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Zickzack-Kurs bei Unicef Deutschland

02. Dez 2007 15:29
Heide Simonis
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Die Deutschlandchefin von Unicef, Heide Simonis, hat ihrem Geschäftsführer Garlichs das Vertrauen ausgesprochen. Die Vorwürfe gegen ihn seien «pauschal» nicht gerecht, sagte sie.

Verschwendungsvorwürfe hin oder her, am Wochenende wurde bei Unicef erst mal gefeiert. Die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfswerks hatte zu einer Gala in ein Kölner Luxushotel geladen. 800 Ballbesucher ließen sich Kalbsrückensteak und Basilikum-Eis schmecken und spendeten nebenher für den guten Zweck. «Ihre Hilfe kommt an!», versicherte ihnen der Stargast des Abends - Ex-Dracula Christopher Lee.

Nach dem Motto «Erst das Vergnügen, dann die Arbeit» traten Vorstand und Geschäftsführung tags darauf zu einer Krisensitzung zusammen. Die ehrenamtliche Vorsitzende Heide Simonis hatte gefordert, dass der umstrittene Geschäftsführer Dietrich Garlichs seine Tätigkeit bis zur Aufklärung der Vorwürfe ruhen lassen möge. Als die Sitzung dann am Samstagabend früher als erwartet zu Ende ging, war von all dem nicht mehr die Rede.

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«Der Vorstand spricht dem Geschäftsführer das Vertrauen aus», las Simonis vor. Es sei wohl doch nichts vorgefallen. Ein Unicef-Sprecher ergänzte, Garlichs habe Simonis in einem offenen Gespräch davon überzeugt, dass er sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Ihm wird vorgeworfen, Spendengelder vergeudet zu haben, indem er externe Berater zu großzügig honorierte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Untreue.

Seit Beginn der Vertrauenskrise ist Simonis auf Zickzack-Kurs. Als die «Frankfurter Rundschau» (FR) die Vorwürfe gegen Garlichs am Mittwoch an die Öffentlichkeit brachte, zitierte sie Simonis mit der Äußerung, dem Vorstand lägen Fakten und Zahlen vor, «die wir nicht nachvollziehen können». Am Abend verbreitete Unicef dann das Simonis- Zitat «Die Vorwürfe sind nicht gerecht.» Wenig später korrigierte Simonis, sie habe gemeint, die Vorwürfe seien «pauschal» nicht gerecht.

Am nächsten Tag setzte Simonis dem Geschäftsführer eine Frist bis 16.00 Uhr, um «falsche Behauptungen zu korrigieren». Garlichs schwieg, die Frist verstrich - und nichts geschah. In der Kölner Sitzung scheint sich Garlichs nun vollends durchgesetzt zu haben. Simonis habe ihr Schicksal nun mit dem des Geschäftsführers verbunden, kommentierte «Schleswig-Holstein am Sonntag»: «Kommt jetzt auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit zutage, muss auch die Vorsitzende gehen.»

Für Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck geht es jedoch gar nicht in erster Linie um Personen, er sieht ganz Unicef in der Krise. «Es gibt nur noch Leute in Büros, die Arbeit und Geld verteilen, unter Einbehaltung von 15 bis 20 Prozent», kritisierte er in der «FR».

Selbst falls Garlichs völlig korrekt gehandelt haben sollte: Immer wenn er über «marktgerechte» Tagessätze von 700 Euro für externe Berater spricht, dürfte sich manch kleiner Spender fragen, ob seine 20 oder 30 Euro da überhaupt ins Gewicht fallen. Weitgehende Einigkeit besteht denn auch darüber, dass Unicef und auch andere Hilfsorganisationen in den vergangenen Tagen an Ansehen eingebüßt haben. (Christoph Driessen, dpa)

 
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