Hoffentlich weiß «Kaiser Franz» nichts davon
Mit Datum vom 24.März 2006 schickte FDP-Chef Guido Westerwelle ein Fax an «Herrn Franz Beckenbauer, Präsident, (und) Herrn Horst R. Schmidt, 1.Vizepräsident, Fifa Fußballweltmeisterschaft Deutschland 2006.»
Dann der Text: «Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief mit dem freundlichen Angebot für Ehrenkarten für die Fußball-WM. Ich werde von dem Angebot keinen Gebrauch machen. Mir persönlich reicht es, vor dem Fernsehschirm, mit der deutschen Fußballnationalmannschaft mitzufiebern. Auf diesem Weg möchte ich schon mal alles Gute für die deutschen Spiele und für unsere WM insgesamt von Herzen wünschen.»
Dann Westerwelle weiter: «Es wäre interessant zu wissen, ob das Angebot für Ehrenkarten ausschließlich dem genannten Personenkreis vorbehalten bleibt. Da ich zum Beispiel sehr engagierter Unterstützer einer Tagesklinik für krebskranke Kinder in Berlin bin, wäre ich interessiert zu erfahren, ob ein Besuch für ein solches Kind möglich wäre. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn mir mitgeteilt werden könnte, ob diese Übertragung möglich ist oder nicht.»
Der FDP-Vorsitzende höflich zum Schluss: «Ich bedanke mich noch einmal ausdrücklich und herzlich für die Einladung. Mit Freundlichen Grüßen, Ihr Guido Westerwelle.»
Fünf Tage später die Antwort, und man reibt sich die Augen: «Sehr geehrter Herr Dr. Westerwelle, vielen Dank für Ihre Anfrage vom 24.März 2006 bezüglich der Ehrenkarten für die Fifa Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Als Organisator der Fifa Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sind wir bemüht, auch unseren protokollarischen Aufgaben gerecht zu werden. Aus diesem Grund wurde durch den Bund in Zusammenarbeit mit uns ein Protokollkonzept erarbeitet, welches genau vorschreibt, welche politischen Einladungsgruppen berücksichtigt werden. Die Einladungen wurden von unserem Präsidenten persönlich ausgesprochen und sind demnach nicht übertragbar.»
Und dann: «Wir müssen Sie daher auch darum bitten, die Ihnen angebotenen Ehrenkarten ausschließlich für den eigenen Gebrauch zu verwenden und hoffen diesbezüglich auf Ihr Verständnis. Mit freundlichen Grüßen, Horst R.Schmidt, 1.Vizepräsident.»
Man fasst sich ob der Kaltherzigkeit dieser Zeilen an den Kopf. Die Bitte, für ein krebskrankes Kind(!) auf seine Ehrenkarte verzichten zu können, wird Westerwelle mit bürokratischen Begründungen abgeschlagen und für die schmähliche Tat auch noch auf «Verständnis» gehofft!
Man kann für «Kaiser Franz» nur hoffen, dass er - wiewohl persönlich angeschrieben - von diesem Briefwechsel nichts erfuhr. Sonst wäre das auch für ihn vernichtend.

