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Prognos-Studie: 

Im Osten haben's Kinder besser

27. Mai 2008 17:17
Tilmann Knittel
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Wie familienfreundlich ist Deutschland? Ist es mit Elterngeld und mehr Kinderbetreuung schon getan? Die Netzeitung fragte Tilmann Knittel, Herausgeber des Prognos-«Familienatlas», wie sich Beruf und Familie hierzulande vereinbaren lassen.

Netzeitung: Herr Knittel, im Familienatlas haben Sie Deutschland kartiert und Landkreise sowie kreisfreie Städte nach ihrem Angebot für Familien bewertet. Woran machen Sie fest, ob eine Region familienfreundlich ist?

Tilmann Knittel: Für den Familienatlas haben wir auf Indikatoren aus bestehenden Statistiken zurückgegriffen. Dabei haben wir berücksichtigt, welche Angebote es für Familien gibt und wie die wirtschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen aussehen. Zu den Angeboten für Familien zählen wir Faktoren wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wohnsituation und -umfeld, Bildung und Ausbildung sowie Freizeitangebote für Kinder.

Netzeitung: Familienfreundlichkeit ist auch Aufgabe der Politik. Hat sich da etwas durch die Große Koalition geändert?

Knittel:Insgesamt kann man sagen, dass das Thema heute viel stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist. So hat etwa die Einführung des Elterngelds dazu beigetragen, das Land familienfreundlicher zu gestalten. Auch was sich bei der Kinderbetreuung getan hat, ist beachtlich.

Netzeitung: Welche Regionen in Deutschland sind denn besonders kinderfreundlich?

Knittel: Es gibt ein klares Gefälle zwischen Stadt und Land, Ost und West. Ostdeutschland steht bei den Betreuungsangeboten an der Spitze aufgrund des alten Kinderbetreuungssystems. Die dortigen Städte bieten die beste Betreuung, dahinter rangieren ostdeutsche Landkreise. An dritter Stelle, aber abgeschlagen, stehen westdeutsche Städte. Besonders große Defizite haben westdeutsche Landkreise.

Netzeitung: Und wie sieht es bei der Bildung aus?

Knittel: Thüringen und Sachsen-Anhalt bieten eine besonders gute Schulausbildung, weil es dort relativ wenige Kinder gibt und die Klassen entsprechend klein sind. Nordrhein-Westfalen und Bayern schneiden schlecht ab, denn schlechte Schüler werden dort besonders wenig gefördert.

Netzeitung: Was ist mit den deutschen Unternehmen, wie familienfreundlich sind die?

Knittel: Die Ergebnisse einer Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2006 waren sehr ermutigend. Dabei kam heraus, dass drei Viertel der Unternehmen mehrere familienfreundliche Maßnahmen anbieten oder dies für wichtig halten. Das können Teilzeitangebote, Telearbeit, Widereinstiegsprogramme oder sogar ein Betriebskindergarten sein. Die Akzeptanz für familienfreundliche Angebote ist also da. Zudem ist Familienfreundlichkeit ein strategischer Ansatz, um gutes Personal zu halten.

Netzeitung: Aber?

Knittel: Es kommt darauf an, wie diese Angebote gemacht werden. Beispiel Teilzeit: Es ist einfach, einer Mutter Teilzeitarbeit anzubieten. Die Herausforderung besteht aber darin, diese Arbeitsplätze in die Prozesse einzubinden. Das heißt, die Teilzeitarbeit darf keine Sackgasse sein, die Mitarbeiter müssen weiter qualifiziert eingebunden sein.

Netzeitung: Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland zu verbessern?

Knittel: Die Kinderbetreuung muss weiter ausgebaut werden, vor allem für Unter-Dreijährige. Unternehmen und Wirtschaft müssen noch mehr für das Thema sensibilisiert werden. Zudem sollten sich Väter stärker in die Familienarbeit einklinken. Es ist sinnvoll, dass beide Partner sich die Betreuung teilen. Die Vätermonate im Elterngeld haben da schon einiges bewirkt.

Das Interview führte Caroline Benzel


 
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