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Aleviten protestieren in Berlin gegen «Tatort»

27. Dez 2007 18:40
Aleviten demonstrierten am Donnerstag in Berlin
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Der Protest der Aleviten gegen den umstrittenen «Tatort»-Krimi wird immer lauter. Nach Berlin organisiert die Gemeinde nun eine Großdemonstration in Köln.

Am Donnerstag protestierten rund 300 Aleviten in Berlin vor dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin-Mitte gegen den umstrittenen ARD-«Tatort» mit dem Titel «Wem Ehre gebührt». Für Sonntag hat die Alevitische Gemeinde Deutschland zu einer Großdemonstration in Köln aufgerufen. Sie erwartet bis zu 30.000 Teilnehmer. Außerdem wollen sich die Aleviten auch an Bundeskanzlerin Merkel wenden.

Mehr in der Netzeitung:
  • Aleviten wollen gegen NDR-Tatort demonstrieren 25. Dez 2007 20:42, ergänzt 26. Dez 2007 14:13
  • Aleviten zeigen NDR wegen Volksverhetzung an 24. Dez 2007 17:29
  • Altpapier vom Donnerstag 27. Dez 2007 10:01, ergänzt 12:17
  • Zudem ermittelt die Polizei jetzt gegen den NDR wegen Volksverhetzung. «Wir haben ein Verfahren eingeleitet», sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Berlin. Die Berliner Alevitische Gemeinde hatte gegen den für die «Tatort»-Folge verantwortlichen NDR Anzeige bei der Berliner Polizei erstattet.

    In dem Krimi mit der Schauspielerin Maria Furtwängler als Kommissarin spielte der Inzest zwischen dem Vater und seiner jüngsten Tochter in einer ausdrücklich als alevitisch eingeführten Familie eine zentrale Rolle. Schon in osmanischer Zeit hätten Sunniten den Aleviten Inzest vorgeworfen, weil sie ihre religiösen Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern ausführten, hieß es dazu in einer Mitteilung der Alevitischen Gemeinde Deutschlands. Die Drehbuchautorin, Angelina Maccarone, habe sich die Haltung der Sunniten zu eigen gemacht.

    Uralte Vorurteile

    «Damit hat man unserer Auffassung nach die Würde der alevitischen Gemeinde in Deutschland verletzt», kritisierte Deniz Han vom Kulturzentrum Anatolischer Aleviten auf der Kundgebung in Berlin. Sie forderte eine Entschuldigung und Wiedergutmachung durch die ARD. Zahlreiche Kundgebungsteilnehmer zeigten Plakate hoch, auf denen Artikel eins des Grundgesetzes (»Die Würde des Menschen ist unantastbar») abgedruckt war. Aleviten seien wegen «solch unhaltbarer Vorwürfe» jahrhundertelang verfolgt worden, sagte Han mit Blick auf die Inzest-Handlung des Films. Sie bedauerte, dass «dieser Beitrag unsere Aufklärungsarbeit um einiges zurückgeworfen hat».

    «Das bleibt nicht bei der ARD»

    «Das ist eine sehr ernste Sache, was hier passiert», sagte das Vorstandsmitglied des Kulturzentrums Anatolischer Aleviten, Dogan Azman. Für die geplante Protestveranstaltung am 30. Dezember in Köln seien bereits Busse gechartert worden. Man rechne auch mit Teilnehmern aus Österreich und der Schweiz. «Das bleibt jetzt nicht bei der ARD», sagte Azman. Die Alevitische Gemeinde Deutschlands werde sich auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel wenden, sagte Azman. Außerdem seien Anwälte eingeschaltet worden. Man wolle unbedingt verhindern, dass Wiederholungen der Folge ausgestrahlt werden. Am Donnerstag erstattete auch die Nürnberger Alevitische Gemeinde Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Films. Auch österreichische Aleviten protestierten in Wien beim ORF gegen den Krimi.

    NDR will reden

    Der NDR bekräftigte sein Gesprächsangebot an die Alevitische Gemeinde Deutschland am Donnerstag. Von einer «Entschuldigung» oder einer «Gegendarstellung» war nicht die Rede. Die inzwischen bei der Staatsanwaltschaft in Berlin eingereichte Strafanzeige wegen Volksverhetzung habe eine neue rechtliche Lage geschaffen, die vor einem Treffen juristisch geklärt werden müsse, teilte der Sender mit. (nz/dpa)

     
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