PISA-Koordinator spricht von «absurder Posse»
30. Nov 2007 19:37
 |  Zum Wohl der Kinder: Streit um PISA | Foto: dpa |
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Die Vorschläge der Union zum Umgang mit der PISA-Studie werden immer origineller: Ausstieg aus PISA fordert der niedersächsische Kultusminister Busemann.
Der PISA-Koordinator bei der OECD, Andreas Schleicher, hat die anhaltende Kritik von Bildungspolitikern der Union an seiner Person zurückgewiesen und einen Rücktritt abgelehnt. «Das ist doch alles eine absurde Posse», sagte Schleicher am Freitag der AP zur Kritik an seiner Kommentierung der vorab bekannt gewordenen PISA-Ergebnisse. «Unser Generalsekretär hat der Öffentlichkeit lediglich die Daten zugänglich gemacht, die aus Spanien durchgesickert waren», sagte Schleicher. Das tue die OECD aus Gründen der Fairness gegenüber den Medien in derartigen Fällen immer.
«Auch die Unterstellung seitens der KMK (Kultusministerkonferenz), die OECD hätte die Ergebnisse Deutschlands bewertet, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.» Zugleich kündigte er Sanktionen gegen Spanien wegen der verfrühten Veröffentlichung an. Das Verfahren sei mit den Mitgliedsstaaten bereits abgestimmt.
Schleicher bekräftigte seine Einschätzung, dass die Ergebnisse in wesentlichen Punkten nicht mit denen von 2003 zu vergleichen seien. «Aus der Rahmenkonzeption und dem Design der PISA-Studie ergibt sich, dass man die Leseergebnisse seit 2000 und die Mathematikergebnisse seit 2003 vergleichen kann, während der naturwissenschaftliche Test im Jahr 2006 die Grundlage für zukünftige Vergleiche bietet», erläuterte er. «Für einen eingeschränkten Fragekomplex der naturwissenschaftlichen Aufgaben» könne man die Ergebnisse aber vergleichen.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat sich am Freitag der Kritik ihrer Unionskollegen angeschlossen. «Herr Schleicher schadet der OECD, weil er den Eindruck erweckt, immer nur ein Thema im Kopf zu haben», sagte die CDU-Politikerin der «Stuttgarter Zeitung». Damit spielte Schavan offenbar darauf an, dass Schleicher sich mehrfach für die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems in Deutschland ausgesprochen hat. Seine aktuellen Äußerungen «lassen Zweifel aufkommen, dass er ein guter Berater für die Mitgliedsländer ist», sagte die Ministerin.
Austieg aus PISA
Auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) forderte Schleicher am Freitag zum Rücktritt auf und sprach sich dafür aus, auf längere Sicht aus der PISA-Studie auszusteigen. Busemann sagte, unter den gegebenen Umständen «können wir mit Herrn Schleicher nicht weiter zusammenarbeiten. Er soll von seiner Tätigkeit entbunden werden». Wenn eine Vergleichsstudie bestellt und mit drei Millionen Euro bezahlt werde, müsse auch eine Vergleichsstudie geliefert werden, sagte er. Er werde «das Thema Schleicher und die Differenz zwischen PISA-Auftrag und PISA-Studie» auf die Tagesordnung der nächsten KMK setzen.
Provinziell und gravierende Mängel
Ein nationales Vergleichssystem befinde sich bereits im Aufbau, sagte er mit Blick auf Aufträge der KMK an das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Daher stelle sich die Frage, ob oder wie häufig man die internationalen PISA-Vergleichsstudien noch brauche. Das Institut soll ein System aufbauen, mit dem die Einhaltung der gemeinsamen Bildungsstandards der Länder, die als Folge der ersten PISA-Studie ins Leben gerufen worden waren, überprüft werden soll. OECD-Sprecher Matthias Rumpf sagte zu Busemanns Forderung: «Das würden wir natürlich sehr bedauern. Deutschland würde dadurch wichtige Orientierungspunkte für die Bildungsreform und die Bildungsdebatte verlieren. Durch die PISA-Studie kann man erkennen, in welcher Liga Deutschland spielt.» Die Lehrergewerkschaft GEW sagte, solche Forderungen seien «provinziell». Deutschland dürfe sich nicht erneut international isolieren. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, nicht Vergleiche seien das Problem, sondern die gravierenden Mängel in Deutschland. (nz/AP)