13. Dez 2007 17:24
Im indonesischen Bali arbeiten die Staaten der Welt an einem neuen Klimaschutzvertrag. Die Netzeitung sprach mit BUND-Chef Weiger über Chancen der Konferenz, Verweigerer USA und die Rolle Chinas.
Einzelne Staaten, darunter die USA, verweigern Festlegungen auf verbindliche Klimaziele. Bundesumweltminister Gabriel mahnte, eine Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen um 30 Prozent bis 2020 sollte für die USA machbar sein. Deutschland selbst strebt 40 Prozent an. Netzeitung.de: Herr Weiger, rechnen Sie bei der Klimakonferenz auf Bali noch mit Festlegungen auf verbindliche Klimaziele?
Hubert Weiger: Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Kurz vor Ende solcher Konferenzen wächst der Gegendruck gegen verbindliche Ziele. Derzeit kommt der von Indien, aber auch aus den USA und China. Kurz vor Ende der Tagung werden dann die Entscheidungen getroffen. Wir Umweltschützer sind da fast schon pathologische Optimisten und geben die Hoffnung nicht auf. Unsere Vertreter sind vor Ort auch sehr aktiv.
Netzeitung.de: Nun verweigern nicht nur die USA verbindliche Festlegungen, sondern eben auch China und andere aufstrebende Wirtschaftsnationen. Wie sehr erschwert das die Einigung? Weiger: Die Situation ist beim Klimawandel so dramatisch, dass sich auf Dauer weder die USA noch China verweigern können. Der Druck auf die USA ist entsprechend groß. Es wird in den USA künftig eine andere Klimapolitik geben, weil die Bevölkerung erkannt hat, dass es um sie selbst geht.
Netzeitung.de: Setzen Sie auf einen Führungswechsel in den USA im Hinblick auf den Klimaschutz? Weiger: Wir gehen davon aus, dass die USA in diesem Jahr noch einmal versuchen zu blockieren. Den Auftrag haben die US-Unterhändler auf Bali ganz offensichtlich. Es war deshalb gut, dass Bundesumweltminister Gabriel endlich Klartext gesprochen hat. Wir machen in Deutschland etwa durch Briefe an die US-Botschaft klar, dass Druck aus der ganzen Welt kommt.
Netzeitung.de: Wie kann die Klimakonferenz auf China Einfluss nehmen?
Weiger: China ist erheblich problematischer, weil es dort bekanntermaßen keine Demokratie und deshalb auch keine Ökologiebewegung gibt. Das Land argumentiert, es sei ein Entwicklungsland. Doch die Zahl der Millionäre wächst in China wöchentlich um 200 Menschen. China lebt vorwiegend vom Export. Die Erlöse daraus sind aber durch Umwelt-, Natur- und Klimaschäden erkauft. Die billigen Produkte aus China kommen so der Welt sehr teuer zu stehen. Die Welt muss deshalb wirtschaftlichen Druck auf die Exportnation China ausüben.
China wird allein wegen der Zahl seiner 1,3 Milliarden Menschen die mühsam erzielten Emissions-Einsparungen der anderen Nationen aufbrauchen. Denn der Pro-Kopf-Ausstoß von Klimagasen wird in China noch deutlich steigen. Sicher ist: Derzeit verursachen nur etwa 200 Millionen Chinesen die Emissionen ihres Landes. Wenn aber alle anderen denselben Lebensstandard erreichen würden, wäre die Welt ohnehin nicht mehr zu retten. Es muss also andere Lösungen geben. Netzeitung.de: Wie könnten die Aussehen?
Weiger: Wir haben durchaus Hoffnung: China selbst erkennt, dass sein Weg zur Industrialisierung ein sehr teurer ist. Das zeigen bereits Folgeschäden wie Erbgutschädigungen und daraus resultierende Krankheiten. China muss einen dritten Weg gehen und darf nicht wie die westliche Welt den Fehler der machen, Abgase einfach und unbeschränkt in die Atmosphäre zu entlassen.
Hubert Weiger ist Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland. Mit ihm sprach Tilman Steffen