netzeitung.deKerzen erinnern an den Tod von Oury Jalloh

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Demonstration zum Jahrestag: Oury Jalloh starb in einer Polizeizelle (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Demonstration zum Jahrestag: Oury Jalloh starb in einer Polizeizelle
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Demonstranten gedenken dem Asylbewerber, der in Polizeigewahrsam in Dessau verbrannte. Ein Prozessbeobachter warf der Polizei vor, durch Falschaussagen einen Freispruch zu erzielen.

Gedenken an den Asylbewerber Oury Jalloh, der vor drei Jahren in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte: Noch immer sind die genauen Umstände des Todes des 23-Jährigen aus Sierra Leone nicht geklärt. Seit fast einem Jahr verhandelt das Landgericht der Stadt in Sachsen-Anhalt den Fall; ein Urteil wird frühestens Ende März erwartet. Am Montag jährte sich Jallohs Todestag zum dritten Mal; an der Gedenkveranstaltung am Vormittag nahmen erstmals auch Polizeibeamte teil.

«Wir wollen damit ein Zeichen setzen», sagte der Dessauer Polizeipräsident Karl-Heinz Willberg. Für Johanna Bartl von der Deutsch-Afrikanischen Initiative Dessau ist die gemeinsame Veranstaltung mit der Polizei ein «erster Schritt». Doch «ich habe wenig Hoffnung, dass alle Hintergründe um den Tod von Oury Jalloh noch ans Tageslicht kommen», erklärte sie. Der Prozess vor dem Dessauer Landgericht begann am 27. März. Angeklagt sind zwei Polizeibeamte. Ihnen wird Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässige Tötung vorgeworfen. Jalloh starb in einer Zelle an einem Hitzeschock, nachdem dort ein Feuer ausgebrochen war. Der alkoholisierte und an Händen und Füßen gefesselte Mann soll seine Matratze mit einem Feuerzeug selbst angezündet haben. Er starb laut Ermittlungen sechs Minuten nach Ausbruch des Feuers. Der Staatsanwaltschaft zufolge könnte er noch leben, wenn ihm gleich nach Ertönen des ersten Signals des Rauchmelders geholfen worden wäre.

Das Gericht hatte zunächst sechs Verhandlungstage eingeplant und mittlerweile 49 anberaumt. Zahlreiche Zeugen, auch Polizeibeamte, hätten sich in Widersprüche verwickelt, berichtete Marco Steckel von der Beratungsstelle für Opfer rechter Straf- und Gewalttaten in Dessau. Steckel gehört zu den offiziellen Prozessbeobachtern und informiert die Öffentlichkeit auch im Internet detailliert über das Verfahren. «Da ist ein Mensch verbrannt und Zeugen versuchen, einem Kollegen durch bewusste Falschaussagen einen Freispruch zu verschaffen», sagte er.

Afrikanische Flüchtlings- und Menschenrechtsinitiativen fordern, die beiden Polizisten wegen Mordes anzuklagen. Rund 150 Demonstranten zogen am Montagnachmittag durch die Dessauer Innenstadt und skandierten «Oury Jalloh, das war Mord!». Steckel allerdings erklärte: «Für eine Mordtheorie gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte.» Das Aussageverhalten der Polizeibeamten habe bei vielen im Gerichtssaal Entsetzen über deren Korpsgeist erzeugt. Aber inzwischen sei klar: «Der Rechtsstaat funktioniert doch.» Denn der Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff lade die Zeugen so lange vor, bis der Tod des Asylbewerbers aufgeklärt sei.

Der Dessauer Oberbürgermeister Klemens Koschig sagte, der Vorfall sei sehr schmerzlich für die Stadt. «Doch wir haben sehr wachsame Bürger, was auch der heutige Tag zeigt.» Viele würden jetzt mit Ungeduld auf das Urteil in dem Fall warten. (Von Birgitt Pötzsch, AP)