Per Hubschrauber zum Telefonieren
Verteidigungsminister Franz-Josef Jung(CDU) nennt bekanntlich vier Voraussetzungen für einen Kongo-Einsatz der Bundeswehr: klarer UN-Auftrag, Zustimmung des kongolesischen Präsidenten Kabila, zeitliche und örtliche Begrenzung des Einsatz sowie Beteiligung auch anderer europäischer Staaten. Dann wäre Deutschland gegebenenfalls sogar bereit, «lead functions» zu übernehmen.
Leichter gesagt als getan. Jung wurde bereits von seinen Militärs gewarnt, welche logistischen Lasten auf die Bundeswehr als Führungsnation zukämen! Polen zum Beispiel erklärte sich bereits bereit, am Kongo-Einsatz teilzunehmen - mit 30 Militärpolizisten!
Man kann über dieses Kontingent die Nase rümpfen - die Vereinten Nationen stationierten zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Kongo seit Jahren 17.000 Blauhelm-Soldaten. Die Nato marschierte 1999 zur Beendigung des Bürgerkrieges auf dem Balkan mit 40.000 Mann in das Kosovo ein. Im Vergleich dazu sind 30 polnische Feldjäger ein Klacks.
Aber auch für dieses Minikontingent müsste Deutschland die Versorgung übernehmen. Das heißt, nicht nur Verpflegung und Unterkunft bereitstellen, auch ärztliche Versorgung, Nachschub an Waffen und Munition sowie Errichtung von Fernmeldeverbindungen nach Polen!
Wenn, was auch schon vorgeschlagen wurde, das deutsche Kontingent von etwa 500 Soldaten auf dem Einsatzversorgungsschiff «Berlin» vor der Küste Afrikas in Bereitschaft gehalten wird, um die Gefahren für die Bundeswehr so klein wie möglich zu halten, müssten zum Beispiel polnische Soldaten zum Telefonieren mit der Freundin per Hubschrauber an Bord der «Berlin» geflogen werden, was absurd wäre. Aber es müsste sichergestellt werden, dass mittels einer Relaisstation auf dem Schiff Handy-Telefonate von und nach Polen geschaltet werden.
Die 30 polnischen Militärpolizisten wären übrigens bei ihren Patrouillen in der Kongo-Hauptstadt Kinshasa als Friedensbewahrer ständig im Fernsehen präsent, die weniger interessanten Deutschen auf ihrem vor Anker liegenden Schiff weniger.
Dabei bestünde das deutsche Kontingent aus einer Elite-Einheit - dem 262. Fallschirmjäger-Bataillon aus Lebach, das auf solche Feuerwehreinsätze spezialisiert, unter anderem für Tropeneinsätze geimpft und jederzeit abmarschbereit ist.
Wenn Deutschland Führungsnation wird, werden die militärischen Operationen aller beteiligten EU-Staaten vom Bundeswehr-Einsatzführungskommando in Geltow bei Potsdam geleitet. Moderne Technik mit Computern, Internet, GPS und Satellitentelefonen erlaubt die Operationsleitung auf solche Entfernung.
Übrigens, diesen Donnerstag bekommt besagtes Einsatzführungskommando in Geltow einen neuen Befehlshaber: den Generalmajor der Luftwaffe, Karlheinz Viereck(55), seit einem halben Jahr stellvertretender Befehlshaber des Kommandos, von 1992-94 Adjutant im Leitungsstab des Bundesverteidigungsministers, danach unter anderem Kommodore einer Jagdbomber-Verbandes und 2000-2003 Director Operations im Nato-Hauptquartier Nord, Norwegen.

