netzeitung.de«Der Staat rüstet seine Gegner»

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Für 25 Euro: Thermo Pullover Falke der GSG-9, 'Feuerhemmend!' (Foto: nz (screenshot)<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Für 25 Euro: Thermo Pullover Falke der GSG-9, 'Feuerhemmend!'
Foto: nz (screenshot)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Neonazis nehmen nun auch ausrangierte Polizei- und Militärausrüstung ins Angebot ihrer Internetläden - geliefert durch den Bund. Tilman Steffen sprach mit dem Neonazi-Kenner Wagner über den Trend und seine Folgen.

Netzeitung.de: Herr Wagner, Neonazis versilbern im Internet ausrangierte Ausrüstung von Eliteeinheiten der Polizei, die sie beim Bund erworben haben. Ist das ein neuer Trend?

Bernd Wagner: Der Trend von Neonazis zu Uniformen und Militär-Ausrüstung ist schon immer da. Er wird nun professionalisiert. Es ist eine Kombination aus Militärfetischismus und Rechtsextremismus, die diese Leute treibt. Sie bereiten sich auf den Kampf gegen die demokratische Ordnung vor und wollen Ausrüstungsgleichheit mit dem Staat erreichen. Zudem ist der Vertrieb dieser Ausrüstung eine nicht zu vernachlässigende Einnahmequelle.

Netzeitung.de: Haben Sie ein Beispiel parat?

Wagner: Ich betreue derzeit einen ehemaligen Ausbilder. Dieser Mann hat sich in seiner Zeit als Rechtsextremist von Kameradschaften anwerben lassen und mit ihnen Übungen durchgeführt. Ausgerüstet mit ausgemusterten Bundeswehrmaterial und Ausrüstung aus den USA unternahmen sie im Verborgenen Geländeübungen oder trainierten den Nahkampf.

Netzeitung.de: Die Bundesregierung sagt, sie könne nicht verhindern, dass auch Rechtsextremisten ausrangierte Polizei- und Militärausrüstung kaufen. Wohin führt das?

Wagner: Es ist schon schwer irritierend, dass etwa Polizeifahrzeuge und Militärjeeps in der Öffentlichkeit rumfahren, die nicht zur Polizei oder zum Militär gehören. Es ist ein Fehler, die Zeichen des staatlichen Gewaltmonopols jedermann in die Hände zu geben, erst recht, wenn sie dann in die Hände von Extremisten geraten. Der Staat rüstet, ohne es zu wollen, seine Gegner.

Der Kriminalist und Rechtsextremismus-Kenner Bernd Wagner gründete 2000 mit dem Ex-Neonazi Ingo Hasselbach das Aussteigerprogramm für Rechtsextremisten «Exit». Seit 2004 ist er Geschäftsführer des Zentrums für demokratische Kultur.