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Wir brauchen James Bond und sein Auto

01. Feb 2007 07:17
Kanzleramtsminister de Maiziere mit Geheimdienst- Spitzen
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Im Internet liefern sich die deutschen Geheimdienste mit Terroristen ein permanentes Versteckspiel. Netzeitung.de sprach mit Kanzleramtsminister de Maizière über die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Netzeitung.de: Herr de Maizière, Sie koordinieren als Kanzleramtsminister die Arbeit der Geheimdienste. Wie hat sich diese Arbeit durch das Internet verändert?

Thomas de Maizière: Ein nicht unwesentlicher Teil terroristischer Propaganda wird im Internet verbreitet. Das ist neu. Dafür ist das Internet ein sehr günstiges Medium. Auch Verbrecher, etwa Geiselnehmer, können ihre Forderungen auf diese Weise leicht verbreiten. Im Internet verabreden sich Extremisten und Verbrecher, zum Beispiel in einschlägigen Chatrooms. Die Sicherheitsbehörden haben alle Mühe, Schritt zu halten und in diese Chatrooms reinzukommen. Diese Verabredungen von Extremisten im Internet aufzudecken, ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen.

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Netzeitung.de: Sind die Geheimdienste für den Anti-Terror-Kampf im Internet gewappnet?

de Maizière: Auf dem neusten Stand der Technik zu sein, ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel. Wir sind dabei, technisch nachzurüsten. Aber auch die Qualifikationen der Mitarbeiter weiten wir aus, etwa, was die Sprachkenntnisse betrifft. Wir sind da schon ganz gut aufgestellt, darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen.

Netzeitung.de: Nutzen Sie auch die Internet-Kompetenz ausländischer Dienste?

de Maizière: Es gibt einen funktionierenden Austausch in beide Richtungen.

Netzeitung.de: Was ist in der Geheimdienstarbeit eigentlich wichtiger - der Mensch oder die Technologie – also James Bond oder sein Auto?

de Maizière: Es ist eine Mischung aus beidem. Wir brauchen vor allem Kenntnisse von Sprachen und Mentalitäten. Bei Anschlägen der vergangenen Jahre war der technische Aufwand der Terroristen ja nicht besonders hoch. Das ist bei den Bösewichtern in James-Bond-Filmen anders. Die Gefährlichkeit der heutigen Terroranschläge liegt aber im Überraschungseffekt und darin, dass sie unerkannt vorbereitet werden. Bei den Anschlägen von London sind bislang völlig unauffällige Personen im Verlauf eines halben Jahres zu Attentätern geworden.

Thomas de Maiziere im NZ-Interview
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Netzeitung.de: Die Koalition plant ein Gesetz, das die Speicherung von Kommunikations- Verbindungsdaten sechs Monate lang ermöglichen soll. Wie soll verhindert werden, dass Geheimdienste darin einen Selbstbedienungsladen sehen?

Zur Person:
Der Rechtswissenschaftler Thomas de Maiziere begann seine politische Arbeit bei den Regierenden Bürgermeistern von Berlin, Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen. Der CDU-Politiker handelte 1990 den Einigungsvertrag mit aus und war in den 90er Jahren Chef der Staatskanzleien in Schwerin und Dresden. Ab 2001 war er Sächsischer Finanzminister, später Justizminister sowie Innenminister. Seit 2005 ist er Chef des Bundeskanzleramts und Minister für besondere Aufgaben.
de Maizière: Wir verlangen von jedem Tischler, dass er seine Belege eine bestimmte Zeit lang aufbewahrt, damit das Finanzamt kontrollieren kann und die Kunden sich ihrer Gewährleistungsansprüche sicher sein können. Nichts anderes wollen wir im Falle der Verbindungsdaten. Da sehe ich keine Gefährdung der Informationssicherheit.

Netzeitung.de: Das heißt: ein Geheimdienst besorgt sich einen richterlichen Durchsuchungsbefehl, wenn er in diese Daten Einsicht nehmen will.

de Maizière: Zugang erhalten die Geheimdienste nach den Regeln, die bisher auch in solchen Fällen gelten. Auf jeden Fall kommen sie nicht durch die Hintertür an solche Informationen heran.

Mit Kanzleramtminister Thomas de Maizière (CDU) sprachen Matthias Ehlert, Tilman Steffen und Dietmar Neuerer

 
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