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Marco W. aus türkischer Haft entlassen

14. Dez 2007 16:06, ergänzt 23:46
Marco W. (im Hintergrund) am Flughafen von Antalya am Freitag
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Marco W. ist frei, die Stadt Uelzen feiert. Das türkische Gericht will den Prozess gegen den 17-Jährigen wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs aber fortsetzen. Die Nebenklage dringt auf eine Verurteilung wegen Vergewaltigung.

Marco ist frei: Nach 247 Tagen in türkischer Untersuchungshaft darf der 17 Jahre alte Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen die ersten Nacht in Freiheit verbringen. Der Junge kann sogar nach Hause fliegen und das Weihnachtsfest mit seiner Familie und Freunden feiern. Das Gericht in Antalya entließ ihn am Freitag ohne Auflagen aus der Haft. In der Nacht zum Samstag war W. auf dem Weg nach Nürnberg, wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Ein Sprecher des Nürnberger Flughafens bestätigte, dass um 00:30 Uhr eine Privatmaschine aus Antalya landen solle. Marcos Anwälte hatten zuvor mitgeteilt, Marco werde zunächst nicht in seinen Heimatort Uelzen zurückkehren.

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Der Prozess gegen Marco wegen sexuellen Missbrauchs der 13-jährigen Britin Charlotte soll am 1. April kommenden Jahres fortgesetzt werden.

«Wir sind glücklich», sagte Marcos Vater unter Tränen beim Verlassen des Gerichtssaals in Antalya. Die Mutter des 17-Jährigen war nicht zum achten Verhandlungstag in die Türkei gereist und hatte in ihrem Haus auf die Entscheidung gewartet. Den ganzen Tag hatte in ihrem Garten eine Fackel gebrannt.

Bundeskanzlerin und Außenminister froh über Entlassung

«Ich freue mich, dass Marco erst einmal frei ist und nach Hause kann», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Brüssel. «Die Haftverschonung war überfällig, denn die Dauer der Untersuchungshaft ist unverhältnismäßig», sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), aus dessen Bundesland Marco kommt. Die nächsten Monate müssten genutzt werden, um zu entscheiden, ob der Prozess in Deutschland fortgeführt werden könne.

Das Gericht habe seine Entscheidung damit begründet, dass es noch weitere Informationen benötige und unter diesen Umständen eine Fortdauer der Untersuchungshaft nicht angemessen sei, sagten Marcos Anwälte in Antalya. «Mehr möchten wir zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Alles Weitere später», so Anwalt Matthias Waldraff nach der Verhandlung. Charlottes Anwalt hatte bereits zuvor angekündigt, gegen eine Freilassung Marcos Rechtsmittel einlegen zu wollen.

«Unserer Meinung nach sollte er während der Dauer des Prozesses in Haft bleiben», sagte Aycan. Dies erfordere die Beweislage. Die Nebenklage dringt auf eine Verurteilung wegen Vergewaltigung. Die Familie des Mädchens wolle, dass Marco für seine Tat bezahle, sagte Aycan.

Alles begann bei einem Disco-Abend

Nach einem Disco-Abend im Badeort Side waren Marco und Charlotte am 11. April im Hotelzimmer der 13-jährigen Britin gelandet. Der Schüler berichtete, dass es im Einvernehmen mit dem Mädchen zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Zudem habe sich Charlotte als 15-Jährige ausgegeben. Charlottes Mutter erstattete allerdings Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs und Marco wurde an der Hotelrezeption festgenommen.

Muss er Weihnachten noch im Gefängnis verbringen?
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Der Schüler bestreitet die Vorwürfe. Anfang August hatte ein Klinikarzt, der das Mädchen noch in der Nacht nach dem fraglichen Treffen mit Marco untersucht hatte, ausgesagt, er habe keine Anzeichen für eine Vergewaltigung entdeckt. Es habe auch keinen Geschlechtsverkehr gegeben.

Der 17-Jährige hatte mehr als acht Monate in einer türkischen Gemeinschaftszelle gesessen. Am Freitag feierten in Uelzen seine Freunde mit Hupkonzerten auf der Straße die Freilassung. «Es ist gewaltig, es ist toll. Vor allem, wenn man die Familie kennt», sagte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der St. Petri-Gemeinde in Uelzen, Hubertus Förstel. Wenig später kamen Marcos Bruder, seine Mitschüler und Unterstützer zu einem spontanen Dankgottesdienst zusammen. «Wir werden den Dank, dass die Haft nach acht Monaten vorbei ist, in unsere Gebete mit einfließen lassen», sagte Pastor Michael Drießen. (nz/dpa/AP)

 
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