Zickzack-Kurs bei Unicef Deutschland
Nach dem Motto «Erst das Vergnügen, dann die Arbeit» traten Vorstand und Geschäftsführung tags darauf zu einer Krisensitzung zusammen. Die ehrenamtliche Vorsitzende Heide Simonis hatte gefordert, dass der umstrittene Geschäftsführer Dietrich Garlichs seine Tätigkeit bis zur Aufklärung der Vorwürfe ruhen lassen möge. Als die Sitzung dann am Samstagabend früher als erwartet zu Ende ging, war von all dem nicht mehr die Rede.
Seit Beginn der Vertrauenskrise ist Simonis auf Zickzack-Kurs. Als die «Frankfurter Rundschau» (FR) die Vorwürfe gegen Garlichs am Mittwoch an die Öffentlichkeit brachte, zitierte sie Simonis mit der Äußerung, dem Vorstand lägen Fakten und Zahlen vor, «die wir nicht nachvollziehen können». Am Abend verbreitete Unicef dann das Simonis- Zitat «Die Vorwürfe sind nicht gerecht.» Wenig später korrigierte Simonis, sie habe gemeint, die Vorwürfe seien «pauschal» nicht gerecht.
Für Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck geht es jedoch gar nicht in erster Linie um Personen, er sieht ganz Unicef in der Krise. «Es gibt nur noch Leute in Büros, die Arbeit und Geld verteilen, unter Einbehaltung von 15 bis 20 Prozent», kritisierte er in der «FR».
Selbst falls Garlichs völlig korrekt gehandelt haben sollte: Immer wenn er über «marktgerechte» Tagessätze von 700 Euro für externe Berater spricht, dürfte sich manch kleiner Spender fragen, ob seine 20 oder 30 Euro da überhaupt ins Gewicht fallen. Weitgehende Einigkeit besteht denn auch darüber, dass Unicef und auch andere Hilfsorganisationen in den vergangenen Tagen an Ansehen eingebüßt haben. (Christoph Driessen, dpa)

