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Erdogan dankt Rettern und ruft zur Mäßigung auf

07. Feb 2008 20:59
Ministerpräsident Erdogan und Angehörige der Opfer
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Der türkische Ministerpräsident hat am Ort des tödlichen Brandes in Ludwigshafen einen Kranz niedergelegt. Er dankte den Einsatzkräften - und Innenminister Schäuble dankt ihm.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach dem tödlichen Brand in Ludwigshafen die deutschen Retter vor Kritik in Schutz genommen und zur Mäßigung aufgerufen. «Während dieses fürchterlichen Vorfalls haben die deutsche Polizei und Feuerwehr alles in ihrer Macht stehende getan», sagte Erdogan am Donnerstag in der pfälzischen Stadt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, bei den Ermittlungen seien bislang keine Hinweise auf Brandstiftung gefunden worden. Die Untersuchungen könnten noch mehrere Wochen dauern.

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Erdogan besuchte gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck den Brandort und legte einen Kranz nieder. Vor rund 2500 Zuhörern sagte der türkische Regierungschef, ohne das große Engagement der deutschen Einsatzkräfte wäre die Opferzahl noch größer gewesen: «Es gibt viele, deren Leben gerettet werden konnte.» SPD-Chef Beck versicherte dem türkischen Gast, alle Bundesbürger trauerten um die Opfer.

Erdogan bittet um faire Berichterstattung

Erdogan rief die Medien zur Zurückhaltung und fairen Berichterstattung auf, damit die Freundschaft zwischen Deutschland und der Türkei nicht gestört werde. Deutsche Politiker hatten ihre Sorge über eine Beeinträchtigung das deutsch-türkischen Verhältnisses ausgedrückt und zur Mäßigung gemahnt.

In den Tagen nach dem Brand hatte sich die Atmosphäre in Ludwigshafen aufgeheizt. Einerseits zirkulierten Spekulationen, wonach das Feuer auf Brandstiftung zurückzuführen sei und fremdenfeindliche Motive eine Rollen gespielt haben könnten. Andererseits hatte es Vorwürfe gegeben, die Feuerwehr habe nicht schnell genug eingegriffen. Bevor diese widerlegt werden konnten, wurde ein Feuerwehrmann bei einem Übergriff von einem türkischstämmigen Mann verletzt. Der Feuerwehrmann hat das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Gegen den Täter laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Erdogang: «Schnelle und sorgfältige Ermittlungen»

Erdogan betonte in Ludwigshafen: «Natürlich ist es unser Wunsch, dass die Ermittlungen sehr sorgfältig und sehr schnell durchgeführt werden.» Beck sicherte ihm zu, es werde alles für die Aufklärung der Hintergründe des Brandes getan. «Das Unglück wird uns nicht auseinanderbringen. Wir sind in Trauer vereint», sagte der Ministerpräsident, der das Verschulden Dritter sehr früh ausgeschlossen hatte und dafür viel Kritik einstecken musste.

Schäuble dankt Erdogan

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble dankte Erdogan in einem RTL-Interview für seine Worte. Es sei gut, dass der türkische Regierungschef nach Deutschland gekommen sei, sagte der CDU-Politiker. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, versicherte Erdogan auch des Mitgefühls von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Unterdessen wurden die beiden Mädchen, die einen Brandstifter in dem betroffenen Gebäude gesehen haben wollen, ein zweites Mal angehört. Ihre Glaubwürdigkeit könne aber noch nicht eingeschätzt werden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig. Es sei noch ein drittes Gespräch notwendig. Ein Phantombild stehe bisher nicht zur Verfügung.

Bislang keine Spuren von Brandbeschleuniger

Am Donnerstag untersuchten Spezialisten weiter das ausgebrannte Haus. Die Suche nach einem möglichen Brandlegungsmittel wird erschwert durch die große Menge Löschwasser wie auch durch den Umstand, dass sich das Feuer mit großer Macht und Schnelligkeit ausgebreitet hatte. «Ich fürchte, dass wir uns auf eine Ermittlungsdauer von mehreren Wochen werden einstellen müssen», sagte Liebig. Spuren von Brandbeschleunigern wie Benzin wurden bislang nicht gefunden.

Die mit Nazi-Runen ans Haus geschriebenen Worte «Hass» neben dem Eingang zu einem türkischen Kulturverein sind offenbar nicht in Verbindung mit dem Brand zu bringen. Sie seien wesentlich älter, sagte ein Polizeisprecher.

Nach der Besichtigung des Brandortes sprach Erdogan mit Hinterbliebenen und besuchte Verletzte im Klinikum Ludwigshafen. Nach Angaben der Feuerwehr befanden sich am Donnerstag noch acht Personen in Krankenhäusern, darunter zwei Erwachsene und ein Kind auf der Intensivstation. (AP/dpa)

 
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