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Deutsche Schüler bleiben mittelmäßig

04. Dez 2007 10:21, ergänzt 11:29
Naturwissenschaften gut - Lesen, Mathe mäßig
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Sechs Jahre nach dem deutschen PISA-Schock sehen OECD-Bildungsforscher nur wenig Verbesserungen an den deutschen Schulen. In keinem anderen Land sei die Schulsituation für Ausländerkinder der zweiten Generation so problematisch wie in Deutschland.

Die Schüler in Deutschland haben im Rahmen der neuen Pisa-Studie bei den Naturwissenschaften bessere Leistungen erzielt als der Durchschnitt der OECD-Staaten. Doch bei Betrachtung nur derjenigen Aufgaben, die auch bei der vorangegangenen Pisa-Studie 2003 verwendet wurden, haben sich die Leistungen der Jugendlichen in Deutschland durchschnittlich nicht verbessert. Das teilte die OECD am Dienstag in Berlin mit.

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  • Erfreulich sind laut OECD die eindeutigen Stärken des deutschen Schulsystems mit einem lebensnahen Unterricht in den Naturwissenschaften. Die OECD-Forscher bestätigen den deutschen Schülern einen «substanziellen Zuwachs» in naturwissenschaftlicher Kompetenz. In diesem Schwerpunkt der Studie erzielten die 15-Jährigen in Deutschland durchschnittlich 516 Punkte, das lag klar über dem OECD-Mittel von 500. In dem untergeordnet getesteten Bereich Mathematik kamen deutsche Schüler auf 504 Punkte; das war praktisch keine Änderung gegenüber 2003 (503 Punkte) und lag knapp über dem OECD-Durchschnitt von 498 Punkten. Auch bei der Lesekompetenz liegen die Schüler in Deutschland im internationalen Durchschnitt.

    Daten & Fakten: PISA

    Die Abkürzung PISA steht für «Programme for International Student Assessment». Am dritten Testdurchlauf im Frühjahr 2006, der jetzt veröffentlicht wurde, hatten sich weltweit 57 Nationen beteiligt, darunter alle 30 in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossenen Industriestaaten. Der erste Test war 2000, der zweite 2003. Weltweit arbeiten mehr als 300 Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter an Erstellung und Auswertung des Tests. Die Federführung liegt bei der OECD in Paris. PISA untersucht die Kompetenz der Schüler, lebensnahe Aufgaben zu lösen. Neben den Leistungen werden familiärer, sozialer und schulischer Hintergrund der Schüler erfasst sowie Motivation, Lernmethoden und Unterstützung durch die Lehrer untersucht. An PISA 2006 haben in Deutschland 4891 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 225 Schulen teilgenommen. Die per Zufall ausgesuchten Schüler bearbeiteten jeweils nur einen Ausschnitt des gesamten Aufgabensatzes . Dafür standen ihnen zwei Stunden zur Verfügung. Die Zeit konnten sich die Schüler selber einteilen. Der Test war aber so konstruiert worden, dass kein Zeitdruck entstand.

    Auch wenn es im Vergleich zur vergangen Erhebung aus dem Jahr 2003 Verbesserungen gibt, hat nach wie vor die soziale Herkunft eines Jugendlichen großen Einfluss auf seine schulische Leistungen. «Deutschland bleibt weiterhin eines der Länder, in dem der Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds stärker wirkt als im Durchschnitt der OECD», notierten die Wissenschaftler der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. «Die Chancengleichheit bleibt weiterhin das große Problem des deutschen Bildungssystems», erklärte die OECD. Es benachteilige vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund.

    Die OECD bescheinigt zwar eine leichte Besserung in der Streuung der Leistungen deutscher Schüler, diese sei dennoch relativ hoch, schreiben die Forscher: Elf Prozent der Jugendlichen haben eine hohe naturwissenschaftliche Kompetenz und damit sehr gute Vorraussetzungen in Studium und Beruf. 15,4 Prozent liegen allerdings auf oder unter der geringsten Kompetenzstufe mit eher ungünstigen Aussichten für berufliche und schulische Zukunft.

    Vor allem die Schüler aus Finnland demonstrieren, welch naturwissenschaftliches Niveau 15-jährige erreichen können. Die Finnen erreichten 563 Punkte und damit den ersten Platz in der Gesamtskala. Die Schüler dort liegen in ihrer Kompetenzentwicklung 1,5 bis zwei Jahre vor ihren Altersgenossen aus Deutschland.

    Computerkenntnisse nicht ausreichend

    Die bei PISA getesteten Schüler mussten auch Fragen zur Nutzung neuer Informationstechnologien beantworten. Seit dem letzten Test im Jahre 2003 hat vor allem die häusliche Computernutzung zugenommen, allerdings ist Deutschland der OECD-Staat, in dem der Computer am seltensten als Lernwerkzeug im Unterricht eingesetzt wird.

    Nur 31 Prozent der Schüler gaben an, einen Computer auch im Unterricht zu nutzen. Der OECD-Durchschnitt liegt hier bei 56 Prozent. Allerdings gaben 90 Prozent der Jugendlichen an, einen PC zu Hause zu verwenden - vor allem für Spiele und E-Mail Kontakte. Laut OECD genügen diese Computerkenntnisse kaum den zukünftigen Anforderungen im Berufsleben. Es fehle im deutschen Schulsystem an entsprechenden systematischen Lerngelegenheiten, urteilt die Studie.

    Leseleistungen werden besser

    Im Nebengebiet Lesekompetenz erreichten die deutschen Schüler beim aktuellen Test 495 Punkte und liegen damit auf dem 14. Platz im OECD-Durschnitt und 11 Punkte über dem Ergebnis aus dem Jahr 2000. Nur Korea und Polen haben eine höhere Steigerungsrate der Lesekompetenz vorzuweisen. In sieben Staaten (Spanien, Japan, Island, Norwegen, Australien, Frankreich und Italien) verschlechterten sich die Leseleistungen der Schüler.

    Die OECD stellt fest, dass die Leseleistung vor allem im unteren Bereich zugenommen hat. Allerdings ist in Deutschland der Unterschied zwischen guten und weniger guten Leseleistungen verglichen mit den anderen Teilnehmerstaaten am größten. 20 Prozent der deutschen Jugendlichen liegen auf oder unter der geringsten Kompetenzstufe. Sehr gute Lesekompetenz haben dagegen 9,9 Prozent der 15-Jährigen.

    Trend weist nach oben

    Der deutsche PISA-Koordinator Manfred Prenzel sieht die Schulen in der Bundesrepublik dennoch auf einem guten Reformweg. Die Bundesrepublik habe in dieser Disziplin mehr Spitzenschüler als der Schnitt der anderen 30 Industriestaaten, sagte Prenzel am Dienstag. Zudem sei in Deutschland die Zahl der schwachen Schüler in den Naturwissenschaften deutlich geringer. Wenn man seit dem ersten PISA-Test 2000 den Trend analysiere, dann weise dieser klar nach vorn.

    Mehr im Internet:
    Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) sieht in den deutschen PISA-Ergebnissen «keinen Grund zum Jubeln - aber zur Zuversicht». PISA wie auch die in der Vorwoche vorgelegte weltweite IGLU- Grundschulstudie zeige, dass die deutschen Schulen auf dem richtigen Reformweg seien, sagte Zöllner am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Schulleistungsuntersuchung. «Trotz der Erfolge dürfen wir aber die Augen nicht vor den nach wie vor bestehenden Herausforderungen beim Abbau der sozialen Unterschiede verschließen.» (nz/AP/dpa)
     
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