netzeitung.deNeuer Muslimrat ohne Alleinvertretungsanspruch

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Lupe Neuer Muslimrat ohne Alleinvertretungsanspruch

Für Integrationsminister Laschet ist der neu gegründete Koordinierungsrat der Muslime nicht die erhoffte Lösung. Tilman Steffen sprach mit ihm darüber, wie es eigentlich sein müsste.

Netzeitung.de: Herr Laschet, ist der neu gegründete Koordinierungsrat der Muslime der lang erhoffte Dachverband?

Armin Laschet: Er ist ein wichtiger Zusammenschluss, ein weiterer, positiver Schritt hin zur Konsolidierung des Islams und zur Schaffung einer einheitlichen Vertretung aller Muslime in Deutschland. Sie zeigt, dass die großen Dachverbände bereit sind, interne Unterschiede zugunsten eines gemeinsamen Vorgehens für die Muslime in Deutschland zu überwinden. Doch der Koordinierungsrat kann nicht das Endstadium sein, denn er vertritt nur die Muslime, die in den vier Mitgliedsverbänden organisiert sind.

Netzeitung.de: Wie sollte die künftige Struktur denn aussehen?

Laschet: Eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist der Koordinierungsrat in seiner jetzigen Form sicherlich nicht. Dafür muss mehr aus dem Rat werden, als eine nur lose zusammengeschlossene Gruppe mehrerer Verbände.

In Nordrhein-Westfalen sollen in einem Modellprojekt in zwei Moscheegemeinden örtliche Schuren entstehen, die dann zusammen mit den Verbänden Lehrpläne entwickeln. Zudem muss die Körperschaft eine bestimmte Zeit zusammengearbeitet haben, ihre Arbeit muss sozusagen lang bewährte Praxis sein. Trotzdem: Der Koordinierungsrat ist ein großer Fortschritt, zu dem ich die Verbände und ihre Vertreter ausdrücklich beglückwünsche.

Netzeitung.de: Bleibt bei dem überwiegend konservativ zusammengesetzten Rat nicht der Graben zwischen konservativen und liberalen Muslimen?

Laschet: Der Staat kann nur mit denen kommunizieren, die sich organisieren. Wenn die liberalen Muslime sich in dem Koordinierungsrat nicht wiederfinden, müssen sie sich selbst organisieren. Die Aleviten, die sich zwar selbst nicht als Teil des Islam sehen, haben so etwas bereits getan.

Netzeitung.de: Vertritt der Rat die Mehrheit der Muslime, wie er selbst behauptet?

Laschet: Er vertritt sicher die Mehrheit der gläubigen Muslime, die Moscheegemeinden besuchen. Die insgesamt in Deutschland lebenden Muslime vertritt er sicherlich nicht. Für einen Alleinvertretungsanspruch reicht das keinesfalls. Für eine Vertretung der großen Zahl der Moscheegemeinden dagegen schon.

Der CDU-Politiker Armin Laschet ist Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen. Mit ihm sprach Tilman Steffen