert auseinandergehen zu lassen, erklärte sich Bundes- Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bereit, das deutsche Kontingent um 280 Soldaten zu erhöhen - schamhaft als «Unterstützungskräfte» deklariert. So soll der zusätzliche Beitrag im Bundestag auf weniger Widerstand stoßen.

Das nächste Problem steht schon vor der Tür: Die zugesagten Truppen, Waffen und Geräte müssen vor dem Einsatz zusammengezogen werden, ihre Aufgaben erklärt bekommen und das Zusammenspiel üben. Wahrscheinlich in der Bundesrepublik, weil wir die Funktion der «lead nation» übernahmen. Nur, wer trägt die zusätzlichen Kosten? Bleibt auch das an Deutschland hängen? Das hieße, dass der bisher auf über 50 Millionen Euro veranschlagte Kongo-Einsatz noch teurer wird!

Hinzu kommt: Die Amerikaner drängen immer stärker auf ein stärkeres Engagement der Europäischen Union im Sudan (Darfur). Trotz laufender Friedensverhandlungen dauern die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen an. Auch unter Einsatz von Kindersoldaten, wie der einzige Offizier, den die Bundeswehr vor Ort als Beobachter stationiert hat, meldet.

Es wird im Bundes- Verteidigungsministerium nicht mehr ausgeschlossen, dass die Bundeswehr sich demnächst dort mit Kampftruppen im Land engagieren muss, um einen Friedensabschluss durchzusetzen - etwa nach dem Kongo-Einsatz durch eine direkte Verlegung des deutschen Kontingents.

Ein Generalstäbler mit sanftem Spott: «Dann hätten wir wieder ein Afrika-Korps.»